Singer/ Songwriter Sherman Noir im Interview

Hartmut Radowsky traf den Singer/ Songwriter Sherman Noir im Frühjahr nach seiner „Living Room Session“ in Berlin zum Gespräch.

Hartmut: Die Session ist vorbei, weißt du eigentlich die wievielte das jetzt war?

Sherman: Die Show fing ja ursprünglich in Amerika an, da haben wir die auch immer Montags gemacht. Und dann in den Pausen, als ich zwischen den USA- Aufenthalten in Deutschland war – natürlich im Kastanienwäldchen, meiner alten Wahlheimat in Berlin- Reinickendorf.

Mittlerweile hat es sich hier etabliert – soviel Liebe, Herzlichkeit und Leidenschaft hier.

Die Fans leben auch wirklich das Prinzip hier: es gibt nichts besseres, nichts schlechteres. Es gibt nur anders, jeder Künstler bekommt hier soviel Liebe, so dass alle immer gern wiederkommen. Es ist einfach unglaublich. Ich habe das in dieser Form in Berlin auch noch nicht erlebt, was hier Montags abgeht.

Hartmut: Nun war ich schon zwei Mal hier als ein Country- Duo hat gespielt. Wenn man nun deine Band „Sherman Noir and the Highway Surfers“ nimmt, das ist ja auch ein bisschen Country/ Freiheit und so… Wie groß ist der Stellenwert bei dir, was die Countrymusik betrifft?

Sherman: Dass diese Musik erst wirkt (ganz persönlich gesehen), wenn man mehrere tausend Kilometer auf dem Highway war. Ich bin mehrmals mit dem Pick Up Truck durch Amerika gefahren und habe da auch sehr viel diese Musik gehört, gerade auch in Gegenden  wo ich zwei drei Stunden allein war. Da wirkt Countrymusik ganz intensiver als zbsp in Deutschland. Ich mag die Musik total, würde mich da aber nur bedingt dazuzählen. Ich denke, dass ich mehr im Alternativ Rock/ Country Rock zu Hause bin.

Hartmut: Wo willst du deine Grenzen setzen?

Sherman: Die gibt es ja gar nicht so richtig. Ich habe viele Songs in Amerika geschrieben. Mal ein geiles Zitat von einem Song den ich mal geschrieben habe und der sehr erfolgreich war „Miles away“ – das ist eine Rocknummer. Ich habe dazu mal ein Interview gegeben in Florida, in der „Florida Folk Show“. Da sagte der Moderator zu mir „Jeder Song der in Florida geschrieben ist, ist ein Florida Folk Song“ (lacht). Das fand ich total lustig. Deshalb war ich auch in der Show damals, obwohl es ein völlig anderer Song ist als das was ich sonst so spiele. Aber die Toleranz war auch echt geil.

Hartmut: Wenn du heute Countrybands hörst, ich spreche jetzt mal vom Modern Country, bist du da mit deiner Band wirklich soweit davon entfernt?

Sherman: Ich glaube schon. Wenn sind wir Ansatzweise eher im Southern Rock oder so Bob Seger-Mainstream. Das würde ich jetzt eher sagen, als das typische Country. 

Hartmut: Gut, aber Ihr gehört doch alle zur großen Country-Familie.

Sherman: Wahrscheinlich. Wenn man das so sehen will ist es auf jeden Fall eine grosse Familie. (lacht)

Ich halte mich für einen Singer/ Songwriter und natürlich, wenn man 10 000 Kilometer  mit dem mobilen Studio im Pick Up durch die USA fährt ist natürlich der Einfluss da, man spürt das  wenn man in den Studios arbeitet. Wir haben zbsp in Nashville im „Ocean Way Studio“ aufgenommen und wir waren in Memphis im „Sun Studio“. Da waren wir schon stolz, dass wir da aufnehmen durften. Das war schon Highway-Music. Ja, ich glaube, Highway-Music ist ein ganz guter Titel dafür. Deswegen auch der Album-Titel „Highway Surfers“.

Wobei, das „Highway-Surfers“ ist entstanden, weil ich immer mit meinem Strohhut herumlief. Da wurde ich schon immer in die Country-Ecke geschoben. Dazu muss ich sagen, ich war als Kind schon immer bei meiner Tante in Kalifornien surfen und da hatte jeder Surfer einen Strohhut auf.

Aber so wirklich weiss ich nicht wie das verschmelzt.

Einigen wir uns auf „Highway-Music“, das ist der passende Begriff für meine Musik.

Hartmut: Nun mal Hand-aufs-Herz: „Take Me Home, Country Roads“ – hast du den schon gesungen? 

Sherman: Nö, noch nie. Ich habe aber auch noch nie in einer Cover-Band gespielt. Ich glaube der einzige den ich gespielt habe ist Tom Petty`s „Free Fallin`“ (weil ich mit ihm befreundet war). Das spielen wir auch als Tribute, mit Geige und so. Wenn ich Lust habe spiele ich auch „Turn the Page“ von Bob Seger – weil wir das auf dem Album gemacht haben, ich ihn persönlich kennengelernt habe und er das Leben eines Musikers ‚On the Road‘ wiederspiegelt. Diese typischen Countrysongs sind nicht so mein Ding.

Hartmut: Jetzt hast du das Thema Musik schon angeschnitten. Demnächst, am 2. Juni, kommt deine 24. CD heraus. Wird man da jetzt alt?

Sherman: (lacht) Nee Nee. Ich glaube das als Musiker das Hirn mit 25 aufhört zu altern – die Pelle vielleicht, aber der Kopf nicht. Ich glaube schon, dass ich dieses  Peter Pan Syndrom ganz gut ausleben kann.

Hartmut: (lacht) Dann hoffe ich mal, dass die 24. nicht die Letzte ist.

Sherman: Nö Nö. Auf gar keinen Fall. Schon 2019 muss ich noch eine machen, das sind dann 30 Jahre ‚On the Road‘. Da habe ich schon ein paar Ideen. Da muss etwas besonderes geschehen.

Hartmut: Dann wünsche ich dir natürlich, dass du gesund bleibst, deine Schaffenskraft erhalten bleibt und dass wir uns noch sehr oft sehen.

Sherman: Danke dir Hartmut für das Interview und ich freue mich auf weitere Zusammentreffen.