Women in early Country Music – Kitty Wells

Kitty Wells

Geboren am 30.08.1919 als Ellen Muriel Deason in Nashville
Gestorben am 16.07.2012 in Madison,Tn.
Es war nicht ungewöhnlich, daß sie schon im Kindesalter mit dem Singen begann,  die Musikalität lag in ihrer Familie. Der Vater und sein Bruder waren Musiker  und ihre Mutter (Myrtle) war eine bekannte Gospelsängerin.
Sie lernte die alten Countrysongs aus dem Radio und begann sie mitzusingen.
Vom Vater, Charles, (er war Bremser bei der Tennessee Central Railroad) lernte sie dazu das Gitarrespielen und noch als Teenager trat sie mit ihren Schwestern und einer Cousine bei einer Radiostation, als
‚The Deasons Sisters‘ auf.
Aber die Girls traten nicht nur im Radio auf, sie spielten schon bald in den Clubs und dancehalls der ganzen Umgebung.
Im Jahr 1936 hatte Kitty dann die Chance und gab ihr Radiodebut  beim bekannten Radiosender WSIX in Nashville.
Während des nächsten Jahres (1937) lernte sie ihren späteren Ehemann Johnnie Wright  kennen und nur wenige Monate später heirateten die zwei.
Johnny  war es auch, der ihr 1943 den Künstlernamen verpaßte.
Er hörte eines Tages den alten Folksong „Sweet Kitty Wells“ und fand den Namen irgendwie passend für seine Frau!
Der Song war eine Ballade aus dem 19. Jahrhundert und er hatte
die Version der Pickard Family gehört.
Der Song wurde später auch von Vernon Dalhard und Bradley Kincaid aufgenommen,  war also ganz populär und ob nun Johnny darauf reflektierte, das die Leute seine Frau mit dem Song assoziierten sollten? Wer weiß ?!?
Zusammen mit ihrem Ehemann und dessen Schwester Louise tourten
Kitty und die unter dem Namen ‚Johnnie Right and the Harmony Girls‘.
Wie das Leben so spielt, Louise lernte irgendwann einen Mann kennen.
Er, Jack Anglin, war auch Musiker und die zwei verliebten sich ineinander und heirateten. (Das scheint damals wohl Ruck-Zuck gegangen zu sein 🙂 )
Nun waren sie zu viert und nannten sich die ‚Tennessee Hillbillies‘, aber bald schon änderten sie den Namen in ‚Tennessee Mountain Boys‘.
Aber Jack Anglin mußte zum Militär und so waren sie wieder zu zweit,
Louise hatte sich zurückgezogen.
In der Zwischenzeit, 1947 hatte Kitty einen Gastauftritt an der
‚Gran´ Ole Opry‘, aber irgendwas behagte ihr dort nicht und so schlossen sie und Johnny sich dem  ‚Louisiana Hayride‘  in Shreveport an.
Ab 1949 hatte Kitty einen Plattenvertrag bei RCA Victor,
aber die Aufnahmen verkauften sich nicht so gut  und so wurde sie bereits 1950 aus dem Vertrag entlassen.
Irgendwann während dieser Zeit ( ` 49/50) hatten sich auch zeitweise
Roy Acuff und die  ‚Smokey Mountain Boys‘  der Tournee angeschlossen.
Roy Acuff schien kein Freund von singenden Frauen zu sein, denn er bearbeitete Johnnie Wright, er solle doch Kitty    NICHT    zu seinem
‚Show Headliner‘  machen, Frauen würden ja eh nicht so viele Platten verkaufen.
Nun, Acuff war zu der Zeit nicht nur Musiker, sondern schon ein Mann der im Countrymusic Business was zu sagen hatte.
War er vielleicht sogar der Grund dafür, das Kitty ihren Plattenvertrag verlor?
Und das sie sich zeitweise aus dem Musikgeschäft zurückzog?
Um mehr Zeit mit der kleinen Tochter zu verbringen, hieß es, oder war das nur ein Vorwand???
Das läßt sich heute nicht mehr aufklären, wäre aber gut möglich gewesen!
Als dann Jack vom Militärdienst entlassen wurde, bildeten die
zwei Männer das Duo Johnnie & Jack.
Kitty und ihr Mann traten aber weiterhin als Duo beim  ‚Louisiana Hayride‘  auf.  Dort trafen sie eines Tages auch auf   J.D.“Jay“ Miller,  Musiker, Songwriter  und Record-Producer.
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Mit dem Song „Wild Side of Life“ hatte zu der Zeit (am 24. Mai 1952  # 1 )
Hank Thompson einen ganz bekannten Hit, der sich 1952 fünfzehn Wochen
auf # 1 halten konnte.

