Women in early Country Music – MOLLY O´DAY

Molly O´Day

geboren am 09. Juli 1923 als Lois LaVerne Williamson
auf einer Farm im Pike County, Kentucky
gestorben am 05. Dezember 1987 in Huntington, West Virginia,
im Alter von 64 Jahren an Krebs

Eigentlich gehört sie schon der zweiten Generation von
Country-Sängerinnen an, denn in ihrer Jugend hörte sie
Patsy Montana, Lulu Bell Wiseman, Lily Mae Ledford  und
‚Texas Ruby Owens‘   
und sang die Songs am Radio mit.
Ihr Vater Joseph war Bergmann (Kohle) und Mutter Hester war
Hausfrau und Mutter von drei Kindern.
Ihr Vater hatte eine Farm bei McVeigh, Ky., die fast genau im Zentrum
eines Dreiecks lag, das von drei Dörfern gebildet wurde.
Es war das Gebiet in den östlichen Appalachen Kentuckys,
aus dem auch Loretta Lynn und Ricky Scaggs stammen.
Ob ihr Vater zu der Zeit, als Molly aufwuchs schon in Rente war,
ist nicht bekannt, aber gut möglich.
Auf jeden Fall hatten ihre Eltern gar nichts mit Musik zu tun,
aber ihre beiden älteren Brüder.
Das waren Cecil, der sich aber ‚Skeets‘ nannte und Joe, der als
‚Duke‘ bekannt ist.  ‚Skeets‘ spielte fiddle und ‚Duke‘ das Banjo.
Erst war es ihr Bruder ‚Skeets‘,  der 1939 einen Job als Fiddler in
einer  Radioband annahm:
‚Ervin Staggs and His Radio Ramblers ‚  die bei WCHS in
Charlston, W.V. spielten.
Noch im gleichen Jahr, also im Alter von gerade mal 16 Jahren
kam Molly, damals noch als Lois, als Sängerin zur gleichen Band.
Die Mundart der Bergwelt der Appalachen in Ost-Kentucky wo
Molly aufwuchs, war auch noch bis an ihr Lebensende aus jedem
Wort das sie sang, herauszuhören. Ihre Stimme war untrainiert
aber kraftvoll,  laut und klar von rauhem aber ehrlichem Charm,
wie ein Kritiker sich mal äußerte.
Hier in dieser ersten Band nahm sie ihren ersten Bühnennahmen
„Mountain Fern“ (Berg-Farn) an.
Sie arbeitete in der Band eng mit dem Banjoisten Murphy McClees
zusammen von dem sie auch ihre Kenntnisse auf dem Instrument
erlernte, bzw. erweiterte.
Molly änderte etwas später abermals ihren Namen in ‚Dixie Lee‘.
Der Gig in der Band dauerte aber nur ein paar Monate, inzwischen
war nämlich auch Bruder ‚Duke‘ soweit und wollte mitmachen.
Also zogen die drei gemeinsam weiter, arbeiteten kurze Zeit
in Williamson, W.V. an einer Radiostation, bevor sie weiter
zogen und in Beckley, W.V.  bei den ‚Happy Valley Boys‘ von
Johnnie Bailes landeten.
Inzwischen war das Jahr 1940 angebrochen und die Band
verdiente nicht viel, löste sich kurze Zeit später auf.
Molly bewarb sich bei der Band  ‚Lynn Davis and His Forty-Niners‘.
Sie bekam den Job, begann mit der Band zu touren und bei einem
Auftritt in Birmingham, Alabama lernte sie den jungen
Hank Williams kennen, der auch dort auftrat.
Molly gefielen die Lieder des jungen Sängers so gut, daß sie sie
später auf Schallplatten aufnahm.
Noch besser als Hank Williams Songs aber gefiel ihr der Bandleader
Lynn Davis!
Am 05. April 1941 heiratete sie den seelenverwandten Gitarristen
und Bandleader! 
Die Band spielte die nächsten Jahre überall im Südosten.
Warum Lynn Davis den Bandnamen 1945 zu
‚The Cumberland Mountain Folks‘ änderte, ist mir nicht bekannt.
Doch der neue Name brachte ihnen Glück.
1946, Molly O`Day, sie hatte wieder einmal – diesmal aber endgültig –
den Namen gewechselt, als Fred Rose sie an einer Radiostation
in Knoxville singen hörte.
Es war ein Song, den sie von Hank Williams gelernt hatte:
‚Tramp on the Street‘ (auch ein religiöser Song) und das gefiel
Fred Rose, der ja auch mit Hank arbeitete so gut, daß er ihr einen Schallplattenvertrag bei Columbia verschaffte.
Molly liebte die traditionellen Balladen und Gospelsongs,
die sie dann später nur noch sang.

