In den letzten Monaten haben wir bereits über recht exotischen Bands der Bluegrass-Szene berichtet, die als verschiedensten Ländern kamen. Am 06.10.2026 gab ein Duo aus Tschechien ein Gastspiel im Rahmen eines Privatkonzerts in Niederbayern. Radim Zenkl und Ondra Kozak spielen seit fünf Jahren als Duo zusammen, arbeiten aber beide aber auch anderen Projekten. Radim hat lange in den USA gelebt. Als US-Mandolinen-Champion definierte er die Mandoline und ihre musikalische Rolle neu, indem er Instrumente aus der Mandolinenfamilie weiterentwickelt und neue Spieltechniken kreierte, den sogenannten „Zenkl-Stil“, bei dem eine einzelne Mandoline so klingt, als würden zwei Instrumente gespielt.
Ondras erstes Instrument war die Geige. Er spielte sie bereits, bevor er schreiben lernte. Schon in seiner Kindheit begeisterte er sich für verschiedene Arten akustischer Musik und begann, auch andere Instrumente zu spielen – vor allem Gitarre, Mandoline und Bass, später auch Dobro. Ondra ist Musiklehrer und arbeitet derzeit an Aufnahmen, die er aus den Staaten mitgebracht hat und die auf seinem neuen Album erscheinen werden. Beide Musiker haben in den USA schon mit namhaften Bluegrass-Künstlern gearbeitet.
An diesem Abend nahmen die beiden uns mit auf eine Weltreise durch die akustische Musik, die weit über traditionellen Bluegrass hinaus ging. Das reichte von Eigenkompositionen über Musik, die sie in Indien, Schweden und weiten Teilen Osteuropas aufgeschnappt haben. Da alles verarbeiten die beiden mit Gitarre, Mandoline, Fiddle und Dobro zu einem höchst schmackhaften Cocktail, bei dem man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Weil auch traditionelle irische und schottische Weisen dabei sind, greift Radim auch mehrmals zur Tin Whizzle bzw. irische Flöte. Da erklang dann z.B. eine 300 Jahre alte Melodie des irischen Barden Turlough O´Carolan so wehmütig, dass der Zuhörer feuchte Augen bekommt.
Und dann wird es richtig interessant: Radim Zenkl hat Instrumente dabei, die wohl keiner von uns hierzulande je gesehen hat. Das beginnt mit einer Fujara, das ist eine slowakische Schäferflöte, die von der Größe eher einem Fagott ähnelt. Einen solchen Sound hatten wir noch nie gehört, insbesondere nicht zusammen mit Dobro-Klängen. Ein ähnliches Instrument haben die beiden aus Polen mitgebracht, das erklang dann zusammen mit der Fiddle. Mit einem transportablen Digeridoo setzten sie dann noch einen drauf. Passend dazu gab es ein paar alte Melodien aus längst vergangener Zeit, wie „Bonapartes Retreat“ und „Angeline Baker“, als Zugabe noch etwas Musik von Bill Monroe. Es war ein Abend der ganz besonderen Art.










