OFR-003The Hunger Mountain Boys****                                               

-                Blue Ribbon Waltz

-                Old Fi Records, OFR-003

Web-Site: www.hungermountainboys.com

 

 

 

Das Cover besagt, dass die CD zwischen Frühling und Herbst 2005 im Off the Beat-n-Track Recording Studio in Southfield, MA. entstand, aber das könnt Ihr alles selber nachlesen.

 

Vorweg eine Kurzbeschreibung der Hunger Mountain Boys. Das Duo besteht aus Teddy Weber (Gesang, Gitarre und Dobro) und Kip Beacco (Gesang, Mandoline, Fiddle & Gitarre). Auf ihrer Web-Site bezeichnen sie sich als „Early Country and Old Time Music Performers“. Diese Bezeichnung möchte ich übernehmen, zumal ich sie passend und raffiniert finde. Im Booklet steht auch, dass sie sich an den klassischen Duetts der 30er-, 40-er und 50-er Jahre orientieren. Dies nicht nur, indem sie in den braunen Anzügen aus jener Zeit auftreten, sondern auch im Stile der Louvin-Brothers singen bzw. musizieren.

2003 gewannen sie den 1. Preis im Mountain Stage New Song Songwriting Wettbewerb und beteiligten sich u.a. an der Dokumentation über den inzwischen verstorbenen Jimmy Martin. All dies gehört eigentlich in eine ausführliche Biografie – ich möchte aber über die zweite CD berichten, die die Musiker liebevoll „Blue Ribbon Waltz“ nannten.

 

1.            I’m Going Back Where Times Stands Still (2:22)

Das Duo beginnt mit einem rasanten Stück, das gleich klarmacht, welch ausgezeich-neter Mandolinen-Spieler Kip ist. Auch die Harmonien sind einwandfrei. Hier sehnt sich einer nach der „guten alten Zeit“ zurück, ein Thema, auf das „Oldtimer“ regelmässig zurückgreifen.

 

2.            Hang My Hat, #1 (2:39)

Erinnert mich sehr an Homer & Jethro. Kann jedem H&J-Fan deshalb wärmstens empfohlen werden. Die Mandoline bringt es erneut zu einem erstaunliches Tempo. Der Song selbst handelt von einem, der nach Hause kommt und sich dort die wohl-verdiente Ruhe gönnt, halt einfach ausspannt.

 

3.            Can We Get Along With This? (2:42)

Musikalisch kommt Kip’s Fiddle-Spiel zum Zug. Inhaltlich stimmt das Stück mit „My baby’s back“ von den Louvin Bros. überein. Sie ist wieder zurück, aller Herzschmerz vergessen.

 

4.            Cry Away The Years (2:54)

Wer die Louvin Brothers mag, ist hier genau richtig. Die Nummer ist eher ruhig bzw. mässig gehalten, wie’s zu einem traurigen Liebeslied gehört. 10 Jahre lang hat man sich – von den beiden schön ausgedrückt– gegenseitig die Flügel gestutzt, nun über-legt sich einer, ob es so weitergehen soll und kommt zum Schluss, dass er gar nicht weitermachen will. Also beendet er die Liebschaft, indem er die Partnerin bittet, sich noch einmal an die schönen Zeiten zu erinnern, bevor man für immer auseinander geht. 

 

 

5.            Dreaming (2:02)

Die Mandoline gibt im mittelmässigen Tempo den Ton an. Einmal mehr träumt „man“ von der Liebsten, obschon oder vielleicht gerade, weil sie untreu ist. Die Mandoline wird von wunderschönen Harmonien unterstützt. Für alle, die leise Töne mögen.

 

6.            You Left Me (2:42)

Wieder Erwarten ein rassiges Stück. Er sinnt vor sich hin und überdenkt dabei die ganze Liaison. Sie hat ihm bei der Trennung die Schuld gegeben, doch er ist lediglich ausgezogen, während sie ihn verlassen hat.

