Es gibt diese Momente, die man nicht planen kann. Sie passieren einfach. Bei Uwe Lost war es ein Facebook-Video.
Ein kleines Konzert im Studio Maschen. Ein Raum voller Erinnerungen. Und plötzlich war da wieder dieses Gefühl. „Ich hatte einfach wieder Bock, live zu spielen“, sagt er. Kein großer Plan, keine Strategie – nur dieser eine Gedanke.
Dabei hatte er längst mit einem anderen Leben Frieden geschlossen. Nach fast fünf Jahrzehnten auf der Bühne war Ruhe eingekehrt. Reisen im Wohnmobil, u.a. mit Zeit in Spanien, Abstand vom Musikgeschäft. „Ich konnte mit meiner Freizeit sehr gut was anfangen“, erzählt er. Die Bühne war kein Muss mehr. Und vielleicht genau deshalb wurde sie wieder interessant.
Was dann folgte, ging erstaunlich schnell. Uwe Lost nahm Kontakt zum Studio Maschen auf, sprach mit der neuen Leitung, schaute sich die Räume an – und rief die alten Weggefährten an. Die Reaktion kam ohne Zögern. „Alle waren sofort Feuer und Flamme.“
Unter dem Namen DIE COWBOYS® fanden Musiker wieder zusammen, die einst den Sound von Truck Stop geprägt hatten. Mit dabei: Rainer Bach, dessen Stimme die frühen Jahre entscheidend mitbestimmt hat, Uwe Lost selbst, dazu Dirk Schlag und Chris Kaufmann. Komplettiert wird die Besetzung durch Florian Lost am Schlagzeug – der nicht nur musikalisch seit Jahren eng mit seinem Vater arbeitet – sowie Keyboarder Bo Heart, der als erfahrener Musiker unter anderem mit Xavier Naidoo und Klaus Lage gearbeitet hat.
Der Plan war überschaubar: ein Konzert. Ein Abend. Mehr nicht.
„Wir haben gedacht, wir machen das einmal – und dann war’s das.“
Doch daraus wurde innerhalb kürzester Zeit mehr. „Wir haben den Termin reingesetzt – und die Tickets waren sofort weg“, erinnert sich Uwe Lost. Keine halbe Stunde, dann war alles ausverkauft. Aus der Idee wurde ein zweiter Abend, ursprünglich fast als „bezahlte Probe“ gedacht. Am Ende standen zwei vollwertige Konzerte – getragen von einer Energie, die niemand so erwartet hatte.
Die Vorbereitung hätte kaum unkonventioneller sein können. „Wir haben einen Abend vorher kurz geprobt – und sind dann ins kalte Wasser gesprungen.“ Was riskant klingt, funktionierte erstaunlich gut. Natürlich lief nicht alles perfekt. „Einen Song haben wir zweimal angefangen, weil wir ihn nicht gleich hingekriegt haben“, erzählt er. Aber genau das machte den Moment aus: keine Perfektion, sondern Echtheit.
Viele der Songs hatten die Musiker jahrzehntelang nicht mehr zusammen gespielt. Einige zuletzt Anfang der 80er-Jahre. Und trotzdem waren sie sofort wieder da. „Die sind im Kopf drin. Du hörst sie einmal – und weißt genau, wie sie laufen.“
Besonders spürbar wird das, wenn Rainer Bach singt. Seine Stimme ist für viele untrennbar mit den großen Erfolgen verbunden. „Das ist die Originalstimme von damals“, sagt Uwe Lost. „Da kriegen die Leute glänzende Augen.“ Es sind genau diese Momente, in denen Musik mehr ist als Unterhaltung – sondern Erinnerung, Gefühl, Geschichte.
Natürlich stehen die großen Klassiker im Mittelpunkt – „Der Wilde Wilde Westen“ oder „Ich möcht’ so gern Dave Dudley hör’n“. Songs, die Generationen geprägt haben. Aber DIE COWBOYS® sind mehr als eine Reise in die Vergangenheit. Neue Titel wie „50 bunte Jahre“ gehören genauso dazu.
Und auch sie entstanden eher beiläufig. „Wir wollten die eigentlich nur aufnehmen und ins Internet stellen“, erzählt der Musiker. Ohne großes Ziel, ohne Druck. Der Zuspruch der Fans änderte alles – und führte schließlich zu einem Doppelalbum mit 32 Songs, das am 24. April erscheint. Hier kann man das Album Vorbestellen: DieCowboys.lnk.to/SchoenWarDieZeit
Dass dieses Projekt anders ist als Truck Stop, liegt nicht an der Musik, sondern an der Haltung dahinter. „Wir machen das aus Spaß“, sagt Uwe Lost. „Wir müssen damit kein Geld verdienen.“ Ein Satz, der fast beiläufig fällt, aber viel erklärt. Wo früher wirtschaftlicher Druck mitspielte, ist heute vor allem Freiheit. Oder, wie er es selbst sagt: „Früher mussten wir davon leben. Heute machen wir es für den Applaus.“
Und genau dieser Applaus ist es auch, der die nächsten Schritte bestimmt. Nach den ersten umjubelten Auftritten gehen DIE COWBOYS® im Frühjahr 2026 erneut – diesmal mit Unterstützung von Dietmar Wächtler an der Steelguitar – auf die Bühne:
30. April – Berlin, Fontane Haus
1. Mai – Limbach-Oberfrohna, Stadthalle
2. Mai – Celle, CD-Kaserne
3. Mai – Hamburg, Friedrich-Ebert-Halle
Ganz ohne Herausforderungen bleibt es trotzdem nicht. Die Musiker sind gefragt wie eh und je. Dirk Schlag steht mit Santiano auf großen Bühnen, Chris Kaufmann ist unter anderem mit Andreas Gabalier und seinem eigenen Projekt Wild As Her unterwegs. Termine zu koordinieren, ist kompliziert. „Es hat lange gedauert, bis wir überhaupt passende Zeiträume gefunden haben“, so Uwe Lost. „Es kann durchaus sein, dass es bei diesen vier Konzerten bleibt.“ Und dann, fast beiläufig: „Aber man soll nie nie sagen.“
Dass ausgerechnet das Studio Maschen zum Ausgangspunkt dieser Geschichte wurde, ist kein Zufall. Für die Musiker ist es ein Ort voller Erinnerungen. „Das war unser zweites Zuhause … Wir waren früher teilweise drei Monate am Stück dort.“ Ein Ort, an dem damals Geschichte entstand – und jetzt wieder neue geschrieben wird.
Vielleicht ist es genau diese Mischung, die DIE COWBOYS® so besonders macht: Erfahrung ohne Routine, Vergangenheit ohne Stillstand. Und vor allem Musik ohne Zwang.
„Das schönste Geschenk ist die Reaktion der Fans“, sagt Uwe Lost. „Dass die Leute uns feiern – das ist das, was uns antreibt.“
Und wenn man ihm zuhört, versteht man schnell, dass es genau darum geht. Nicht um Comebacks oder große Pläne. Sondern um diese Momente auf der Bühne, wenn alles wieder zusammenpasst. Und die Zeit – zumindest für ein paar Songs – einfach stehen bleibt.

