„@SPACEYKACEY“ verzaubert Hamburg und scheint doch ein klein wenig „WONDER WOMAN“ zu sein…

Nachdem die Fans bereits am Mittwoch in Berlin auf Ihre Kosten kamen, konnten sich die Hamburger Fans nun am 18.10. auf den bereits zweiten Deutschlandbesuch von Kacey Musgraves im Underground-Club MOJO auf der Reeperbahn freuen. Schon früh bildete sich eine lange Schlange wartender Konzertbesucher an den spacig anmutenden Bodentoren, die erahnen ließ, dass der Club gut gefüllt sein würde.

Der sympathische Support-Act Joe Buck betrat pünktlich um 20 Uhr mit Gitarrist Simon Leferink die Bühne und begeisterte eine halbe Stunde mit überwiegend emotional-melancholischen Songs, die jedoch gut zum Hauptact passten und dementsprechend vom Publikum auch sehr positiv angenommen wurden. Vermutlich rechnete der 21-jährige Niederländer selbst nicht damit, dass er tatsächlich mit seinem Idol auf Europa-Tour gehen würde, als er im Juli auf seinem Instagram-Profil ein Cover von „Slow Burn“ postete und sich damit als Support-Act für ihre „oh, what a world: tour“ anbot. Glücklicherweise hat es funktioniert und wir hören in Zukunft sicherlich noch mehr von dem talentierten Singer/Songwriter, der bei dem Label von Ilse DeLange (Common Linnets) ‚Firefly/Universal Music Publishing‘ unter Vertrag steht und bei der er sich während seines Auftrittes auch mit sehr persönlichen Worten bedankte. Die vielseitig talentierte Sängerin wollte sich den Hamburger Auftritt ihres Schützlings anscheinend nicht entgehen lassen und mischte sich ebenfalls unter das Publikum. (A.d.R.: Ilse DeLange startet in Kürze ihre eigene Deutschland-Tour und tritt unter anderem am 25. Oktober in der Hansestadt auf!)

Die dann folgende 40-minütige Umbauphase erschien manchem ungeduldigen Konzertbesucher etwas zu lang, aber dann war es endlich so weit! Die 6-köpfige, einheitlich in braunen Anzügen gekleidete Band, „The Crispy Boys“ wie das Publikum später erfuhr, betrat die Bühne und stimmte das Intro zu eben diesem Song „Slow Burn“ an – ihrem Wohlfühlsong, wie Sie kürzlich in einem Interview verriet. Dabei hätte es den gar nicht gebraucht, um die evtl. vorhandene Nervosität abzuschütteln, da sie vom Publikum herzlich in Empfang genommen wurde als sie die Bühne mit den ersten Tönen des Songs betrat.

Die überaus talentierte Songschreiberin präsentierte an diesem Abend überwiegend Stücke ihres neuen Albums „Golden Hour“, das bereits im März diesen Jahres erschienen ist. Und so wunderte man sich nicht, dass die Fans in den ersten Reihen auch schon die neuen Songs textsicher mitsingen konnten. So einige trugen selbstkreierte „@spaceykacey“ bzw. „Grand Ole Opry“ oder „Ryman“ T-Shirts, was Kacey sichtlich erfreut kommentierte.

Sympathisch und publikumsnah unterhielt sie zwischen den Songs immer wieder mit Anekdoten und Erklärungen zur Bedeutung Ihrer Songs. So wie auch bei dem sehr kurzen Song „Mother“, den sie im letzten Sommer in einem Moment schrieb, als sie ihre Mutter sehr vermisste. Man traut es ihr vermutlich im ersten Moment nicht zu, aber die von ihr geschriebenen Songs, wie dieser oder auch „Wonder Woman“, „Butterflies“ und „Golden Hour“, zeigen bei genauem Hinhören wie wortgewandt und lebensklug die erst 30-jährige Musikerin ist. Mit Songs wie „Follow Your Arrow“ nimmt sie zum Beispiel klar Stellung zum Recht auf Selbstbestimmung und Gleichberechtigung und verarbeitet auch viele andere gesellschaftliche und politische Themen unserer Zeit in ihren Liedern. Im Moment passiere so viel verrücktes überall auf der Welt, erklärt sie zwischendurch, daher auch der Titel ihrer Tour „Oh, What A World“…

Im Mittelteil der Show kam dann endlich auch das eher Country-begeisterte Publikum auf seine Kosten, zu dem Kacey die komplette Band an die Frontrow der Bühne holte und dann auch Banjo, Kontrabass und Steelgitarre gemeinsam zum Einsatz kamen. Es war vorab schon von der reiferen Generation der Konzertbesucher zu hören, dass sie das neue Album zu ‚poppig‘ fänden, was Kacey mit der Songauswahl an diesem Abend jedoch gekonnt umschiffte. Es war sicherlich für jeden etwas dabei – ob man nun ihren aktuellen Pop- oder doch eher den Country-Stil ihrer früheren Alben mag. Doch nicht nur die Songauswahl, sondern auch die gut gesetzte Lichttechnik und der an diesem Abend angenehm gemischte Sound fielen positiv auf. Ihre glasklare, gefühlvolle Stimme kam stets voll zur Geltung und ging neben der Musik zu keinem Zeitpunkt unter.

Dies alles wurde vom Publikum dann am Ende auch mit anhaltendem Applaus belohnt, so dass Kacey um eine Zugabe nicht herum kam. Den Song „Rainbow“ sang sie sehr stimmungsvoll lediglich mit Klavierbegleitung, gefolgt von dem Brooks & Dunn-Klassiker „Neon Moon“, der jedoch durch den Synthesizer-Sound passenderweise eher nach einer „spacey Kacey“ klang. Mit der funky Dance-Nummer „High Horse“ (von der wir gern wüssten, wen sie beim Schreiben des Songs im Kopf hatte) endete ein wunderbar rundes Konzerterlebnis, so dass wir uns bereits heute auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen mit Kacey Musgraves und dem Voract Joe Buck freuen!

Bericht & Fotos: © PortraitGallery_HH