Chris Jones & The Night Drivers bei den Illertal Cowboys

Die Reihe mit hochkarätigen Bluegrass-Bands im alten Sportlerheim in Vöhringen-Illerberg ist in vollem Gange. Veranstalter Herbert Schildhammer wählt ja für diese Konzerte bewusst immer Künstler aus, die man nicht alle Tage erlebt. Diesmal war aber mit Chris Jones & The Night Drivers eine der namhaften Bluegrass-Formationen der USA am Start.

Beginnen wir einmal mit einem Zitat: “Als ich Chris Jones vor über 25 Jahren zum ersten Mal hörte, wurde er einer meiner Lieblingssänger, und er hat bis heute eine der markantesten und besten Stimmen der Musik, Punkt. Es ist wie guter Wein für die Ohren.” Das hat kein geringerer als Jim Lauderdale gesagt und er hat nicht übertrieben, wie wir am 26.05.2016 bei den Illertal Cowboys feststellen konnten.

Chris singt zumeist die Solostimme bei diesem Quartett und spielt die Akustikgitarre. Sein gefühlvoller Gesang, sein solides Gitarrenspiel und seine beeindruckende Vielseitigkeit haben ihm den Respekt einiger der weltweit besten Musiker eingebracht. So trat er bereits gemeinsam mit den Chieftains, Earl Scruggs, Vassar Clements und Tom T. Hall auf. Den Kontrabass spielt Nelson Williams, der zählt zu den aufstrebenden Leuten der Szene, hat sogar eine Ausbildung am Konservatorium vorzuweisen. Aus der musikalisch vielfältigen und reichen Kultur Süd-Louisianas stammend, schöpft Nelson seine Inspiration sowohl aus seiner Heimat als auch darüber hinaus; er verbindet Einflüsse aus Bluegrass, Jazz, Klassik und Old-Time-Musik gleichermaßen.
Am Banjo und der Ukulele erlebten wir Grace Van´t Hof Grace, sie stammt ursprünglich aus Holland, Michigan. Ihr treibender Banjo-Stil ist geprägt von frühen Meistern wie Earl Scruggs und Don Reno sowie von neueren Spielern wie Ron Block und Jim Mills. Und die Mandoline spielt ein Mann, den die langjährigen Fans hier bestens kennen: Mark Stoffel war bis 2001 Mitglied der Münchner Band „Shady Mix“, der einige von uns noch heute nachtrauern. Mit dabei war damals u.a. auch Willie Brian Jones. Nach dem Ende von Shady Mix ging Mark nach Illinois. Er hat dort geheiratet, hat zwei Söhne und ist musikalisch nach wie vor sehr aktiv.

Dieses Quartett präsentierte uns zwei Sets mit höchst abwechslungsreicher Bluegrass Music, einige bekannte Klassiker, zumeist aber Titel, die die man hier kaum kennt, die aber trotzdem schnell ins Ohr gehen. Jeder der vier ist ein Meister auf seinem Instrument, die Soli sind mitreißend und der Chorgesang ist ein Genuss. Schön, dass man mit „The Leaving Of Liverpool“ auch mal einen irischen Klassiker einfließen lässt. Da zeigt sich wieder gut, dass Bluegrass auch irische Wurzeln hat. Mark Stoffel hat ja auf seiner letzten Solo-CD mal zusammen mit siebzehn (!) anderen Mandolinenspielern den Glenn Miller-Klassiker „In The Mood“ eingespielt. Auch den erlebten wir, natürlich nur mit einer Mandoline.

Es war so ein Abend, den man so schnell nicht vergisst. Bluegrass vom Feinsten, in einer Atmosphäre, wie wir sie so gerne mögen. Man ist ja im alten Sportlerheim immer hautnah dran am Geschehen. Und dennoch hat unser Gastgeber am Schluss etwas gehustet. Man zahlt ja dort keinen Eintritt, sondern es gibt eine Hutsammlung, bei der die Gäste sich normalerweise großzügig zeigen. An diesem Abend waren einige scheinbar arg knickrig. Das sollte nicht sein. Geben wir uns alle mal einen Ruck: Gerade solche feinen Konzerte, bei denen sich die Veranstalter seit Jahren in bewundernswerter Weise engagieren, sollten wir ohne Wenn und Aber finanziell großzügig unterstützen.