 

7.            Katie Dear (4:05)
Einmal mehr zeichnet sich das Stück durch einzigartige Harmonien aus. Der Text ist allerdings – nun ja. Es gibt ein paar schockierende „Old Time Stücke“. Hier ist eines davon. Katie ist die Liebste. Der Junge möchte sie heiraten. Er wendet sich an das Mädchen, damit sie bei ihren Eltern Fürbitte leistet. Aber sie entgegnet, dies sei nicht mehr möglich, Mutter und Vater seien freiwillig aus dem Leben geschieden. Im selben Moment tut sie es ihnen nach und meint im Sterben, sie möchte mit jenen vereint sein, welche sie am meisten liebt. Tragisch-schön.

 

8.            Cold Feet (3:39)
Ein eher schnelles Stück. Erneut in Beweis für die musikalischen Fähigkeiten der der Jungs. Er kriegt kalte Füsse, wenn er daran denkt, dass er das Mädchen, welches untreu ist, immer noch liebt. Ziemlich humorvoll.

 

9.            Let Us Travel On, Travel On (2:14)
Ein eher unbekanntes Louvin-Brothers Stück. Genauer gesagt, eine Nummer aus der religiösen Phase des Duos. Typischer Oldtime Gospel. Temperamentvoll. Beichte Deine Sünden und Dir wird vergeben, belohnt wirst Du im Himmel.

 

10.    I’ve Had A Big Time Today (2:07)
Polka. Von einem, der nach einem anstrengenden, aber erfolgreichen Arbeitstag nach Hause kommt. Road-Song im Oldtime-Stil.

11.    I Was Left Behind Sweethearted Dear (2:29)
Schnell. Raffinierter Kanon, der ein Markenzeichen der Boys zu sein scheint. Sie ist weggezogen und er vermisst sie.

 

12.        Hang My Hat, #2 (2:37)
Inhaltlich wie die Nr. 2, jedoch hier mit Dobro und Gitarre. Wirkt etwas langsamer wie die Nr. 2, wohl durch das Dobro. Aber genauso stark,  auch wenn ich denke, das Duo hätte hier ein anderes Stück einfügen können. Ich persönlich mag nicht 2 x densel-ben Titel auf einer CD, selbst dann, wenn er, wie hier, gelungen ist. Bands wollen wohl ihre Vielseitigkeit aufzeichnen (dadurch, dass sie dasselbe Stück variieren), aber sie erreichen bloss einen gelangweilten Hörer. Auch taucht die sicher unge-rechte Frage auf, ob sie „nicht mehr können“.

  

13.        Blue Ribbon Waltz (1:35)

Mein Lieblingsstück auf der CD. Dafür muss ich aber etwas ausholen. Bei einem Besuch in Nashville spielte mir ein Freund Bill Monroe’s „My Last Day On Earth“ vor. Ich war – nun – geschockt. Geschockt ob den Gefühlen eines anderen, die sich so sehr mit meinen eigenen decken. Geschockt ob der Aussage des Titels, der Tiefe, den Emotionen. Ist es Schmerz, ist es Freude? Noch immer überläuft mich eine Schauer, wenn ich nur daran denke. Ähnlich empfinde ich beim Blue Ribbon Waltz und ich wünschte, Big Mon’ könnte die Nummer hören……..Danke, Boys!

Alle Songs wurden von Teddy oder Kip geschrieben. Ausnahmen sind:

-                Dreaming (Kermit Richmond, Lloyd Copas, Herb Schucher)

-                Katie Dear (W. Bolick)

-                Cold Feet (L. Schwartz

-                Let Us Travel, Travel On (Ira + Charles Louvin)

-                I’ve Had a Big Time Today (Traditional)

 

 

PS: Die Jungs beendeten kürzlich eine ausgedehnte US-Tour. U.a. traten sie im Station Inn von Nashville auf, wo sie sich vom begeisterten Publikum feiern liessen. Und – sie freuen sich auf eine Echo aus Europa. Kontaktieren könnt Ihr sie auf der Web-Site (Adresse s. Anfang).