Premiere des Midland Festivals in Dänemark

Das erste Wochenende verschlug es Frank Lange und mich als Vertreter des Country Music Meeting Berlin auf Einladung der Veranstalter Bjarne und Ann Karina nach Dänemark, genauer gesagt auf die Insel Fünen zum Gelände des Hasmark Strand Camping. Auf dem riesigen Camping-Platz-Areal mit vielen Ferienhäusern und reichlich Platz für Dauer- und Feriencamper fand das erste Midland Festival statt. Die Wettervorhersage hörte sich alles andere als gut an, jedoch schien sich Petrus nicht an die Voraussagen der Meteorologen zu halten. Es wehte zwar ein frischer Wind, aber die Sonne schien mit sich selbst um die Wette. Abends wurde es dann aber doch etwas frostig. Doch dazu später mehr.

Zunächst genossen wir bei unserer Ankunft am Donnerstag das wirklich hübsche Gelände und das perfekt gestaltete und eingerichtete Ferienhaus, begaben uns jedoch sehr schnell wieder nach draußen, um uns zunächst das eigentliche Festgelände anzusehen – ein grosses Festzelt, in dem sich sowohl die Soundcrew als auch das Team vom Truck Store Niebel gerade mit dem Aufbau befassten. Die Veranstalter Bjarne und Ann Karina, die früher für die Veranstalter des Countryfests Kolding arbeiteten, waren natürlich mehr als beschäftigt, aber irgendein Team-Mitglied war immer in der Nähe, um unsere Fragen für die kommenden Tage zu beantworten.

Das für 3 Tage angekündigte Festival ging eigentlich nur über 2 Tage, denn am Sonntag war kein Programmpunkt mehr angekündigt, aber der Freitag und Samstag hatten es wirklich in sich. Los ging es am Freitag für uns bereits mit einem VIP-Event im Veranstaltungsraum “Valhalla” im Eingangsbereich zum Campinggelände.

VIP Event im Valhalla

Dieser Bereich ist gestaltet wie eine Burg mit Innenhof, auf dem man bei schönem Wetter auch vor dem kleinen Shop-Café und dem Restaurant “Freja” sitzen kann. In den 4 Seiten der Burg sind der Empfang, das Shop-Café, das Restaurant und das “Valhalla” untergebracht, bei dem man sich auch innen ein wenig an der Architektur einer Burg orientiert hat. Der dänische Musiker Dennis Lydom ist als Johnny-Cash-Storyteller bekannt, allerdings kann ich mangels entsprechender Sprachkenntnisse nicht wirklich etwas über seinen Vortrag wiedergeben. Hier und da konnte man Namen wie June Carter, Sam Phillips oder Sun Records aufschnappen, so dass ich das Gefühl hatte, im Film “Walk The Line” als dänisches Hörspiel zu sitzen, bei dem zwischendurch immer mal wieder der eine oder andere Johnny Cash Song gespielt wurde. Anschliessend hatten wir noch ca. eine Stunde Zeit, bevor es im Festzelt losging. Und tatsächlich hatten sich trotz der niedrigen Temperaturen bereits viele in dicke Jacken gehüllte Fans dort eingefunden, um das qualitativ hochwertige Live Music Programm zu geniessen.

Henrik Bank Band (DK)

Den Anfang machte die Henrik Bank Band an Dänemark mit einem Mix aus ruhigeren Titeln, die bestens zu der immer gemütlicher werdenden Stimmung im Festzelt passten. Es wurde einiges “gebechert”, was auch an den Getränke-Preisen lag, die im Gegensatz zu meinen früheren Dänemark-Besuchen doch sehr moderat waren. Jedoch wunderte es mich sehr, dass ein einfacher Marken-Whisky preiswerter angeboten wurde, als ein Bier… Und hier zeigte sich dann auch der für mich einzige echte Wermutstropfen an diesem Wochenende, über den sich später auch noch die Musiker wundern sollten, denn es gab im und am Festzelt keinerlei Toiletten, weder als Dixi-Häuschen, noch als feste Toilettenanlage. Wen die Blase drückte, der musste entweder zurück zu seinem Ferienhaus oder Wohnwagen/-mobil, oder zu den doch etliche Meter entfernten Sanitärgebäuden, die sich mitten auf dem Gelände befanden. Ganz ehrlich: Wir selbst hätten bestimmt ein wenig mehr getrunken und somit auch mehr “umgesetzt”, wenn wir nicht ständig diesen verhältnismässig langen Weg vor uns gehabt hätten. Und auch die Musiker konnten nicht einfach mal kurz vor dem Auftritt noch “schnell” mal wohin – alles andere als ideal…

Ansonsten war so ziemlich alles auf dem Festgelände gut gelöst, was hauptsächlich auch daran lag, dass die Veranstalter sich nicht scheuten, hier und da selbst die Ärmel hochzukrempeln, wie z.B. beim “Ausleeren” der Zeltdach-Übergänge, die sich in der Nacht von Donnerstag zu Freitag doch reichlich mit Regenwasser gefüllt hatten. Der Verzehr – egal ob Bier, Hot Dogs, Chips oder Waffeln – funktionierte über Wertmarken à 100 Kronen (ca. 14 Euro) mit jeweils 10 sog. “klips”, die man sich an der Tageskarte kaufen musste. Ein Kaffee kostete 1 klip, für ein grosses Bier wurden 4 klips abgestrichen, für einen einfachen Whisky (ohne Cola) jedoch nur 2. Die sehr frostigen Temperaturen im Zelt, mit denen man Anfang Mai offensichtlich nicht gerechnet hatte, wurden durch eine noch über Nacht besorgte Gebläseheizung am Samstag behoben und das Programm beinhaltete Linedance Workshops, eine Reitershow sowie Live Music fast aller Country Stilrichtungen.