Songtext von ‚Tramp on the Street‘ [Grady & Hazel Cole]

Only a tramp was Lazarus sad fate
He who lay down at the rich man’s gate
He begged for the crumbs from the rich man to eat
He was only a tramp found dead on the street
He was some mother’s darlin‘, he was some mother’s son
Once he was fair and once he was young
And some mother rocked him, her darlin‘ to sleep
But they left him to die like a tramp on the street
Jesus, he died on Calvary’s tree
He shed his life’s blood for you and for me
They pierced his side and then his feet
And they left him to die like a tramp on the street
He was Mary’s own darlin‘, he was god’s chosen son
Once he was fair and once he was young
Mary, she rocked him, her darlin‘ to sleep
But they left him to die like a tramp on the street
If Jesus should come and knock on your door
For a place to come in, or bread from your store
Would you welcome him in, or turn him away
Then the god’s would deny you on the great judgment day.

„Molly O´Day & The Cumberland Mountain Folks“
machten am 16. Dezember 1946 ihre ersten Schallplattenaufnahmen.
Übrigens, den Kontrabass in der Band spielte zu der Zeit
niemand Geringerer als die spätere Bluegrass-Legende
Mac Wiseman und danach, der auch etwas später
zu Ruhm als Sänger kommende Carl Smith!
Obwohl ihre Popularität im Laufe der Jahre zunahm,
zweifelte sie an ihrer derzeitigen Lebens-Einstellung.
Der Erfolg forderte auch seinen Tribut – ständig auf Achse,
jeden Tag woanders – und Molly und Lynn zogen sich zeitweise zurück.
Die Beiden kamen dann aber im Spätherbst 1947 wieder
in´s Studio und nahmen den Song „Matthew Twenty-Four“ auf,
der ein Hit (für Molly´s Verhältnisse) werden sollte.
Molly nahm zwischen 1946 und 1951 insgesamt 36 Songs
für Columbia auf.
Alle Songs in einem eher rauhem, urtümlichen Stil,
als es der damals schon eher kommerziell, ’smoothed-over‘
‚Nashville-Sound‘ war.
Obwohl viele der Songs älter klangen, als man annehmen konnte,
waren sie von zeitgenössigen Songwritern und einige auch
von Molly sebstgeschrieben.

Songtext von ‚Matthew Twenty-Four‘ [Lonnie Glosson]

Oh, I believe the time is coming when the Lord will come again
I believe the end is closer every day
Let’s be ready for the judgement when we look upon his face
For he tells us in his word to watch and pray.

We are living, surely living in the days he speaks about
I believe the end is near in every door
So let’s be ready for his coming let us meet him with a shout
And believe today in Matthew twenty-four.

While upon the Mount of Olives his disciples came to him
Saying tell us when these things are going to be
Jesus answered be ye watching let each one be free from sin
And take heed no man shall ever you deceive.

We are living, surely living in the days he speaks about
I believe the end is near in every door
So let’s be ready for his coming let us meet him with a shout
And believe today in Matthew twenty-four.

We are living, surely living in the days he speaks about
I believe the end is near in every door
So let’s be ready for his coming let us meet him with a shout
And believe today in Matthew twenty-four…

Wie man ja bereits an ihrem ersten Hit gesehen hat,
Molly bevorzugte Songs mit religiösem Inhalt.
Sie und auch ihr Mann waren beide tief religiös
und das brachte dann manchmal auch Gewissenskonflikte,
wenn die Texte quasi zu weltlich waren.
Aber Molly hätte niemals solche Texte gesungen wie wir sie z.B. von
Kitty Wells her kennen.
Vermutlich lag es wohl auch daran, das die meistens ihrer Songs
nicht so hoch in die charts kamen.
Hätte Molly mit anderen Songs (weltlicheren) eventuell
Kitty Wells den Rang als ‚Queen of Country Music‘ streitig
machen können? Mac Wiseman hat sie einige Jahre später sogar
als ‚weiblichen Hank Williams‘  bezeichnet.
Daran kann man erkennen, wie populär Molly auch unter den
Musiker-Kollegen war.

Ein weiterer bekannter Hit von Molly war der von E.C. McCarty
geschriebene Song ‚Teardrops Falling In The Snow‘  in dem
der Tod eines Soldaten verarbeitet wird.

Songtext von ‚Tear Drops Falling In the Snow‘  [E.C. McCarty]

Page by page our lives are written in the Master’s book above
Wonder if He makes an entry for each darling mother’s love
Like the one I saw this morning enter though the station door
She was crying softly crying teardrops falling in the snow

As she came up to the window passing me I let her through
She was waiting for a casket one draped in red white and blue
Then she said I’ll wait outside sir soon I know your train will blow
I could see her through the window teardrops falling in the snow

Then the whistle of the engine broke the silence of the air
As the train was slowly stopping upon her lips I saw a prayer
On the box there was a number and the name was right below
As she looked upon the casket teardrops falling in the snow

There’s a new made grave a waiting and it’s depths are dark and cold
Just to claim this mother’s darling war for her has taken toll
But I’m sure they’ll meet up yonder where God’s children always go
And I always will remember teardrops falling in the snow.

Dieser Song wurde von den ‚Smithsonian Institut Archives‘ in das ‚Verzeichnis besonders wertvoller Songs‘   aufgenommen und mit den Worten:  „Eine Aufnahme, die eine der größten ursprünglichsten Countrysängerinen mit einem der mitreißendsten/überzeugendsten Songs über die Tragödie eines Krieges vereint“  bedacht!!!

