Interview mit Songwriter „Batomae“

Er ist Songschreiber und er ist der Beste Freund von Jana Crämer, dem „Mädchen aus der 1. Reihe“: David Müller alias „Batomae“. Wir trafen ihn im Dezember, als er als Support von Vonda Shepard auf Tour war.

Berührend sind nicht nur seine Songs, nein, es ist seine ganz spezielle wunderbare Art.

Beides macht ihn zu einem Menschen mit dem Mann & Frau sich stundenlang unterhalten kann und so wurde aus einem eigentlich kurzen geplanten Interview ein langes sehr interessantes Gespräch über ihn, seine Musik, besondere Gedanken und Gefühle, der Freundschaft zu Jana und seinen – nennen wir es mal – Projekten:

Susi: Hallo David, es freut uns sehr, dass Du dir Zeit für ein kurzes Gespräch mit uns nimmst.

David: Ja Hallo, es freut mich auch sehr.

Susi: Du eröffnest ja heute das Konzert von Vonda Shepard.

Du selbst bist ja auch Songwriter, aber hast noch einiges mehr gemacht.

Stell dich doch mal bitte kurz den Lesern, die dich noch nicht kennen (und somit wirklich etwas verpasst haben) kurz vor.

David: Ich erzähle mal nur von aktuell (lacht). Ja, ich bin als Songwriter in Berlin tätig, u.a. für Wincent Weiss,  und als „Batomae“ unterwegs. Damit fahre mich z.bsp. mit meiner Besten Freundin Jana an Schulen.

Außerdem stelle ich für internationale Künstler die Bands für die Konzerte in Deutschland zusammen. Früher bin ich da auch selbst mitgefahren, aber heute mache ich nur noch Musik als „Batomae“ oder mit wirklich guten Freunden.

Susi: Dein Künstlername „Batomae“, was bedeutet dieser und wie bist du darauf gekommen?

David: Der kommt von „Zurück zu mir“. Das war einer meiner ersten Songs. Ich hatte ja mit meinem Bruder schon immer Musik gemacht, er war neun, ich elf. Und einer unserer ersten Songs hieß „Back to Me“ (dt. „Zurück zu mir“). Ich war ja lange bei „Luxuslärm“, habe  für andere Künstler Songs geschrieben und mich immer etwas vernachlässigt. Durch „Batomae“ komme ich quasi zurück zu mir … das sind die Kürzeln Ba To Mae. Ich bin ein bisschen „Stromae“- Fan, deshalb ae.

Jess: Ahh cool, ich auch.

Susi: Das ist wirklich mal interessant zu hören!

Kommen wir doch mal zu Jana. Wie habt Ihr Euch kennengelernt?

David: Wir kennen uns seit „Luxuslärm“, da war ich 5 Jahre lang Bassist und sie die Managerin. In der Zeit sind wir dann Beste Freunde geworden.

Als ich sie kennengelernt habe hat sie 180kg gewogen.

Ich hatte ihr immer die Möglichkeit gegeben mit mir zu sprechen. Eines Tages hat sie das mit dem Sprechen nicht geschafft, aber sie hat mir ihr Tagebuch gegeben – was ja das größte Kompliment ist. Ich habe es gelesen und habe sie nochmal mit ganz anderen Augen gesehen, auch unsere Freundschaft und alles. Naja, und seitdem sind wir Beste Freunde. Wir sprechen wirklich über alles, gehen durch gute und durch schlechte Zeiten. Wir zicken uns an, wir lieben uns – wie sich Beste Freunde eben lieben. Und so können wir eben auch zusammen arbeiten.

Susi: So kam es also zu Eurem „Projekt“ der Konzertlesung „Musik trifft Roman?

David:  Ja, es war so eigentlich nicht geplant, sie hatte mir ja ihr Tagebuch gegeben, damit ich sie besser verstehe. Sie hatte es noch Götz, einem anderen langen Weggefährten gegeben und wir haben sie beide unabhängig von einander gefragt, ob sie sich vorstellen könnte das zu teilen, denn es kann nicht sein, dass es nur ihr so geht. Und dann habe ich irgendwann gesagt: „Das ist so berührend, nahbar und echt. Wenn Du von mir diese Songs („Kein Wort“ und „Unvergleichlich“) haben willst fahren wir zusammen los, denn ich will auf die Bühne. Du liest aus deinem Buch „Das Mädchen aus der 1. Reihe“ und ich spiele die Songs.“

Sie ist die ersten zwei Jahre fast gestorben. Mittlerweile findet sie es aber nicht mehr Sch*** (lacht).

Für Jana ist es eine unfassbare Überwindung sich so zu öffnen und zu zeigen. Jana steht gern in der ersten Reihe und himmelt an aber möchte selbst nicht angehimmelt werden. Sie kann nur schwer mit Komplimenten umgehen, aber sie merkt wie gut es ihr tut und auch dem ein oder anderen vor der Bühne, sonst würden ja nicht immer mehr kommen.