Am Freitag ging es nach der Henrik Bank Band dann auch gleich mit einem alten Bekannten weiter, den ich zuletzt vor über 15 Jahren in Deutschland, damals noch mit seiner Band “No Beans”, getroffen hatte.

Ute Leadsänger Bjarke Rasmussen (früher No Beans)

Bjarke Rasmussen, einer der dienstältesten dänischen Country-Musiker, bediente mit seinem “The Ute Trio” die Sparte des Classic Country und unterhielt die zahlreichen Couple- und Line-Dancer auf das Beste. Er und seine Bandkollegen übergaben dann die Bühne an den schwedischen Musiker Niklas Lazukic und seine Band, die mich mit ihrer Mischung aus Songs von Vince Gill, Merle Haggard, Chris Stapleton und den Eagles überraschten. In den Umbaupausen wurden immer wieder Linedance- Workshops angeboten, am Freitag mit Joergen Pedersen und am Samstag mit Gitte Bisgaard.

 

Ramblin Boots (NL)

Den live-musikalischen Abschluss und Höhepunkt am Freitag Abend lieferten Ramblin’ Boots aus den Niederlanden, die eigentlich erst für 2020 gebucht waren, in diesem Jahr jedoch für einen kurzfristig ausgefallenen Act einsprangen. Über diese Band kann man zweifelsohne sagen, dass sie wohl momentan der beste Country-Import aus den Niederlanden sind und qualitativ viele andere Bands überholt haben, die bisher als das Non Plus Ultra aus NL galten. Es scheint also doch noch Hoffnung auf der Europäischen Country-Szene zu geben… Ramblin’ Boots – eine Band, die in diesem Jahr auch mehrmals in Deutschland zu hören ist – sollte man sich nicht entgehen lassen. Nach Ende des Programms im Zelt wurde übrigens noch eine Party im Valhalla mit DJ und Open Mic – vor allen Dingen aber mit Open End – angeboten.

Der Samstag begann wieder mit strahlendem Sonnenschein und wegen der mittlerweile vorhandenen Gebläseheizung auch mit angenehmeren Temperaturen im Zelt. Die Gastgeber Bjarne und Ann Karina eröffneten mit ihrer Band Wings & Roots das Samstags-Programm und zogen alle Register, um das Publikum auf der Tanzfläche zu halten, was ihnen auch mit ihrer Song-Auswahl aus Country-Klassikern und aktuellen Songs, wie z.B. “Girl Crush” bestens gelang. Anschliessend stand die stimmgewaltige Linda Lyckemyr aus Schweden mit ihrer Band The New Family auf der Bühne und gefiel mir gesangstechnisch ausserordentlich gut, wurde hier doch viel Satzgesang geboten. Leider wurde die Vorstellung durch das ständige (und zumindest mich persönlich störende) Blicken auf das Text-Tablet getrübt. Schade eigentlich – mit den Augen am Publikum anstatt auf dem Tablet hätte die Darbietung um ein vielfaches mehr überzeugt.

Johnny Horsepower aus Dänemark, eine der bekanntesten Johnny-Cash-Cover-Bands Europas, zogen als nächstes das Publikum in ihren Bann und zeigten im Rahmen ihrer Show auch den einen oder anderen Song, der nicht im Original von Johnny Cash stammte, und dennoch im unverwechselbaren Cash-Style vorgetragen wurde. Die nächsten Musiker, 5 junge Dänen von der Formation “The Consolation”, begeisterten anschliessend nicht nur mich mit ihren eigenen Kompositionen. So nach und nach waren auch nicht mehr nur Tänzer auf der Tanzfläche, sondern es gesellten sich immer mehr Leute, die einfach vor der Bühne stehen blieben und die Musik genossen. Und – oh Wunder – da beschwerte sich keiner, dass man doch bitte die Tanzfläche räumen möge. Liebes Tanz-Deutschland, nimm’ Dir mal ein Beispiel daran! Vielleicht gleich beim ersten Auftritt von “The Consolation” in Deutschland, denn die 5 Musiker haben sich mittlerweile ebenfalls für das 10. Internationale Country Music Meeting Berlin beworben.

Der Samstag Abend im Zelt endete dann gleich mit 2 musikalischen Knallern, die zwar unterschiedlicher nicht sein könnten, aber beide auf ihre Art qualitativ ganz weit oben und nur schwer zu toppen sein dürften:

Sentiment Falls (S)

Sentiment Falls aus Schweden mit vielen wunderschönen selbstgeschrieben Songs und brand-aktueller New Country Music und Memphis Boulevard aus Dänemark mit Frontmann und Entertainment-Genie Mark Schedler, die mit vielen Country-Klassikern aus den 60ern bis 80ern auch den letzten von der Bank bewegten und zum Mitsingen brachten. Und wer nach diesen beiden Bands immer noch nicht genug hatte, durfte auch am Samstag Abend kurz vor Mitternacht noch einmal ins Valhalla zur Open End Party weiterziehen.

Veranstalterin Ann Karina (Wings & Roots)

Alles in allem hatten Bjarne und seine Frau Ann Karina mit ihrem Team ein sehr glückliches Händchen bei der Programmauswahl. Für 2020 stehen mit den Ramblin Boots, den Music Road Pilots und Cousin Hatfield sogar schon 3 Acts aus den Niederlanden fest, 13 weitere internationale Programmpunkte sollen noch folgen und der Vorverkauf hat bereits begonnen. Man darf also sehr gespannt sein. Ich jedenfalls drücke den Veranstaltern für den 14. bis 17. Mai 2020 alle Daumen und hoffe dann auf wärmere Temperaturen und auf eine bessere Lösung bzgl. WC’s am Zelt.