Weitere bekannte Songs von Molly aus dieser Zeit waren:
‚Poor Ellen Smith‘ (eine Mörder-Ballade aus der Jahrhundertwende),
die von Hank Williams Sr. geschriebenen Titel: ‚Singing Waterfall‘,
‚On An Evening Train‘, ‚Six More Miles To The Graveyard‘,
‚When God Comes And Gathered His Jewels‘  und
‚I Don´t Care If Tomorrow Never Comes‘.
Molly war auch die Erste, die Hank Williams Songs auf Platte coverte! Sie nahm aber auch z.B. ‚The Black Sheep Returned To The Fold‘   geschrieben von Fred Rose, oder das von seiner Frau Lorene stammende
‚At The First Fall Of Snow‘,  Roy Acuff´s   ‚Lonely Mound Of Clay‘,
Jimmie Rodger´s ‚Fifteen Years Ago Today‘  und Titel wie
‚Coming Down From God‘,   ‚ Don´t Sell Daddy Any More Whiskey‘,
‚Higher In My Prayers‘,  ‚It´s Different Now‘
und noch einige mehr auf.
Wer von Euch, liebe Leser jetzt neugierig geworden ist,
auf YouTube gibt es einige ihrer Songs zu hören.
Zwar nicht mit Video-Clips, wie das heute meist der Fall ist,
sondern nur mit Fotos oder Plattencover und die Songs von den – zwar
aufbereiteten – damaligen Originalaufnahmen abgespielt, aber immerhin gute Hör-Beispiele, die auch heute noch den Reiz der damaligen Singles widerspiegelt!

Nach gerade mal fünf Jahren machte sie im Jahr 1951 ihre letzten
Studio-Aufnahmen für Columbia Records und 1952 zogen sich die
Eheleute vorübergehend aus der Öffentlichkeit  zurück.
Molly hatte sich irgendwo mit Tuberkulose angesteckt, was sich nicht unerheblich auf ihre Stimme auswirkte!
Molly machte in den folgenden Jahren noch hin und wieder Aufnahmen,
zog sich aber immer mehr von den Showbühnen zurück und trat dafür
in Kirchen auf.
Im Jahr 1954 wurden Lynn und Molly (?) ‚ordained minister‘  in der
‚Church of God‘  auf gut Deutsch also ein ‚ordinierender Pastor‘
in einer der vielen christlichen Bewegungen in den USA.
In den folgenden Jahren zogen Lynn und Molly durch die Kohle-Bergbau Ansiedlungen von West Virginia und predigten.
In den 60iger Jahren nahm Molly weitere Gospelsongs auf kleinen Labeln
wie REM und GRS Records (ein kleines Studio in Lexington, Kentucky) auf.
Die einzigen kommerziell ausgerichteten Aufnahmen machte sie 1966 für Starday, das Ergebnis ein Album (LP mit 12 Titeln, wie damals üblich),
‚The Living Legend Of Country Music‘  (Starday Rec. SLP 367).
Sowohl das Smithsonian Institut, als auch Ralph Stanley versuchten vergebens Molly noch mal dazu zu bewegen, öffentlich aufzutreten.
Das Album wurde dann 10 Jahre später (1976) mit gleicher Nummer noch
mal neu aufgelegt.
Aber bereits  drei Jahre zuvor (1973), hatten Molly und Lynn eine tägliche Sendung mit  Gospelsongs bei WMMN-FM in Huntington, W.V., einer kirchlichen Radiostation.
Huntington, ganz im Westen von West Virginia, nahe der Grenze zu Kentucky,
sollte für die letzten Jahre ihres Lebens die Heimat werden.
Diese Radiosendung, die ja auch aus Huntington kam, endete erst mit dem Tod von Molly.
Aber in den 80iger Jahren begann sich Molly´s Gesundheitszustand wieder zu verschlechtern.
Molly starb dann am 05. Dezember 1987 im Cabell Huntington Hospital  an Darm-Krebs.
Robert Shelton, ehemaliger Musikkritiker der New York Times bezeichnete
Molly als eine der größten Countrysängerinnen der Geschichte.
Molly war erst 64 Jahre alt, als sie starb!  Ihr Ehemann Lynn, der sie überlebte,
starb am 18. Dezember 2000 (lt. der ‚ Enzuclopedia of American Gospel Music‘).

Im Jahr 1992 brachte ‚Bear Family Records‘ eine Doppel-CD heraus, auf der alle 36 Songs, die Molly für Columbia aufgenommen hatte, heraus.
(Die Doppel-CD: Molly O´Day & The Cumberland Mountain Folks‘
gibt es aktuell bei Bear Family um € 5.- reduziert für € 24.95!

Mit dem heutigen Artikel endet meine Serie über Women in early Country Music  N I C H T ! ! !
Ich muß lediglich eine  P A U S E  einlegen, da ich dringend etwas Anderes zu erledigen habe.
In ein paar Wochen bin ich mit neuen Artikeln der ersten Countrysängerinnen wieder zurück !
Euer Dieter Mühlena