Wir haben ja in kleinen Kulturcafés angefangen… 30 Leute, 40 Leute, 70 Leute. Und jetzt sind wir bei 200 Leuten. Und das in anderthalb Jahren.

Susi: Wow. Ich finde, Jana hat den größten Respekt dafür verdient.

David: Danke. So ist es gestartet und so sind wir auch an die Schulen gekommen.

Susi: Das klingt interessant. Erzähl mir bitte davon.

David: Ja, das ist wundervoll. Wir haben gemerkt, dass gerade in Schulen soviel mit Vergleichen stattfindet, gerade in der heutigen Zeit mit Instagram und so.

Das ist wirklich ein großes Geschenk, dass wir mit unserer Freundschaft echte Gefühle bei den Schülern rauskitzeln können.

Susi: Das glaube ich. Wirklich toll, was Ihr damit erreicht.

Du hast vorhin erwähnt, dass du für Wincent Weiss schreibst. „Musik sein“ wurde von dir mitgeschrieben. Das muss doch ein tolles Gefühl sein, dass dieser Song so erfolgreich wurde, oder?

David: Ja, das war das erste Mal, dass ich mit dem Produzenten einen Song zusammen geschrieben habe.

Als er diese Textidee hatte „Stellt Euch mal vor das ganze Leben hätte einen Soundtrack“ dachte ich, den Song muss ich haben (lacht).

Aber nein, natürlich nicht. Wir waren da um den Song für Wincent zu schreiben. Ich bin dann abends nach Hause und dachte ´ey Alter ich habe heute definitiv einen Hit geschrieben`. Dieses Gefühl hatte ich tatsächlich nur einmal, und das war dieser Song.

Naja, und bei „Unvergleichlich“ hatte ich das auch.

Susi: Das ist ja auch ein großartiger Song. Und es ist deiner. Dein Hit, bzw. Euer Hit.

David: Ja, klar. Natürlich nicht mit Wincent Weiss zu vergleichen. Aber natürlich ein absolut emotionaler Hit.

Nur leider scheinbar noch nicht oft genug gehört worden.

Susi: Nun ja, Ihr wart aber ja schon bei „Stern TV“ und ich bin mir ziemlich sicher, dass er noch mehr gehört wird.

Ich muss sagen, mich berührt „Unvergleichlich“ auch sehr.

David: Ja, das ist bei allen die ihn hören auch so, es finden ihn alle toll. Nur haben wir im Gegensatz zu Wincent kein Label und keine Manager, Vertrieb etc.

Aber ich bin sehr sehr dankbar, dass mich mein Bauchgefühl nicht getrübt hat. Der Song hat es verdient und da bin ich sehr stolz drauf. Wincent hat es auch verdient und eine wahnsinnig geile Karriere draus gemacht. Er hat geile Songs, eine geile Band und ist ein absoluter Live- Künstler.

Ich freue mich, ein Teil seiner Geschichte zu sein.

Susi: Aber es ist für dich doch bestimmt trotzdem schöner deine Songs selbst präsentieren zu können, oder?

David: Absolut. Es haben mir viele geraten danach mit „Batomae“ ein Jahr Pause zu machen und Songs zu schreiben, da wirklich viele angeklopft haben. Aber ich habe genau das Gegenteil gemacht. Ich habe gesagt, ich schreibe jetzt ein Jahr für niemanden mehr. Denn die Ideen kann man nicht aufhalten. Man hat – das ist meine Erfahrung – im Jahr so 4-5 helle Momente (lacht), wo wirklich etwas dabei raus kommt. Das kann man nicht planen. Deshalb habe ich gesagt, dass ich ein Jahr lang nur für mich schreibe. Ich habe aber gemerkt, dass das auch nicht das Richtige ist, denn ich brauche den Austausch, die Menschen und die Kreativität, die Liebe und die Energie, dass es brennt.

Seit diesem Jahr habe ich mich da wieder etwas geöffnet und schreibe wieder etwas mehr für andere und so langsam pendelt sich alles etwas ein.
Naja und ich hoffe, nächstes Jahr im Herbst kommt mein Album.

Susi: Das wäre ja schön. Zwei EP´s hast du ja schon veröffentlicht und ich finde da ist eine emotionaler als die andere.

David: Dankeschön.

Susi: Ja, da wäre ein Album echt schön. Hast du denn noch Songs, die es noch nicht auf den EP´s gibt?

David: Ja, ich habe beim Auftritt am 15.12. in Unna zwei neue gespielt und gesamt sind es mittlerweile 10 Songs.

Es soll ein „Best of“ werden… ein paar der bekannten Songs und minimum acht neue Songs.

Bis Mitte nächsten Jahres möchte ich dann noch mal welche haben, so dass ich dann aus 25 Songs auswählen kann.

