Interview mit „Roads & Shoes“

Im Juni haben wir das sympathische Damen- Duo „Roads & Shoes“ als Support von Charles Esten live erlebt und die Beiden haben unser Interesse geweckt.

„Roads & Shoes“, das sind Gitarristin Johanna Eicker und Cellistin Linda Laukamp aus Köln.

Linda erzählte uns bei einem Telefonat etwas über das Duo, die Musik, das Album, die Tour, was demnächst kommt und und und…

Susi: Ich freue mich sehr, dass du dir die Zeit für einen kleinen Plausch nimmst.
Ich muss ehrlich sagen, ich hatte das erste Mal von Euch in der Ankündigung gehört. Aber natürlich war ich neugierig und habe nach Euch gegoogelt. Was ich da fand hat mein Interesse geweckt. Ein Bekannter hat Euch dann in Berlin live gesehen und uns auch gleich vorgeschwärmt. Naja und als wir Euch dann live gesehen haben, waren meine Kollegin und ich gleichermaßen von Euch begeistert.

Linda: Ach das ist so schön zu hören. Es ist ja nicht immer leicht als Support, da sich die Leute natürlich auf den Hauptact freuen. Aber wenn man dann trotzdem überzeugen kann ist das natürlich toll. Es freut uns sehr.

Susi: Wir haben auch wirklich von jedem um uns herum positives gehört.

Es ist halt „andere“ Musik, aber wahrscheinlich gefällt es gerade uns deshalb so besonders, da es kein typischer Mainstream ist.

Vielleicht magst du den Lesern mal kurz erzählen, was Roads & Shoes für eine Musik machen.

Linda: Also ganz einfach – Singer/ Songwriter

Unsere Musik ist sehr folkig angehaucht. Es ist schwer ein Genre zu finden (lacht).
Ich muss ehrlich sagen, bevor wir mit Charles Esten auf Tour sind, haben wir gar nicht daran gedacht, dass es so ein bisschen Countrymusic ist, was wir machen. Obwohl Folk passt, mit einem kleinen Rock- Charakter.
Johanna und ich kommen ja eigentlich aus der Rock und Metal- Ecke. (Lacht)

Susi: Naja, was ist denn „reines“ Country?! Das gibt es ja so gar nicht mehr. Und es ist auch unsere Intension zu vermitteln, dass bei uns jedes Genre willkommen ist.
Gerade Singer/ Songwriter ist so breitgefächert, das kann man ja gar nicht in eine Schublade stecken.

Linda: Ja, das ist natürlich schön, wenn man das so machen kann. Das macht es natürlich etwas einfacher. Mir fällt das manchmal etwas schwer.

Unser Album „Left Unsaid“ ist ja kürzlich erschienen und bei uns ist es so, dass bis auf den letzten Song der Platte „Time Goes By“, den hat Johanna geschrieben, alle Songs von mir stammen und Johanna diese arrangiert. Ich schreibe die Songs auf Gitarre oder Klavier und Johanna macht da richtig schöne Musik daraus. Wir sind da ein richtig gutes Team.
Daher ist es manchmal etwas schwierig das zusammenzufassen was wir machen.

Aber was du meintest mit dem Mainstream, das war uns auch wichtig, da wir keine Lust hatten uns reinreden zu lassen. Wir hatten überlegt, wie wir das machen mit „Roads & Shoes“, ob wir erst die Musik machen und dann nach Partnern suchen oder andersherum. Aber wir haben beide gesagt, dass wir es alleine machen. Und wenn die Musik dann keiner hören möchte, da es nicht Kommerz genug ist, ist es nicht schlimm, dann haben wir trotzdem gemacht was wir wollten und sind glücklicher, als wenn wir uns hätten reinreden lassen.

Das finde ich total schön, dass du das gesagt hast, dass es kein Kommerz ist, aber du es trotzdem gern hörst. Das freut mich sehr.

Susi: Ich finde es auch traurig und falsch, wenn man sich verbiegt, wenn man nicht mehr das machen kann, was man eigentlich machen möchte, nur damit man Erfolg hat. Man spürt das einfach auch total, ob die Musik von Herzen kommt und das ist was der Künstler machen möchte oder ob es eine „Pflicht“ ist das zu tun und das bekommen ja auch die Fans mit. Und die sind dann dankbarer für Ehrliche Musik.

Linda: Ja, das denke ich auch. Ich bin auch sehr sehr froh, dass wir uns dazu entschieden haben es so zu machen. Ich bin mit der Platte auch sehr zufrieden. Ich denke wir sind beide sehr nah an dem dran, dass es so ist wie wir es uns vorgestellt haben und ich glaube es wäre anders gewesen, wenn wir uns Partner gesucht hätten. Ich bin sehr froh, wie es gelaufen ist. Wir hatten mit Willie Dammeier in Hannover, wo wir aufgenommen haben, auch einen super Produzenten im Team.

