Interview mit Patricia Conroy 2007
Christian:
Hey, ich hab gehört, dass du eine neue Künstlerin bei 306-Records.
Erzähl uns was darüber.
Patricia:
Okay, eigentlich sollte es 306-Records sein, aber dann hat
Angeline-Records mich 306 weggeschnappt. Also eine kleine Veränderung,
aber das ist okay. Sie interessiert sich wirklich für meine Musik, ihr
Name ist Jill Snow und sie hat auch Caroline Don Johnson, die auch aus
Kanada kommt, unter Vertrag. Also sind wir jetzt so was wie Schwestern
beim Label und unsere CDs werden von Universal Kanada vertrieben.
Christian:
Was hat dich zur Country-Musik gebracht?
Patricia:
Ich denke, zur Country-Musik hat mich … naja das waren mehrere Dinge.
Meine Familie ist sehr musikalisch. Meine Mutter mag Country-Musik. Sie
kommt von der Ostküste Kanadas, von den Maritimes, aus New Brunswick. So
bin ich mit Country Musik aufgewachsen. Ich hab viele Roots-Musik
gehört, irische Musik und keltische Musik; mein Vater kommt aus Irland.
Ich habe wirklich nach Musik gesucht, die Texte und wundervolle Melodien
vereint und dann hab ich Emmylou Harris gehört und dann war für mich
alles klar.
Christian:
Du hast gerade einer neue CD! Erzähl uns davon!
Patricia:
Okay, die neue CD war sechs Jahre in Produktion. Die Produktion
selber hat gar nicht so lange gedauert. Mein Leben hatte sich ziemlich
verändert, genauso, wie meine Geschäftssachen und meine Karriere. Das
hat mir viel abverlangt. Deswegen hab ich den Titel-Song geschrieben, „Talking
to myself", was auch der Titel der neuen CD ist. Es gab eine Zeit, wo
ich mich wirklich gefragt hab: „wer redet eigentlich mit mir?" Es kam
mir vor, als ob ich keine Fortschritte in meiner Karriere mache und das
war sehr frustrierend und ich weiß, dass viele Leute das kennen. Also,
das ist der Albumtitel und der Song, der mir am meisten bedeutet.
Christian:
Du hast so viele Hochs und Tiefs in deinem Leben gehabt. Kannst du
uns davon erzählen?
Patricia:
Ja, ich glaube, das macht jeder durch. Das hab ich erst später
gemerkt. Ich dachte, dass das nur bei mir so wäre, aber nein; jeder hat
Tage, wo alles glatt läuft und Höhepunkte, wo man denkt: „Oh mein Gott,
war das ein toller Tag!" Und dann wird man immer wieder von Leuten und
von Umständen enttäuscht und speziell in der Musik-Industrie passiert
das oft. Aber, ich bin eine positive Person, weißt du, ich bin wie ein
Steh-Auf-Männchen, ich wippe wieder zurück. Und dieser Song, hat auch
viel Hoffnung in sich.
Christian:
Was unterscheidet dich von anderen Künstlern?
Patricia:
Ich verehre alle diese Country-Musiker! Es gibt so viele Talente auf
diesem Gebiet. Ich halte mich nicht ausschließlich für eine
Country-Musikerin. Ich glaube, dass ich auch Shawn Colvin und Sheryl
Crow sehr nahe komme. Das hat gute und schlechte Seiten. Ich habe meinen
eigenen Sound kreiert und so ist es schwer in die Kategorie „Nashville
Country Music" zu passen. Ich hab da lange dran gearbeitet, bin aber
auch sehr stolz auf das, was wir als Team, bestehend aus Produzent,
Songwriter und mir, geschafft haben.
Christian:
Warum sollten die Hörer uns anrufen und sagen: "Hey, wir wollen
deinen Song hören!"?
Christian:
Was gibt es für Neuigkeiten über dich?
Patricia:
Über mich, mal sehen. Also, gegen Ende 2006, als ich mich auf die
CD-Veröffentlichung vorbereitete, gab es eine Sache, die mir sehr viel
Spaß machte: ich war in Übersee und hab für die Truppen der Armee
gespielt. Ich war auch in Deutschland. Ich war in Belgien, hab da für
die Truppen gespielt und in Ägypten, in Kairo. Von dort auch sind wir
dann in das Lager gefahren und ich hab für die Armee in der Wüste
gespielt. Das ist sehr wichtig für mich. Manchmal spiel ich akustisch,
viele kleine Lieder, die ich geschrieben hab. Es ist sehr schön, diese
Lieder mit den Leuten zu teilen und sie zum Lächeln zu bringen.