Mein Ziel ist es, mit meiner Musik Menschen wieder ermutigen zu fühlen, weil wir in einer Gesellschaft leben, die uns permanent antreibt … permanent ins Handy schauen, permanent Musik hören, permanent irgendwelche Bestrahlungen, laut, glitzern, uns irgendetwas vormachen … uns irgendwie überzeugen wollen, dass das das Richtige ist.

Ich habe das Gefühl, wir schreien uns von Jahr zu Jahr lauter an. Ich möchte da mit der Musik die kleine Insel sein, um zu sagen hey, es ist auch mal ganz geil nicht den Double Tab auf Instagram zu geben, sondern einfach mal deine Beste Freundin oder die Mama in den Arm zu nehmen. Es sind ja immer die Leute, die uns am liebsten haben, Verständnis zeigen und uns so nehmen wie wir sind, die deswegen auch ganz hinten in der Kette kommen. Die Leute die schreien, die Überstunden verlangen etc. denen schenken wir soviel Liebe und Aufmerksamkeit, weil die es einfordern. Und die, die uns lieben sind natürlich verständnisvoll und wir sollten da unsere Prioritäten verschieben, auch wenn es nicht ganz einfach ist. Aber ich glaube, es würde uns allen gut tun.

Susi & Jess: Das hast du schööön gesagt!

Susi: Man sieht es ja auch immer, gerade bei „Unvergleichlich“ bleibt kaum ein Auge trocken. Bekommst du dieses Gefühl was da unten abgeht auf der Bühne mit?

David: Ja, absolut.

Jeder von uns hat ja Energien. Manchmal haben wir einen ganzen Tag lang gearbeitet und sind abends voller Energie, manchmal haben wir nur die Hälfte gearbeitet und sind sowas von im A***. Das hängt davon ab, wieviel wir Geben oder Nehmen. Wenn ich hier stehe, kann ich K.O. sein, wie ich will, wenn die Leute ihre Herzen öffnen beim Musik hören, kann ich danach wieder 10km rennen. Das ist das Beste Gefühl – ich bin da zuhause.

Susi: Also ich, bzw. wir müssen jetzt mal unseren Respekt auch dir gegenüber aussprechen, dass du als Mann so emphatisch/ einfühlsam und ehrlich bist.

David: Dankeschön, da gilt der größte Respekt eigentlich Mama und Papa.

Ich erzähle das was ich lebe. Ich lebe danach, dass Schweigen nichts ändert und versuche zu vermitteln, dass Mitgefühl cool ist, das Emotionen toll sind, es ok ist Schwäche zu zeigen (Schwäche ist die eigentliche Stärke) und man aufeinander aufpassen und respektvoll miteinander umgehen sollte.

Vielleicht liegt das aber auch an meinem Namen… David heißt „Der Liebende“.

Jess: DAS wird’s sein! UND Mama und Papa! (lacht)

David: (lacht) Sie haben mir den Namen ja auch gegeben.

Susi: Kommen wir mal abschließend noch zur Zukunft.

Du hast kürzlich bekannt gegeben, dass du nächstes Jahr auf Akustik- Tour gehst.

David: Ja, genau. Im Frühjahr gehts los. Sechs Termine, ganz klein, kuschelig, intim. Ich habe einen Cellisten dabei, einen Drummer, meine Brüder … das wird sehr sehr schön.

Jana wird auch versuchen so oft wie möglich dabei zu sein – als Mädchen aus der ersten Reihe, nicht auf der Bühne, da sie gerade an ihrem zweiten Roman schreibt. Es wird tatsächlich die allererste ausschließliche „Batomae“- Tour werden. Neue Songs werde ich auf der Akustik- Tour spielen, die noch nirgends gespielt wurden und so die Zeit bis zum Album überbrücken (lacht). Und vielleicht darf ich ja auch ein paar Festivals spielen.

Susi: Das würden wir Dir natürlich wünschen!  Wir finden es auf jeden Fall ganz toll und werden bei dem ein- oder anderen Termin der Akustik-Tour dabei sein. 

Aber jetzt erstmal Dankeschön für deine Zeit und alles Gute!

David: Dankeschön Euch auch und das wäre sehr sehr schön!

Ihr kanntet „Batomae“ und das „Mädchen aus der ersten Reihe“ noch nicht?

HIER gibts weitere Informationen: 

Website Batomae: www.batomae.de

Website Jana Crämer: www.endlich-ich.com

„Das Mädchen aus der 1. Reihe“ – Buch: https://musik-trifft-roman-shop.de/produkt/buch-das-maedchen-aus-der-ersten-reihe/

Das Buch können wir Euch nur empfehlen!

Und hier noch ein persönlicher Tipp von David:

Nicole Staudinger, wahnsinnig tolle Autorin, wahnsinnig toller Mensch. Leseempfehlung, wenn Ihr „Das Mädchen aus der ersten Reihe“ gelesen habt!“

Zum Abschluss noch für Euch die Termine für die Akustik-Tour: 

Ticketbestellung mit Klick auf das Bild.

Beitragsfoto: © Eckard Albrecht