Rockabilly Rumble 2019 in Pullman City Eging

Rockabilly Rumble 2019 in Pullman City Eging
ein Rückblick von Marion Freier (Country Music Meeting)

Am ersten April-Wochenende fand bei strahlendem Sonnenschein der alljährliche Band-Contest Rockabilly Rumble in der Westernstadt Pullman City in Eging am See statt und ich hatte wieder einmal die Ehre, zusammen mit meinen Jury-Kollegen Maurice Diltz (bis vor einigen Jahren einer der grössten Veranstalter Österreichs), Attila „Cactus“ Mihalik aus Ungarn (selbst seit Jahrzehnten Rockabilly-Musiker bei der „Prison Band“), Siegfried „Doc“ Schulze (ehemals Radio Euroherz Hof), William Wallace (Veranstalter, Four Corners Untermeitingen) und „Golddigger“ Pit Mühlhuber als Vertreter von Pullman City, die auftretenden Künstler zu bewerten.

Los ging es am Freitag gleich mit einem Trio aus der Schweiz, die sich erst im Novomber 2018 gegründet hatten und beim Rockabilly Rumble ihren aller-ersten Auftritt hatten – den Hot Rod Phantoms. Und deren Show aus schwungvollen Rockabilly Songs und ungewöhnlichen Ideen (z.B. war der Kontrabass komplett mit LED’s bestückt) überzeugte die Jury schlussendlich so sehr, dass sie wohlverdient am Sonntag Nachmittag mit dem Newcomer Award zurück in die Schweiz fuhren. Weiter ging’s mit The KillBilly’s aus Italien, bei denen sich die Jury zum ersten Mal während dieses Wochenendes nicht sicher war, ob man diese extrem aktionsgeladene Show überhaupt noch in die Kategorie Rockabilly stecken konnte. Erkennen konnte man ohne Zweifel Psychobilly, gespickt mit Rock-Elementen, und daher brachte diese an diesem Wochenende einzigartige und keine Sekunde langweile Show der Band einen der beiden Special Awards. Den Freitag Abend beendeten (ausserhalb der Wertung – lediglich als Show Act gebucht) die Rockin Midgets aus München.

Bei der ersten Band am Samstag, Ginger & The Ales, wirkte die Sängerin zunächst etwas unsicher, was sich jedoch gleich während der ersten Moderation aufklärte, denn die eigentliche „Ginger“ war ein paar Tage vor dem Rockabilly Rumble erkrankt und die Musiker hatten ganz kurzfristig eine Gastsängerin eingearbeitet. Mit diesem Hintergrundwissen liess sich die Performance ganz anders beurteilen, jedoch reichte es am Ende leider nicht für eine Platzierung. Auch der nächste Act, Spick’n’Span aus dem Kreis Landshut, in Pullman City bereits bekannt, konnten es leider nicht unter die ersten 3 schaffen, obwohl sie mit ihrer Show und ihrem Motto „wie aus dem Ei gepellt“ beim Publikum etliche Fans gewinnen konnten, besonders bei den Tänzern.

Wer sich übrigens in den kurzen Umbaupausen nicht zur Musik aus der Konserve bewegen wollte, konnte sich z.B. vertrauensvoll in die Hände eines Original Rolling Barber begeben oder etliche Classic Cars bewundern, die sowohl auf der Mainstreet als auch auf dem Weg in Richtung Hotel Hacienda standen. Und wer sich einmal korrekt und stilecht zur Musik bewegen wollte, konnte an einem der Boogie Woogie Workshops von Claudia und Wolfgang Fesl teilnehmen.

Mittlerweile zogen die Boogie Tones aus Nürnberg auf der Bühne alle Register, nicht nur musikalisch, als auch optisch. Der gelungene Rockabilly-Song-Mix, nicht zuviel aber auch nicht zu wenig Show-Elemente und eine mehr als stilecht gekleidete Sängerin, die obendrein auch noch Saxophon spielte, brachten am Ende den 3. Platz, allerdings mit nur 1 Punkt Unterschied zu den Zweitplatzierten. Am meisten überzeugen konnten musikalisch jedoch die nächsten Musiker. Die 4 Mitglieder der JB Ramblers aus der Schweiz zeigten absolute Perfektion in Sachen Gesang, Beherrschung der Instrumente, Songauswahl und Outfit. Die von der Jury vergebene Gesamtpunktzahl für die JB Ramblers konnte keine andere Band mehr toppen, obwohl die folgende Band – Berni P. & The Blueboys aus Österreich – sich schnell als eine große Konkurrenz herausstellten. 3 junge Musiker, jeder gerade mal 21 Jahre jung, denen man sofort ansah, dass sie Rockabilly nicht nur darbieten sondern regelrecht leben, zeigten nicht nur Show, sondern Action. Keine Sekunde stand Bandleader Bernie still und die 3 Jungs zeigten ganz klar, dass weniger manchmal mehr ist. Am Ende des Wochenendes nahmen sie knapp vor den Boogie Tones den Pokal des Zweitplatzierten mit nach hause.

Nach dieser Darbietung hatte es die nachfolgende Band Trouble In Mind aus Aschaffenburg mehr als schwer, zeigten sie doch so gut wie keine Show-Elemente, aber die Paare auf der Tanzfläche, die sehr bald nur noch wenig Patz füreinander hatten, spiegelten den Eindruck der Jury wieder, dass hier und da auch einfach nur richtig gute Musik, in diesem Fall Old Style Rockabilly, harmonisch und melodiös einwandfrei dargeboten, schlicht und einfach überzeugt. Die Gesamtpunktzahl reichte zwar nicht für eine Platzierung unter den ersten Drei, aber die Jury zeigte ihre Anerkennung durch einen Special Award für die musikalische Leistung. Als letztes präsentierten sich noch Jonny Comet & The Rockets aus Österreich dem Publikum und der Jury. Die Band, die laut Facebook-Seite 2011 gegründet wurde und 2016 bereits den 1. Platz beim Rockabilly Rumble erzielte, konnte mich persönlich in 2019 nicht wirklich überzeugen. Die Bläsersektion war irgendwie „zu viel“, ein einzelner guter Saxophonist hätte da ausgereicht, das Band-Banner im Hintergrund wirkte – zumindest auf mich persönlich – ein klein wenig übertrieben, allerdings sieht das Cover der aktuellen CD der Band genau so aus. Und auch die ständigen Ansagen des Bassisten, des Sohnes von Bandleader Jonny, die auf die langjährige Bühnenpräsenz seines Vaters und den bereits in 2016 erzielten Sieg hinwiesen, empfand ich als zu viel des Guten. Trotz Bühnenerfahrung ging diese Formation am Ende dennoch leer aus.

Wieder einmal hatte ich das Vergnügen, viele neue und interessante Künstler an diesem Rockabilly Rumble kennenzulernen – und natürlich auch gleich auf das 10. Internationale Country Music Meeting hinzuweisen. Die Erstplatzierten „JB Ramblers“ und die Gewinner des Newcomer Awards „Hot Rod Phantoms“ (beide aus der Schweiz) haben sich auch bereits für eine Teilnahme im Februar 2020 beworben und „Boogie Tones“ haben zumindest schon mal die Bewerbungsunterlagen abgefordert. Man darf also gespannt sein, welche neuen Acts beim 10. Internationalen Country Music Meeting dabei sein werden.

Fotos: © Marion Freier