Christian:
Wie bist du dazu gekommen, für die Truppen zu spielen?
Patricia:
Nun, das hat man mir angeboten! Die letzen zehn Jahre bin ich immer
wieder rüber geflogen und hab das gemacht. Ich denke, das ist eines
dieser Dinge, von denen man nichts weiß, bis dich jemand danach fragt.
Da gab es einen Vermittler für mich, der hat mich gefragt: „Willst du
nach Ägypten reisen?" Und ich: "Ja! Ich will nach Ägypten!" "Willst du
nach Deutschland?" "Ja, das will ich!" Ich liebe es einfach die Welt zu
sehen. Ich liebe es andere Leute aus anderen Kulturen zu treffen und zu
sehen, was wir gemeinsam haben und auch, was uns unterscheidet.
Christian:
Also, findest du Zeit dort Tourist zu spielen?
Patricia:
Ja! Ich bin ein leidenschaftlicher Shopper. Das Visuelle spricht mich
wirklich an. Ich mag es rumzuschlendern und die verschiedene Kunst zu
sehen, die Kleidungsstile und die Architektur. Ich bin in Montreal
aufgewachsen, was sehr multikulturell ist. Wundervolle Architektur und
Mode; das mag ich sehr.
Christian:
Wie würde dein bester Freund dich beschreiben, wenn wir ihn fragen
würden?
Patricia:
Mein bester Freund ist eine Frau, würde ich sagen. Oh, wir kennen uns
schon lange. Sie würde sagen … dass ich für viel Spaß sorge, dass ich
eine gute Freundin bin, was mir sehr wichtig ist: Jemand, der für den
anderen da ist und die guten Zeiten und die schlechten Zeiten mit
durchmacht.
Christian:
Wie dürfen wir uns ein Konzert von Dir vorstellen?
Patricia:
Wir haben eine sehr gute Band und normalerweise spiele ich Konzert
mit ganzer Band. Ab und zu spiele ich eine Akustik-Show, was wieder was
ganz anderes ist, aber auch sehr energiegeladen. Ich habe jetzt sechs
Alben in Kanada, also habe ich viel Material zum verarbeiten. Dort hört
man meine Musik sehr oft, deswegen werden die Lieder oft wiedererkannt.
Also es ist Show, mit viel Energie und sehr am Publikum orientiert.
Christian:
Es ist schon ein weiter Weg von Kanada in die Staaten. Also, wie
unterscheidet sich das Publikum in den Vereinigten Staaten von dem in
Kanada?
Patricia:
Nun, hier ist das Publikum sehr Song-orientiert. Diese Stadt – und
das ist der Grund, warum ich hergekommen bin – nicht um ein Star zu
sein, sondern um ein besserer Songschreiber zu werden. Hier gibt es so
viele hervorragende Songschreiber. Ich hab hier viel gelernt in den
letzten Jahren und das ist der größte Unterschied, den ich jetzt nennen
kann: hier respektiert man einen gut geschriebenen Song und es macht
mich sehr glücklich, wenn meine Musik hier gut ankommt
Christian:
Nun haben wir viel über das Business gesprochen; jetzt sprechen wir
mal über dich!
Patricia:
Okay. Nun, ich bin verheiratet seit ein paar Jahren mit meinem
anderen besten Freund, Bob Funk, der auch mein neues Album produziert
hat und sie ist einfach toll geworden. Jeder Erfolg, den wir mit dieser
CD haben, haben wir ihm zu verdanken. Er hat sein Herz und seine Seele
in dieses Projekt gesteckt, mehr als ein Durchschnittsproduzent getan
hätte und er hat das Beste in mir hervorgebracht, also er ist einfach
umwerfend. Also mein Privatleben ist toll. Ich habe einige tolle
Freunde. Und, weißt du, ich liebe es in Nashville zu sein. Es ist
wirklich toll hier und ich liebe es in Kanada auf Tour zugehen. Ich
bekomme Heimweh, wenn ich nicht da bin. Ich fahre immer mal hoch und
gebe einige Konzerte. Darüber bin ich sehr glücklich. Ja, mein
Privatleben … mein Vater stammt aus Irland - wie ich schon gesagt habe –
und ich werde im May dort hinfliegen und wir machen ein bisschen Radio
für Irland in Galway und hoffentlich werden die Hörer dort auch meine
Musik hören.
Christian:
Zurück zur neuen CD! Was unterscheidet die neue CD von den anderen?
