Country Music Ladies – Ruby Agnes Owens

 

Texas Ruby

04. Juni 1908 – 29. März 1963

Eine Sängerin mit einer angenehmen, tiefen Altstimme
(ja fast schon Tenor), Schwester von Country Musiker
und Songwriter Tex Owens (Cattle Call).
Sie heiratete später den berühmten Fiddler Curly Fox,
mit dem sie gemeinsam auch an der Opry auftrat.
Sie war bekannt für Männerkritische Songs, wie z.B.
Don`t Let That Man Get You Down“ oder
„You`ve Been Cheating On Me“, ein Song, den sie selber
geschrieben hat.

Vielleicht hat sie wegen dieser kritischen Songs keine so
großen Erfolge gehabt??? Damals wurde ja die ganze
Country Music Szene (und nicht nur die) von der
Männerwelt beherrscht und wer mag es schon,
wenn er kritisiert wird?!

Gestern wäre sie 110 Jahre alt geworden, aber sie starb
schon relativ früh, Texas Ruby wurde nur 54 Jahre alt.
Von 1937 bis 1963 war sie aktiv, die meiste Zeit davon
mit ihrem Ehemann, dem bekannten Fiddler „Curly“ Fox.
Zwar war sie enorm erfolgreich im Radio, aber sie hatte
keinen großen Hit. Ihr wohl bekanntester Song war der
schon erwähnte „Don´t Let That Man Get You Down“
(Laß dich von dem Mann nicht unterkriegen).
Das war 1948 ihre 1. Platte bei Columbia, davor hatte sie
schon 1937 zumindest eine Platte auf dem Decca-Label
aufgenommen und zwar Jimmy Rodgers
„Blue Yodel No. 1“, wobei die B-Seite von Zeke Parker
bespielt war.

Bei Columbia veröffentlichte sie insgesamt 7 Schellack-Platten.
Später hat sie dann noch (1949) bei Coral eine Platte gemacht
und 1963 noch mal eine Platte auf King Records.
Im gleichen Jahr kamen auch zwei Alben auf den Markt und
1999 wurde nochmal ein Album veröffentlicht.
„Favorite Songs of Texas Ruby“ erschien `63 bei King
und „Curly Fox And Texas Ruby“ erschien auch ´63
bei Starday.

Das Tribut-Album von 1999 ist bei Bronco Buster Records
unter der ASIN Nummer: BO12YKGCH8 erschienen.
Auf YouTube kann man einige Klangbeispiele von
Texas Ruby hören, darunter auch ihr berühmtester Song.

Begonnen aber hatte Alles, als sie zusammen mit ihrem
Vater und ihrem Bruder eine kleine Rinderherde nach
Fort Worth getrieben hatte.
Ruby wuchs auf einer kleinen Ranch/Farm in der Nähe
von Decatour (nordwestlich von Fort Worth/Dallas) auf.
Sie war also ein e c h t e s cowgirl!

Während der Vater in irgendeinem Büro den Verkauf regelte,
saßen die beiden jungen Leute irgendwo in der Town herum.
Ihr Bruder hatte seine Gitarre dabei und um sich
die Zeit zu vertreiben, sangen sie ein paar populäre
Cowboy Songs. So hatte sich schon bald eine Zuschauer-Menge
angesammelt, darunter ein Viehaufkäufer, der gleichzeitig
Aktionär an einer Radio-Station war hörte sie singen und er
lud Ruby spontan ein, bei „seiner“ Station KMBC in Kansas City
aufzutreten.

Ruby fuhr hin und bekam den Job. Einmal daran gewöhnt, hing
sie das „Cowgirl“ an den Nagel und wurde ein „Radio-Cowgirl“.
Ruby konnte nicht nur singen, sondern auch Yodeln!
Das bewies sie z.B.(später) in dem Walt Disney Film „Snow White
And The Seven Dwarfs“
(Schneewittchen und die 7 Zwerge).

Nach Kansas City, folgten Engagements bei anderen Radio-Stationen,
wie Detroit, Philadelphia und Cincinnati.