Wild Side of Life Songtext

You wouldn’t read my letter if I wrote you
You asked me not to call you on the phone
But there’s something I’m wanting to tell you
So I wrote it in the words of this song

I didn’t know God made honky tonk angels
I might have known you’d never make a wife
You gave up the only one that ever loved you
And went back to the wild side of life

The glamour of the gay night life has lured you
To the places where the wine and liquor flow
Where you wait to be anybody’s baby
And forget the truest love you’ll ever know

I didn’t know God made…

[ Wild side … -Übersetzung- D.Mühlena

Du hast en Brief, den ich dir schrieb, ja nicht gelesen
Du fragst mich auch nicht, ob ich dich anruf.
Doch da ist etwas, was ich dir sagen will
`drum schreib ich diesen Song für dich!

Ich weiß nicht, macht Gott diese Honky Tonk Engel?
Ich hätte wissen müssen, Du bist nicht die treue Frau,
Du gibst den auf, der dich wirklich liebt
und wendest dich dem wilden Leben zu.

Der Glämmer des Nachtlebens hat dich erfaßt,
die Plätze, wo Wein und Likör fließen
wo Du jederman´s baby sein willst
und vergißt den, der dich immer liebt.

Ich weiß nicht … ]

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Dieser Jay Miller hatte zusammen mit dem texanischen Songwriter
William Warren  einen Song geschrieben, der angeblich auf die untreue Ehefrau von Warren gemünzt sein sollte.
Einen Antwortsong (damals sehr populär) auf Hank Thompson´s Song und das war „It Wasn´t God who Made Honky Tonk Angels“.
Dieser Song kam in die Hände von Paul Cohen (executive bei Decca Records) er bot den Song Kitty an (vermutlich hatte Jay Miller sie empfohlen).
Dieser gefiel der Song, der eine mehr als freche (für damalige Zeit)
Antwort auf „Wild Side of Life“ war.

Songtext: ‚It wasn´t God who made Honky Tonk Angels‘

As I sit here tonight the jukebox playing
The tune about the wild side of life
As I listen to the words you are saying
It brings memories when I was a trusting wife

[Chorus]
It wasn’t God who made Honky Tonk angels
As you said in the words of your song
There’s many times married men think they’re still single
That has caused many a good girl to go wrong

[VERSE 2]
It’s a shame that all the blame is on us women
It’s not true that only you men feel the same
From the start most every heart that’s ever broken
Was because there always was a man to blame

[Chorus]
It wasn’t God who made Honky Tonk angels
As you said in the words of your song
There’s many times married men think they’re still single
That has caused many a good girl to go wrong

It wasn´t God, who made Honky Tonk Angels
– Übersetzung Dieter Mühlena

Ich sitze heut Nacht vor der Jukebox
und hör den Song ‚The Wild Side of Life‘
ich lausche den Worten, die Du da sagst
sie bringen die Erinnerung als ich noch an dich glaubte.

Glaub mir  Gott macht keine Honky Tonk Engel
so, wie du in deinen Worten  da sagst
oft meinen Verheiratete sie wären noch Single
und brachten manches gute Girl auf den schiefen Weg.

Es ist eine Schande, die Schuld nur den Frauen zu geben
und es stimmt nicht, das nur Männer sich so fühlen
denn bei jedem Herz, das einmal gebrochen
war es immer ein Mann der daran die Schuld hatte.