Und wenn man dann das Ergebnis in der Hand hält und vor so vielen Leuten dann spielen kann, die zwar gar nicht wegen uns da sind, aber uns vermitteln, dass es ihnen gefällt, ist es ein ganz ganz tolles Gefühl.

Susi: Also ich glaube bei der Tour mit Charles Esten habt ihr wirklich viele von Euch überzeugen können. Habt ihr das auch schon ein bisschen gemerkt? Habt ihr gutes Feedback bekommen?

Linda: Oh ja, voll viel. Natürlich über die typischen Wege Facebook und Instagram. Da merkt man es gleich direkt. Aber wir haben auch ganz viel liebe Kommentare bekommen und auch schon eine Anfragen und Buchungen.

Ich finde das immer total schön, wenn Leute schreiben, was passiert ist. Ich habe zum Beispiel eine sehr persönliche Nachricht von jemanden bekommen der in Hamburg dabei war. Derjenige schrieb, weshalb er da war und mit wem und das war so eine richtig schöne Nachricht. Wenn man merkt, dass es manchmal sogar ein paar Tage sacken muss bei den Leuten, bevor man schreibt und das man jemanden berühren konnte. Oder auch helfen. Ich hatte es mal mit einer anderen Band, dass Leute gesagt haben, man hat mit der Musik über eine schwere Zeit hinweg geholfen. Das sind für mich die Momente in denen man merkt, weshalb man das alles macht.
Wir singen ja „nur“ und trotzdem kann man helfen, das ist ein Wahnsinnsgefühl.

Susi: Ich finde, dass das auch wichtig ist. Musik kann ja heilen, das wurde ja sogar medizinisch nachgewiesen.

Linda: Ja, das bekommt man nur meist nicht mit, das ist ja wirklich etwas sehr persönliches, vor allem wenn man sich nicht kennt. Deshalb ist es umso schöner, wenn sich Menschen die Zeit nehmen uns zu schreiben.

Susi: Ich finde das ist dann auch noch mal eine schöne Bestätigung dafür, dass man alles richtig macht.

Linda: Richtig.

Susi: Kommen wir noch mal zu Eurem Album. Wie seid Ihr denn auf die Idee gekommen das per Crowdfunding zu finanzieren? Das hat ja scheinbar gut funktioniert.

Linda: Ja, das hat funktioniert und wir waren auch etwas überrascht.
Wir haben uns dafür entschieden, da wir ja alles selbst finanzieren mussten, da wir kein Label haben. Und das ist erstaunlich teuer, auch wenn wir einiges selbst machen konnten und wir viele Freunde haben, die helfen konnten. Johannas Mann hat zum Beispiel das Design gemacht. Der Fotograf, der in Köln beim Konzert dabei war, hat viele Fotos von uns gemacht (zum Beispiel das mit dem Cello).
Aber natürlich gibt es niemanden, der umsonst eine CD presst, deshalb wollten wir es einfach versuchen.
Erstens lernt man da ja wirklich viele Leute kennen und man vergrößert seinen Bekanntheitsgrad und zweitens hat man finanziell mehr Möglichkeiten.
Wir haben ja eine Online- Veröffentlichung auf den gängigen Portalen gemacht. Aber ich finde es immer schöner etwas in der Hand zu haben, auch wenn CD´s mittlerweile out sind.

Susi: Das sehe ich ganz genauso!

Linda: Ja, und was noch dazu kommt, als Download hat man kein Booklet. Aber gerade bei der Musik die wir machen ist es sehr wichtig, wir schreiben ja auf englisch, sind aber deutsch. Deshalb ist es für den Zuhörer zum besseren Verständnis manchmal gut ein Booklet, eine Hilfe, zu haben. Es ist uns sehr wichtig, dass die Zuhörer wissen, was wir mit den Songs sagen möchten.

Das Crowdfunding war auch hauptsächlich für eine LP gedacht, die wir machen wollen. Das dauert zwar leider alles etwas länger, gerade auch durch die Tour mit Charles Esten, aber jetzt ist es am laufen.
Wir haben soviel Zeit und Liebe in den Sound des Albums gesteckt und möchten es eben ganz gern auf Schallplatte bringen, da es ja noch mal eine andere Qualität hat.

Susi: Ja, das finde ich auch. Vinyls haben einen besonderen Charme. Die sind ja jetzt auch wieder voll im Kommen.

Linda: Wir sind auch etwas eitel im Bezug auf die Musik. Wir haben überlegt wie wir es machen, da die Dauer der Songs zu lang für eine einfache LP ist und es so nur auf ein Doppelalbum passt. Denn kürzen wollten wir es nicht, also wird es eine Doppel- LP und das ist einfach richtig teuer. Deshalb das Crowdfunding.

Wir waren auch wirklich beeindruckt, wie viele Leute uns da unterstützt haben. Auch Menschen die wir bisher nicht kannten.

Susi: Das freut uns auch sehr, dass geklappt hat und es das Album nun gibt und die Vinyl kommt.
Wo kann man denn das Album erwerben?

