Country, Rock und ein Hauch Nostalgie – Travis Tritt bei der Shellabration in Fort Dodge

An einem lauen Sommerabend fand mitten in Downtown Fort Dodge (einer Stadt in Iowa/ USA) wieder die alljährliche Shellabration statt. Für Country-Fans eine schöne Gelegenheit, Live-Musik unter freiem Himmel zu genießen. Und für mich persönlich war der Abend auch eine kleine Reise zurück in eine Zeit, in der Country für mich noch ganz eindeutig nach Country klang.

Die 1990er sind dabei ganz klar mein persönlicher Country-Geschmack. Damals gab es diese Mischung aus markanten Stimmen, Gitarren, Geschichten und einem Sound, bei dem man nicht lange überlegen musste, ob man gerade Country hört. Mit dem heutigen Country tue ich mich dagegen manchmal etwas schwer. Bei manchen Songs frage ich mich schon, wo genau eigentlich noch der Country darin steckt.

Für mich begann der Konzertabend allerdings zunächst mit einer kleinen Erinnerung an das vergangene Jahr. Bei der letzten Shellabration musste ich mich um einen tierischen Notfall kümmern und auf den Tierarzt warten, der mein Pferd notversorgte. Umso schöner, dass ich dieses Jahr das Konzert tatsächlich entspannt genießen konnte.

Rockiger Auftakt

Den ersten musikalischen Part übernahmen Stadium Dr. & 35 South. Allerdings war das für meinen persönlichen Geschmack deutlich mehr Rock als Country. Die Band spielte viele Coverversionen aus dem Rockbereich und nur relativ wenige Country-Songs.

Musikalisch und auch stimmlich konnte mich der Auftritt nicht wirklich überzeugen. Auch schaffte es die Band meiner Meinung nach nicht so richtig, das Publikum mitzunehmen und die gewünschte Konzertstimmung aufzubauen.

Als zweiter Opener kam Blake Jack, ein Country-Singer-Songwriter aus Iowa. Bei ihm war dann schon wesentlich mehr von dem zu hören, was ich persönlich mit Country verbinde.

Besonders gut gefallen hat mir sein im Januar 2026 veröffentlichter Song „Devil’s Heart“. Ein wirklich guter Song, der musikalisch deutlich mehr Energie in den Abend brachte. Auch stimmlich konnte Blake Jack überzeugen und schaffte es, das Publikum spürbar mehr für sich zu gewinnen.

Dann kam Travis Tritt

Nach einer weiteren kurzen Umbaupause war es gegen 20:45 Uhr endlich so weit: Der Headliner des Abends, Travis Tritt, betrat die Bühne.

Es war bereits meinzweites Travis-Tritt-Konzert, und ich kann eigentlich nur sagen: Ich wurde auch dieses Mal nicht enttäuscht.

Und genau hier war ich dann wieder in meinem Country-Element.

Der Grammy-prämierte Sänger und Songwriter gehört zu den großen Namen der Country-Musik der 1990er-Jahre. Mit Songs wie „It’s a Great Day to Be Alive“, „Here’s a Quarter (Call Someone Who Cares)“, „T-R-O-U-B-L-E“ und „Anymore“ hat er Country-Geschichte geschrieben.

Travis Tritt nahm sich in Fort Dodge außerdem kurz Zeit, den anwesenden Militärangehörigen und Veteranen seinen Respekt zu zeigen und ihnen anschließend „Anymore“ zu widmen. Ein kurzer, aber schöner Moment während des Konzerts.

Country, wie ich ihn liebe

Danach ging es richtig los. Travis Tritt spielte seine bekannten Songs und forderte das Publikum immer wieder zum Mitsingen auf. Bei „10 Feet Tall and Bulletproof“ ließ sich die Menge nicht lange bitten und sang kräftig mit.

Besonders gefallen hat mir wieder der akustische Teil des Konzerts. Er gab seiner Band eine Pause und spielte selbst Gitarre. Und da zeigte sich einmal mehr, dass er nicht nur ein hervorragender Sänger, sondern auch ein richtig guter Gitarrist ist.

Überhaupt war ihm die Freude am Auftritt anzusehen. Er hüpfte über die Bühne wie ein Gummiball und hatte sichtlich Spaß daran, seine Musik mit dem Publikum zu teilen.

Und genau das ist für mich der Unterschied: Bei Travis Tritt muss ich nicht überlegen, ob das noch Country ist. Das ist Country.

Natürlich entwickelt sich Musik weiter, und auch der Country hat sich verändert. Aber während ich bei manchem modernen Country-Song manchmal Schwierigkeiten habe, ihn überhaupt noch als Country einzuordnen, fühle ich mich bei Künstlern wie Travis Tritt sofort wieder in die 90er zurückversetzt.

Gitarren, markante Stimmen, ehrliche Songs und dieser typische Country-Sound – genau das ist mein Country.

Ein Abend ganz nach meinem Geschmack

Die Shellabration bot in diesem Jahr eine Mischung aus Rock und Country. Nicht jeder Act konnte mich gleichermaßen begeistern, aber spätestens mit Blake Jack und anschließend Travis Tritt war der Abend für mich genau dort angekommen, wo ich ihn haben wollte.

Ein lauer Sommerabend mitten in Downtown Fort Dodge, gute Musik, ein großartiger Gitarrist und ein Country-Star der 90er auf der Bühne.

Mein zweites Travis-Tritt-Konzert – und wieder einmal nicht enttäuscht.

Jetzt bin ich schon gespannt, wer nächstes Jahr auf der Bühne der Shellabration stehen wird. Vielleicht wieder ein Künstler, der mich zurück in die Country-Zeit der 90er versetzt.

Denn wenn Country so klingt wie bei Travis Tritt, dann bin ich definitiv weiterhin dabei. 🤠🎸