Between Cities & Call It Off im Hirsch Nürnberg

Montagabend im “Hirsch” – und statt klassischem Wochenstart gab’s ordentlich was auf die Zwölf. Den Auftakt machten “Between Cities”, die mit ihrem Alternative-/Post-Hardcore-Sound direkt klar machten, dass dieser Abend definitiv nicht bei Kuschel-Pop enden würde.

Der “Hirsch” in Nürnberg ist für so einen Abend natürlich eine perfekte Location. Die Halle füllte sich anfangs zwar eher langsam, doch zum Konzertbeginn war sie gut gefüllt – und vor allem war die Stimmung vom ersten Ton an da. Beide Bands wurden vom Publikum direkt gefeiert, und genau diese Energie kam auch von der Bühne zurück. Kein langes Warmwerden, kein vorsichtiges Abtasten: Die Jungs legten los und der “Hirsch” war dabei.

Für uns war der Auftritt von “Between Cities” aber noch aus einem anderen Grund besonders: Sänger Nick Jongenjan und Drummer Gijs de Waal kennen wir noch aus früheren Zeiten, als die beiden als “The Young River”, einer Modern-Country-Band, unterwegs waren. Umso spannender war es, sie jetzt in diesem völlig anderen musikalischen Gewand wiederzusehen. Von Modern Country zu Alternative/Post-Hardcore ist schließlich nicht gerade ein kleiner Schritt.

“Back to the roots”, nennt Nick das selbst – und tatsächlich fühlt es sich ein bisschen so an: zurück zu den eigenen musikalischen Wurzeln, dahin, wo Gitarren wieder ordentlich Druck machen und vor allem eines zählt: die pure Lust an der Musik. Und nein, schlecht war das keinesfalls. Ganz im Gegenteil: “Between Cities” haben ordentlich abgeliefert und den Gästen im “Hirsch” schon zum Start einen richtig fetten musikalischen Abend beschert… Mitreißend, intensiv und mit ordentlich Energie auf der Bühne.

Auch die Tour von “Between Cities” und dem Headliner “Call It Off” selbst hat es in sich: Beide Bands des Abends stammen aus den Niederlanden und ziehen derzeit gemeinsam durch Europa. Von Frankfurt ging es über Wien nach Nürnberg und von hier aus direkt weiter nach Salzburg. Eine ziemlich wilde Route – und vermutlich jede Menge Kilometer auf dem Tacho, bevor die Tour irgendwann wieder in der Heimat endet.

“Call It Off” machten aus Taylor Swift kurzerhand Pop-Punk. “Eras Tour Goes Pop-Punk” klingt zunächst nach einer kuriosen Idee, funktioniert live aber erstaunlich gut: bekannte Melodien treffen auf krachende Gitarren, treibende Drums und jede Menge Energie. Songs wie “22”, “Enchanted”, “Blank Space” oder “Shake It Off” bekommen ordentlich Strom auf die Leitungen und funktionieren plötzlich genauso gut vor einer schwitzenden Punk-Meute wie im Stadion.

Das Schöne bei “Call It Off” – sie nehmen die Sache nicht bierernst, sondern feiern hörbar selbst, was sie da veranstalten. Genau diese Mischung aus Nostalgie, Pop-Appeal und echtem Pop-Punk-Herz macht den Abend aus.

Und noch eine schöne Verbindung gab es an diesem Abend: Gitarrist Timmy von “Call It Off” war früher ebenfalls bei “The Young River” unterwegs. So wurde aus dem ohnehin schon ungewöhnlichen Konzertabend auch noch ein kleines musikalisches Wiedersehen mit einigen bekannten Gesichtern aus früheren Zeiten.

Taylor Swift selbst hätte vermutlich auch ihren Spaß gehabt. Ein ziemlich ungewöhnliches Konzept, das im “Hirsch” überraschend verdammt gut aufgeht – laut, tanzbar und mit genügend Gitarren, um auch eingefleischte Pop-Punk-Fans glücklich zu machen. Und mit “Between Cities” als Support war schon vor dem ersten Swift-Song klar: Das wird kein gewöhnlicher Montagabend. Ein richtig fetter musikalischer Abend, der einmal mehr gezeigt hat, wie viel Spaß es machen kann, wenn unterschiedliche musikalische Wege plötzlich wieder zusammenlaufen.