Bei irgendeinem Auftritt lernte sie Zeke Clements kennen
und schloß sich ihm und seiner Band, den „Bronco Busters“ an.
Die „Bronco Buster“ waren die erste Cowboy und Western-Band,
die ab 1933 regelmäßig an der Grand Ole Opry auftraten.
Sie wünschte sich, zurück nach Texas zu gehen, aber da kam ein
Angebot des Senders WHO in Des Moines, Iowa dazwischen.
Dortblieben sie zwei Jahre lang, übrigens der Ansager des dortigen
Radios war niemand Geringerer als Ronald „Dutch“ Reagan!
Ja, der spätere Präsident der USA war damals auch als „Country-Star“
unterwegs.

Als Clements Mitte der 30er Jahre nach Hollywood ging, folgte
Texas Ruby ihm NICHT!
Sie ging zurück nach Texas und während der „Texas Centennial Celebration“ (Hundertjahr-Feier) lernte sie ihren späteren Ehemann Curly Fox kennen.
Zusammen arbeiteten sie bei verschiedenen Radio-Shows, das
heißt, sie waren mal hier, mal dort. Unter Anderem auch beim Sender WSM
der Samstag-Abend das Programm der Grand Ole Opry über den Äther schickte. Von 1937 an für erst einmal zwei Jahre, aber dann zog es sie weiter.

Texas Ruby & Curly Fox hatten inzwischen ihre eigene Show
entworfen, mit der sie quasi auf Tournee gingen.
Auftritte beim KWKH „Louisiana Hayride“, bei WHO in Des Moines, Iowa, dem „Iowa Barn Dance Frolic“ oder in Detroit, Michigan bei WXYZ.
Das waren alles relativ kurze Engagements, aber 1941 fanden sie beim Sender WLW in Cincinnati, beim „Boone County Jamboree“
blieben sie gleich drei Jahre.

Danach, von 1944 bis 1948 waren sie dann wieder im Programm der
Grand Ole Opry bevor es die beiden 1948 nach Houston, Tx zog,
wo sie für fast 10 Jahre, gewissermaßen „Pionier-Arbeit“ im örtlichen
Fernsehen leisteten.
In den 60er Jahren ging es dann nochmal nach Nashville, wo Curly
an der Opry arbeitete.

Zwischen 1945 und 1946 nahm Texas Ruby für Columbia auf, danach (1947)
folgten die King-Aufnahmen. Anfang 1963 wurde ein „Come-BackAlbum“
für das Starday Label aufgenommen.
Kurze Zeit danach, am 20. März 1963 – Curly spielte an diesem Abend
mal wieder Solo an der Opry und Ruby war allein zu Hause.
Da Ruby´s Gesundheit seit einiger Zeit stark gelitten hatte, trat sie
nicht mehr auf.

Curly spielte für viele Opry-Stars die Fiddle und trat zu der Zeit fast ausschließlich ohne Ruby auf. Er wurde kurz danach dann als Fiddler in die offizielle Hausband aufgenommen und blieb bis 1970 ständiges Opry Mitglied.
Curly und Ruby´s „Zuhause“ war ein Wohnmobil, das in der Nähe der Opry seinen Standplatz hatte und Ruby, die gerne dem Alkohol zugetan war und die auch eine starke Raucherin war, ist vermutlich mit einer brennenden Zigarette eingeschlafen!
Der Trailer brannte total aus!

Ruby wurde neben ihrem Bruder, Doie Hensley „Tex“ Owens,
der bereits am 09. September 1962 an einem Herzinfarkt verstarb, auf dem Franklin Cemetery in Franklin, Tx beerdigt.

Aber der März 1963 ging als der „grauenhafteste Monat“ in der Geschichte
der Opry ein, den Texas Ruby war ja bereits der fünfte verstorbene
Grand Ole Opry-Star, nachdem bereits am 03. März Patsy Cline,
Hawkshaw Hawkins, Cowboy Copas
und Jack Anglin bei einem

Flugzeug-Absturz um´s Leben gekommen waren.
Wie ich eingangs schon schrieb, Ruby war nicht die Sängerin mit spektakulären Hit-Erfolgen, aber mit ihren, für die damalige Zeit, frechen, ja fast revolutionären Songtexten war sie ein Vorbild für ganze kommende Generationen von Country Sängerinnen.

Heute ist sie, wie viele andere ihrer Zeit leider schon fast vergessen.

Dieter Mühlena