Glaub mir, Gott macht keine Honky Tonk Engel …
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Dieser Song war so ungewöhnlich, daß viele US – Radiostationen
und auch die ‚Opry‘ (vorerst) den Song auf die schwarze Liste setzten!
„It Wasn`t God …“ wurde nicht nur # 1 der Country Charts,
sondern auch # 27 auf der Pop-Chart!
Kitty war damit auf einen Schlag berühmt geworden
und auch die folgenden Jahre sollte dieser Erfolg andauern.
Zusammen mit Red Foley tat sie sich zu einem Duett zusammen,
das die nächsten zwei Jahrzehnte Erfolge einheimsen konnte!
„One By One“ war der erste # 1 Duett-Erfolg.
Damit änderte sich auch die Einstellung der Plattenfirmen,
wo immer noch (von Chet Atkin´s geschürt?) die Einstellung herrschte,
Sängerinnen könnten keinen Verkaufserfolg haben.
Kitty  wurde die erste Country-Sängerin, die 1956 ein Album veröffentlichen durfte!
Es waren Ihre großen Single-Erfolge, zusammen gefaßt unter dem Titel:
‚Kitty Wells Country Hit Parade‘.

Ein Jahr später kam mit  ‚Winner Of Your Heart‘   ihr erstes Studio-Album
und noch ein Jahr später, 1958, hatte Kitty mit „I Can´t Stop Loving You“
einen # 3 Solo-Hit und zu dem Song gibt es auch eine interessante Geschichte.
Geschrieben hatte  Don Gibson  zwei Songs, einmal den oben genannten,
der ihm selber gut gefiel und dann noch den Titel „Oh lonesome me“,
den er selber nicht aufnehmen wollte,
er hatte ihn für George Jones geschrieben.
Aber Chet Atkins und Wesly Rose wollten,
das er selber „Oh lonesome me“ aufnehmen sollte.
Don aber wollte „I Can´t Stop Loving You“ aufnehmen,
der aber den Beiden gar nicht gefiel.
Schließlich einigte man sich auf „Oh Lonesome Me“ für die A und
„I Cant Stop…“   für die B-Seite, machte aber für diesen Song keine Reklame,
bis Kitty mit „I Can´t Stop Loving You“ den großen Erfolg hatte.
Wieder einmal hatte der Publikumsgeschmack den Ausschlag gegeben!
Wiederum ein Jahr weiter, hatte Kitty   zwei Top Five mit „Amigo´s Guitar“
(selbstgeschriebener Titel, zusammen mit John D. Loudermilk) und
„Mommy For A Day“.
Für „Amigo´s Guitar“  bekam sie einen BMI Award als Songwriterin.
Insgesamt hat Kitty über 60 Songs veröffentlicht.
Im Jahr 1964 war Kitty eine von 12 bekannten Countrymusic-Interpreten,
die von der ‚Gran‘ Ole Opry‘  suspendiert wurden,  weil sie nicht die erforderlichen 26 Samstag-Auftritte,  die die Opry pro Jahr forderte, aufgetreten war.
Bemerkung: die „Opry“ zahlte schlecht und gerade an Samstagen konnte
man bei sogenannten „One nighter´s“ viel mehr Geld verdienen).
Johnny und Kitty hatten im Laufe der Jahre zwei Töchter,
Ruby und Carol Sue und einen Sohn bekommen, den sie Bobby nannten.
Jahre später sollte dieser Bobby Wright ein Star bei der ABC-Show
(Comedy Serie) ‚McHale´s Navy‘ werden.
Er hat sich auch als Sänger versucht,  konnte aber keinen richtigen Erfolg aufweisen, wie auch die Töchter,  wobei Carol Sue zusammen mit ihrer Mutter
einen # 11 Erfolg hatte.
Kitty wurde für 11 aufeinander folgende Jahre Billboard´s
female country singer # 1 und bei Cash Box´s # 1 für 10 Jahre !
In die ‚Country Music Hall Of Fame‘ wurde sie 1976 aufgenommen
und 1991 erhielt sie den ‚Grammy Lifetime Achievement Award‘.
Kitty Wells wurde Vorbild einer ganzen neuen Generation von Countrysängerinnen  zu denen u. A.  auch Patsy Cline, Loretta Lynn und viele weitere gehören.
Und  Kitty  ermutigte die Songwriter und vor Allem Songwriterinnen
sogenannte ‚heiße Themen‘ anzufassen, wie z.B. später Loretta Lynn mit dem Titel ‚The Pill‘.
Das wäre früher undenkbar gewesen !!!
Aber Kitty hatte nur eine Stilrichtung vorgegeben.
Eine weitere frühe Vertreterin eines anderen Countrymusic-Stils, sollte
Molly O´Day werden.
Darüber mehr im nächsten Artikel.
Euer Dieter Mühlena