Review: pez – “Groundtrippin'”

Tracklist “Groundtrippin'” (VÖ 18.09.2026)

1. WHERE THE HIGHWAY ENDS
2. LYNCHBURG, TN
3. BY NINE
4. NEVER SEEN TENNESSEE
5. LATE NIGHT TALKS
6. LOST ME FOR COUNTRY
7. NINE TO FIVE
8. NICE AND SLOW
9. THREE CHORDS AND THE TRUTH
10. WITHOUT SUPERMAN

Heimat im Herzen, Fernweh im Tank – pez geht mit seinem Debütalbum “Groundtrippin'” auf eine musikalische Roadtrip-Reise.

Zehn Songs, fünf davon komplett neu, und jede Menge Country im Gepäck. Wobei “Groundtrippin'” schon mit seinem Titel ziemlich genau verrät, worum es bei pez geht: “Grounded” trifft auf “Road Trippin'”. Also mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben, aber gedanklich am liebsten schon die nächste lange Straße entlangfahren.

Den Start macht “Where The Highway Ends”. Die erste Single zum Album ist gleichzeitig ein ziemlich guter Vorgeschmack auf das, was kommt. Fernweh, kleine Orte irgendwo in Amerika und trotzdem immer die Verbindung zur eigenen Heimat.
Und die Geschichte hinter dem Song ist mindestens genauso cool. Ein Kumpel von pez aus Fairmount/ Texas, schickte ihm ein paar Fotos und fragte: “Wanna write a song about this place?” Gesagt, getan. Aus Fotos, Geschichten und echten Erlebnissen wurde ein Country-Song, der eben nicht nach ausgedachtem Cowboy-Kitsch klingt, sondern nach einem echten Ort.

Mit “Lynchburg, TN” geht es dann direkt weiter Richtung Süden. Moderner Groove, Gitarre und jede Menge Tennessee-Feeling inklusive. Eine Liebeserklärung an die Heimat von Jack Daniel’s – und damit vermutlich eine der bekanntesten Kleinstädte, die man im Country so besingen kann.

Bei “Never Seen Tennessee” gibt es dann eine ordentliche Portion Humor. pez war schon an so einigen Orten, aber nach Tennessee hat er es bisher irgendwie nicht geschafft. Selbst seine Gibson scheint darüber nicht besonders glücklich zu sein. Ein lässiger Country-Pop-Song mit Ohrwurm-Potenzial und einem Augenzwinkern.

“Late Night Talks” kennt man ebenfalls bereits. Der perfekte Soundtrack für einen Abend, der eigentlich ganz entspannt anfangen sollte und dann plötzlich viel zu spät endet. Warm, locker und modern produziert – genau die Sorte Song, bei der man sofort Lust auf einen lauen Sommerabend bekommt.

Dazu kommen dann fünf Songs, die man bisher noch nicht von pez gehört hat.

“By Nine” erzählt von zwei Menschen, die eigentlich längst loswollten, aber dann doch immer wieder einen Grund finden zu bleiben. Flirty, locker und ziemlich sympathisch.

“Nine To Five” dürfte dagegen der Song sein, bei dem man beim ersten Hören zweimal hinhört. Die Idee kam dem Songwriter nämlich während der Arbeit… Handy raus, Sprachmemo an und den Einfall festgehalten. Aus einer spontanen Notiz wurde später ein ziemlich ausgefeilter Country- Rock- Song mit ordentlich Gitarrensound.

“Nice And Slow” schlägt musikalisch in eine etwas modernere Richtung ein. pez selbst beschreibt den Song mit den Worten: “Morgan Wallen küsst Jake Owen.” Und ja – das passt. Moderner Country trifft auf die warme, melodische Seite des Genres.

Etwas ruhiger wird es bei “Three Chords And The Truth”. Hier darf der Text einfach mal im Mittelpunkt stehen. Ehrlich, persönlich und ohne großes Tamtam. Manchmal braucht es eben wirklich nicht mehr als drei Akkorde und die Wahrheit.

Und dann ist da noch der letzte Song des Albums: “Without Superman”…
Der Song ist seinem verstorbenen Großvater gewidmet und gleichzeitig wohl der persönlichste Moment des Albums. Allerdings ist das kein klassischer Trauersong. Wut und Verlust standen bei der Entstehung im Vordergrund – und genau das sollte man später auch hören. Drei komplette Recording-Tage waren nötig, bis pez mit der Produktion zufrieden war.

Überhaupt steckt erstaunlich viel Arbeit hinter “Groundtrippin'”. pez ist nicht einfach nur Sänger und Songwriter. Er produziert, arrangiert, spielt selbst Instrumente und tüftelt so lange, bis alles passt. Unterstützung gibt es von Musikern aus Deutschland und den USA, unter anderem von Kyle May, Tyler Slawson, Kelby Ray Caldwell, Sasha Ostrovsky, Jake Clayton, Alex Höfken und Aaron Thompson. Für die passenden Farbtupfer im Background sorgen die Backvocals von Christina Berek, die den Songs an den richtigen Stellen noch einmal eine ganz eigene Note verleihen.

Das Schöne dabei: Trotz der vielen Beteiligten klingt das Album nicht wie ein musikalischer Flickenteppich. Es bleibt durchgehend pez.

Und genau das macht “Groundtrippin'” interessant. Hier versucht niemand, einfach nur ein bisschen Nashville zu spielen. pez nimmt Country, mischt ihn mit Rock, Pop und Singer-Songwriter-Elementen und packt seine eigenen Geschichten dazu.

Mal gibt es das volle Gitarrenbrett, mal wird es gemütlich, mal nachdenklich und manchmal einfach nur verdammt gut gelaunt.
“Groundtrippin'” ist Country aus Bayern – mit dem Blick Richtung Tennessee und den Füßen fest auf heimischem Boden.

Oder kurz gesagt: 100 Prozent Vollgas-Country, aber ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Ein gelungenes Debüt, das als Audio-CD und auf den gängigen Streaming-Plattformen erhältlich ist – also CD ins Regal oder ab auf die Playlist und gemeinsam mit pez noch ein paar Kilometer dranhängen…

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