Country- Fest in Radbruch zu Pfingsten 2026

Seit nunmehr 30 Jahren zu Pfingsten, ist der kleine Ort Radbruch, in der Lüneburger Heide, klar in der Hand der Countrymusicfans. Daran sollte sich auch in diesem Jahr nichts ändern. Und so fand zum 29. Mal das Countryfest des auf dem Hof Eggers angesiedelten Country Club Wild West statt. Aus dem ursprünglichen Country Music Brunch hat sich über die Jahre ein hochfrequentiertes und doch familiäres Fest entwickelt, das gefühlt vom ganzen Ort unterstützt wird. Von Kinderbetreuung mit Basteln und Malen, Hüpfburgen und Pferdeshow bis Traktorenparade und Ausstellung – dieses Fest hat so viele liebevolle Details die nur noch durch die Herzlichkeit und das Engagement der Clubmitglieder in den Schatten gestellt werden.

Bei eben dieser Traktorenparade erfüllte sich für unser Redaktionsmitglied Julia ein Traum. Denn sie durfte, organisiert durch Kassenfee Biggi, auf einem Schlüter S650 V aus den 60er Jahren an der Parade teilnehmen und auf dem knallroten Traktor mitfahren.
Traditionell wird das Fest am Samstag Vormittag seit Jahren durch die Lokalmatadoren “Die Melker” eröffnet. Sie gehören genauso untrennbar zum Erlebnis Radbruch wie das Moderatoren/ Interpreten Duo “Schischi and The Duke”.
Denn eines gibt es in Radbruch nicht: einen DJ für die Line Dancer und oder Moderation. Die Bands werden allesamt vom Clubchef Hans-Jürgen „Hansemann“ Hinrichsen anmoderiert. Durch den Tag führen dann “Schischi and The Duke”, die den Linedancern fast alle Wünsche erfüllen, und das mit Live-Gesang und Musik aus der Konserve. Dieses Konzept funktioniert in Radbruch tatsächlich so gut, dass das Duo inzwischen eine Art Fanclub hat.

Der Samstag stand ganz klar im Zeichen der Traditionsbands. Mit “The Forgotten Sons of Ben Cartwright” stand so die erste reine Country Musik Band auf der Bühne. Die 2012 gegründeten, aus dem Raum Osnabück stammenden, vergessenen Söhne vom Bonanza Chef, haben in ihrem beachtlichen Repertoire für jeden Zuhörer etwas dabei, sei es der LineDancer, der Two Stepper oder der Classic Country Fan.
Über die beiden folgenden Bands braucht man kaum etwas berichten, nicht wegen Qualitätsmangel oder Belanglosigkeit, Ganz im Gegenteil, sowohl “Gone Country” und die “Mavericks Country Muisc Show” sind seit Jahren eine feste Grösse auf den Bühnen Deutschlands. Beide haben seit Jahren eine Fangemeinde und das nicht ohne Grund. Routiniert und musikalisch hervorragend arrangiert, führten sie durch den Rest des Samstags und sorgten dafür, das die Tanzfläche trotz der fast tropischen Temperaturen immer gut gefüllt war.

Nach einem Krankheitsbedingten Ausfall in 2025 durften “Kevin Cash and the Cattlemen” ihren Auftritt in diesem Jahr nachholen und das Fest dann am Sonntag Vormittag eröffnen. Was sich als hervorragende Entscheidung des Clubs entpuppte. Denn die Band um Frontsänger Kevin spielt eine unterhaltsame Mischung aus Classic Country, Rock’n’Roll und Rockabilly. Die von der Band selbst geschriebenen Songs fügen sich dabei so nahtlos in die Coverversionen ein, dass man meinen könnte, sie kämen aus der gleichen Ära. Auf leicht ironische Weise werden auch deutsche Songs in das Programm eingebaut und von Ben, dem Gitarristen der Band präsentiert, denn sein Englisch ist O-Ton “not the yellow from the egg”. Man sollte diese, trotz des Bestehens seit 10 Jahren, noch recht junge Band aus dem Erzgebirge auf dem Schirm haben, denn sie bieten eine hervorragende musikalische Qualität, eine zurückhaltende Publikumsnähe und sehr viel Spass an der klassischen Country Musik.
Die zweite Band des Tages waren dann die erst Ende 2025 gegründete Band “Buffalo Drive” um Frontmann Martin Connell. Sie hatten in Radbruch ihren zweiten offiziellen Auftritt in der sehr jungen Bandgeschichte. Bei ihnen liegt der Fokus klar auf den eher weniger bekannten und nichtsdesdotrotz erfolgreichen Songs aus der Schublade Blackberry Smoke, Turnpike Troudadours und Shane Smith and the Saints. Hier wird ganz klar nicht auf den Zuspruch der Line Dancer gewartet, Obwohl tanzbar, ist der Fokus klar im Bereich Red Dirt Country, Americana und Country Rock. Dieses Konzept hat in Deutschland durch die immer grössere Fangemeinde der Serie Yellowstone und dem damit verbundenen Lifestyle mit Sicherheit eine Zukunft. Man darf gespannt sein…
2025 als Plan B von Plan B waren “b.country” noch der Ersatz. In diesem Jahr wurden sie, mit Recht, erneut eingeladen. Und wieder haben sie abgeliefert. Die Band um Frontfrau und Powerstimme Susann kam in diesem Jahr sogar mit einem Upgrade. Inwischen ist die Band gleich um zwei Instrumente reicher. Denn mit Neumitglied Axel kamen Pedal Steel und Fiddle dazu. Der Countrysound ist also noch mehr gewachsen. Man merkt beim zuhören an keiner Stelle, dass diese Änderung im Lineup erst kürzlich erfolgt ist, so nahtlos fügt sich das Ganze zusammen. Die hervorragend gespielten und vorgetragenen Coversongs der Band bedienen sich aus den erfolgreichsten Songs der letzten 40 Jahre wobei der Gesang von Susann so klar und kräftig ist, das sie sogar auf ursprünglich von Männern interpretierten Songs zurückgreifen kann, ohne dass das irgendwie falsch und zu weich klingt.
Aber wie heisst es so schön, das Beste sollte man sich immer bis zum Schluss aufheben. Und diese Weisheit wurde Programm mit “Memphis Boulevard”. Die aus Dänemark stammende Band ist bereits mehrfach in Radbruch aufgetreten und schon beim ersten Song konnte man klar erkennen warum… Frontmann Mark Schedler füllt mit seiner Präsenz und Energie die Bühne so sehr aus, das es fast in Vergessenheit gerät, dass da noch drei weitere ausserordentliche Musiker auf der Bühne stehen und ihren Bandchef unterstützen. Es braucht hier keine Aufzählung von Songs. Diese Band ist einfach ein Erlebnis.
Wen es bei dieser energiegeladenen, publikumsnahen und unterhaltsamen Show auf seinem Platz hält, der hat keinen Puls mehr.

Und so freuen wir uns auf das 30. Jubiläum des Festes im Jahr 2027 mit einem mit Sicherheit gut zusammengestellten Line-up. Mindestens genau so viel Herzblut und all den engagierten Menschen um Chef Hansemann.

 

Fotos: Jackie Koschack & Julia Wick