Linda: Im Moment gibts das Album nur als Download bei iTunes und Amazon. Die CD gibts momentan nur bei unseren Konzerten oder wenn man uns anschreibt. Das Booklet mit Texten bekommt man aber auch bei Downloads als PDF geschickt. Dazu muss man uns nur anschreiben, dann schicken wir das gern raus.

Susi: Ich würde gern noch mal auf die Tour mit Charles Esten zurück kommen.
Ihr habt ja nicht nur den Support gemacht, sondern durftet mit ihm ja auch noch einige Songs singen, bei denen wir teilweise wirklich Gänsehaut und Tränen in den Augen hatten, zum Beispiel bei „Sanctuary“. Wie kam es denn dazu? Habt ihr Charles gefragt, ob Ihr mit ihm singen dürft?

Linda: Nein, andersherum. Von seinem Management wurden wir gefragt, ob wir mit ihm gern vier Songs machen würden.
Natürlich wollten wir das gern machen.
Das war ungefähr eine Woche vorher. Wir haben dann die Songs gelernt und nach seinem Soundcheck in Berlin haben wir uns dann auf der Bühne zusammen gefunden und die Songs zusammen gespielt. Es war nicht viel Zeit, aber es hat auf Anhieb super funktioniert. Das war wirklich beeindruckend zu merken, wie unkompliziert das sein kann. In diesem Moment merkt man, dass wir aus Musikerfamilien stammen und Charles auch sein ganzes Leben lang Musik gemacht hat. Das ist eine Sprache für die man keine Worte braucht, man versteht sich einfach musikalisch. Das war toll zu sehen, dass Musik so eine universelle Sprache ist und es harmoniert, obwohl jemand vom anderen Ende der Welt kommt. Hach das war so schön. Ich war einfach glücklich.

Susi: Das hat man auch gesehen. Aber auch bei Charles. Und man hat Euch das in Köln auch absolut nicht angemerkt, dass Ihr erst zum dritten mal zusammen spielt und singt.

Linda: Genau das meine ich. Das ist so verrückt, dass man sich ja eigentlich nicht kennt, aber man trotzdem den gleichen Weg geht und eine Verbindung herrscht. Denn trotzdem kann man nicht mit jedem auf Anhieb so perfekt wie mit Charles.
Ich habe zum Beispiel auch außer mit Johanna mit noch niemandem Musik gemacht, wo es so einfach und unkompliziert funktioniert. Da muss man dann einfach nicht drüber nachdenken, es fluppt einfach.
Wir waren auch beide wirklich traurig, dass es dann schon vorbei war. Es war einfach schön.

Susi: Aber Charles Esten hat ja versprochen zurück zu kommen und hat auch auf seinen sozialen Portalen sehr von Euch geschwärmt. Vielleicht dürft Ihr dann ja wieder mit auf Tour, wenn er zurück nach Deutschland kommt.

Linda: Ja, das wäre toll. Wir dachten ja auch nicht, dass wir wirklich mit ihm die vier Songs spielen.

Susi: Eigentlich waren es ja sogar fünf. „A Life that´s good“ habt Ihr ja noch mit ihm gemacht.

Linda: Ja genau. Wir hatten in Berlin und Hamburg „Believing“. Für Köln bat er uns kurzfristig „Sanctuary“ zu machen. Den haben wir uns dann auf der Fahrt von Hamburg nach Köln angelernt.

Susi: Das war auch echt ´ne Nummer. Respekt.

Linda: Dankeschön. Der ist auch echt schön. Aber ich kannte ihn vorher noch gar nicht. (lacht)

Susi: Wir kannten in ja aus der Serie „Nashville“ und waren da schon sehr ergriffen. In Köln war es dann sehr emotional. (lacht). Wirklich ganz ganz super.

Linda: Dankeschön. Das freut uns.

Susi: Ich hoffe natürlich, dass man Euch auf zukünftig live erleben kann?

Linda: Ja, natürlich. Nur momentan sind wir leider noch viel in NRW unterwegs, da wir ja aus Köln sind. Aber wir kommen gern überall hin, wo man uns hören möchte.
Wir treten als „Roads & Shoes“ auch nicht nur als Duo auf. Wir spielen auch mit einer fantastischen Band – Johannas Schwester am Schlagzeug, mein Bruder an der Geige oder Mandoline, mein Freund ab und an am Bass oder Johannas Schwager am Schlagzeug. Wir haben einen tollen Pool an Menschen, die unsere Band verstärken. Alles etwas familiär.

Also wenn jemand Bock auf ein Duo oder eine Band hat… wir kommen gern überall hin! Wir haben tierisch Bock zu spielen!

Susi: Ja, ich finde, es sollten noch mehr in den Genuss Eurer Musik kommen, nicht nur diejenigen, die jetzt bei der Tour dabei waren.

Linda: Das war jetzt ein großer Schritt und wir bleiben am Ball.

Susi: Super,dann danke ich dir erstmal für deine Zeit und hoffe, dass wir bald wieder von einander hören und Euch live sehen.

Linda: Ich danke dir auch und würde mich freuen.

 

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