Red Wine – Bluegrass aus Italien bei den Illertal Cowboys

Am Sonntag den 16.08.2026 gastierte im alten Sportheim Illerberg die wohl dienstälteste Bluegrass-Band Europas, die 1978 in Genua gegründete Band Red Wine. Dass von der damaligen Besetzung nur noch einer der Herren dabei ist, verwundert uns nicht. Es handelt sich um Silvio Ferretti (Banjo, Gesang). Aber auch der Gentleman an der Mandoline, der die meisten Soloparts singt, bringt viel Erfahrung mit: Martino Coppo kennt man auch von diversen anderen Formationen. An der Gitarre finden wir mittlerweile schon die nächste Generation der Ferretti-Dynastie vor: Es handelt sich um Silvio´s Sohn Marco. Bassist Lucas Belotti hingegen konnte die aktuelle Tournee berufsbedingt nicht mitmachen. Seinen Platz nahm Icaro Gatti ein, den wir ja erst kürzlich mit der Band Blue Weed erlebt hatten.

Red Wine zeichnet sich durch einen Stil aus, der sowohl traditionellen als auch zeitgenössischen Bluegrass sowie Country, Gospel und Swing umfasst. Seit den 80ern ist man europaweit unterwegs. Die Band trat auf großen internationalen Festivals auf und gab Konzerte zahlreichen Ländern. Dabei teilten sie sich die Bühne mit namhaften Künstlern aus den USA sowie Europa und gewannen überall eine treue Fangemeinde. Nach dem großen Erfolg des Jubiläumskonzerts zum 30-jährigen Bestehen in Genua (2008) rief Red Wine 2009 ein neues, jährliches Event ins Leben: die „Red Wine Bluegrass Party“. Zu den internationalen Gästen zählten dabei schon namhafte Stars aus den USA. 

Nun waren Red Wine also seit 1999 erstmals wieder bei den Illertal Cowboys zu Gast und darüber freuten sie sich ebenso wie die zahlreichen Stammgäste. Sie präsentierten uns einen höchst abwechslungsreichen Querschnitt durch alle Varianten des Bluegrass mit Titeln von Vince Gill, der Carter Family und vielen anderen. Dabei sind auch ein paar eigene gelungene Kreationen. Eines davon trugen sie auf italienisch vor und man konnte tatsächlich heraushören, dass es in dem Text um eine Irland-Reise ging, so ähnlich wie es Johnny Cash mal in seinem „Forty Shades Of Green“ getan hat. Natürlich kann man auch Folk-Klassiker wie „American Girl“ von Tom Petty mal im Bluegrass-Stil vortragen. Und „Somewhere Between Me and You“ haben wir alle noch von Merle Haggard im Ohr. 

Im Publikum befanden sich auch einige hiesige Musiker und die gerieten schier ins Schwärmen von dem außergewöhnlichen Können der vier Herren auf ihren Instrumenten und dem tollen Satzgesang, wie er für Bluegrass so typisch ist. Mit einer Bluegrass-Band verhält es sich offenbar wie mit gutem Wein: je älter, umso besser. Der Beifall sprach jedenfalls für sich. 

Im zweiten Set gab es natürlich vermehrt Klassiker der amerikanischen Legenden zu hören, etwa „Randall Collins“ von Norman Blake oder „The Church Steeple“ von Tim O´Brian und sogar die Lonesome River Band kam zu Ehren. Ferner lernten wir, dass auch in Skandinavien sehr gute Bluegrass-Music gemacht wird. Eine Komposition von Christoffer Olsson haben sie uns aus Schweden mitgebracht.

Red Wine hat übrigens mehrere CD´s veröffentlicht, die aktuelle von 2024 heißt „New Night Dawning“ und aus der gab es den schönen Titelsong. Zu den obligatorischen Zugaben bat man dann übrigens Daniel Kehrle (Gitarre, Gesang) mit auf die Bühne. Der ist aktuell Mitglied der Münchner Band „Grass Fusion“ und ein wahrer Virtuose auf seinem Instrument. Zusammen gab es dann eine XL-Version von „My Home´s Across The Blue Ridge Mountains“.