Patricia:
Yah, diesmal legten wir mehr Wert auf die Komposition. Ich habe
einige Songs auf jeder CD geschrieben, aber diesmal … hab ich mich sehr
geöffnet. Ich fühlte mich sicher, weißt du? Ich habe viel durchgemacht
und hab gemerkt was wichtig ist und was nicht. Ich habe für mich
herausgelesen, was unwichtig für das Business und was unwichtig für mich
als Künstlerin ist. Und wenn man weit im Business vorangekommen ist,
kann es passieren, dass man enttäuscht wird. Wenn man wirklich Wert auf
die Musik legt und enttäuscht wird, hat man wenigstens noch die Musik,
an die man fest glaubt und das bringt einen wirklich durch die harten
Zeiten.
Christian:
Wo können wir mehr über dich erfahren, wenn wir nicht in deiner Nähe
sind?
Patricia:
Das Internet ist fantastisch. Du kannst auf
gehen. Ich habe auch myspace; jeder hat myspace heutzutage. Dort kann
man erfahren, was hier geschieht: Tag für Tag, Woche für Woche. Ich
hoffe, dass ich auch mal wieder nach Deutschland kommen kann.
Christian:
Erzähl uns mehr von deiner website!
Patricia:
Ahhh…
Christian:
… ein paar persönliche Telefonnummern?
Patricia:
Nein, nein, keine persönlichen Telefonnummern [lacht]! Ein paar Fotos
aus Ägypten, kann man sich anschauen und solche Sachen. Es ist Spaß und
es ist sehr interaktiv. Und myspace ist interessant, weil man da sehen
kann, wer meine Freunde sind, wer sich einloggt und wer meine Musik mag
und man kann neue Freunde auf diese Weise treffen. Das ist ziemlich
cool, weiß du?
Christian:
Tust du viel auf myspace?
Patricia:
Ja, ich habe einige Freunde auf myspace, es ist ein bisschen seltsam.
Da gibt es einen Kerl ohne T-Shirt und ich kenn ihn nicht wirklich. Aber
auch viele Musiker wie Gretchen Peters und verschiedene Songschreiber
wie Matraca Berg. Das ist wirklich cool und man kann sich mit den
myspace-Seite anderer verlinken. Das ist sehr interaktiv; das gefällt
mir.
Christian:
Was ist dein Lieblingswitz, den du Leuten erzählst, die du neu
triffst?
Patricia:
Lieblingswitz … [lacht] … Das weißt ich nicht, ich verstehe Witze
einfach nicht. Und jedes Mal wenn ich einen erzählen will, versau ich’s.
Das ist furchtbar. Aber eigentlich bin ich sehr lustig, aber es muss aus
der Situation kommen. Ich kann nicht auf Knopfdruck witzig sein. Aber,
du solltest mich kennen lernen. Ich bin sehr lustig [lacht].
Christian:
Okay, ich dachte du erzählst uns ein paar Blondinen-Witze.
Patricia:
Blondinen-Witze? Nein, eigentlich hab ich schwarzes Haar.
Christian:
Okay.
Patricia:
Irisch, du weißt schon.
Christian:
Ah, okay.
Patricia:
Viele Iren sind rothaarig. Ich habe einige Verwandte und deswegen ein
bisschen rotes Haar in der Familie. Ich war in Irland mit meinem Vater
vor ein paar Jahren und habe dort alle Conroys getroffen und bei ihnen
gewohnt. Das war fantastisch. Ich meine, es geht nichts über Familie.
Wirklich nichts.
Christian:
Was vermisst du, wenn du Kanada verlässt?
Patricia:
Nicht in Kanada zu sein?
Christian:
Jop!
Patricia:
Ehm, Kanada [lacht]. Es ist einfach ein anderes Gefühl hier oben. Und
ich bin in Montreal aufgewachsen. Also, von Montreal nach Nashville zu
gehen ist schon ein Kulturschock. [lacht]
Christian:
Erklär das!
Patricia:
Ah, erklär das … Montreal ist mehr wie Paris, ein bisschen mehr wie
Europa. Nashville is überhaupt nicht so. Nicht wie Europa, aber es hat
seine eigenen Qualitäten. Leben und leben lassen. Und Nashville lebt
auch in seinen Einwohnern, mehr als in Restaurants oder Architektur und
sogar Geschichte. Man fühlt es, wenn man hier ist. Man fühlt diese
Atmosphäre. Man weiß, wann man in Nashville ist.
Christan:
Okay, danke für das Interview.
Patricia:
War es gut für dich?
Christan;
Ja, das war es.
Patricia:
Dann war es auch gut für mich!
Christian Lamitschka (