„Quo vadis“ Deutsche Countryszene  
    ... eine persönliche Einschätzung von Peter Wyrostek

Was ist los in der deutschen Country-, Western- und Music Szene, Anfang des Jahres 2011?

Wenn ich bei mir zurückdenke: Wie kommt ein, in Oberfranken geborener und aufgewachsener Junge, überhaupt auf Country- Music? Man geht mit den Eltern zum Kinderfasching und da laufen Cowboys und Indianer umher. Da wollte man dabei sein.
Da wo der Westernfan später sein Bolotie am Hals trug, da hielt die Hülle einer Streichholzschachtel ein buntes Tuch und wichtig war das Schießeisen mit einer Rolle Zündplättchen und der Traum von einem Wilden Westen, den ich, sobald ich lesen konnte, in den zahlreichen Karl May Bücher bestätigt fand. Dann durfte man das erste mal in’s Kino. Das hieß „Lichtspielhaus“ und war am Sonntagmittag um 13,30Uhr gerammelt voll Kinder. Es gab „Dick und Doof“ in schwarz weiß und auch die ersten Western. Ob „Zorro“ oder der „Lone Ranger“, Sheriffs, Banditen oder Cowboys, das beflügelte meine Fantasie und man sah sich im Geist über die Prärie reiten und den Westen von den bösen Buben befreien. Unterlegt waren diese Filme meist mit schönen, natürlich „englischen“ Liedern und auch eingängigen Melodien, die sich einprägten. Das waren für uns „Westernlieder“, der Begriff „Country“ kam erst später. Aber man hörte Radio, meist den Bayerischen Rundfunk. Da sang Bruce Low vom „Pferdehalfter an der Wand“ und .. aus den blauen Bergen kommen wir, oder „El Paso“ auf deutsch. Dann konnte man sich die ersten Schallplatten, meist Singles. Kaufen. Wer einen guten Plattenspieler hatte, konnte stolz sein. Peter Hinnen, Killimans Hawaiians“, dann „Freddy Quinn“, Gunther Gabriel, später Tom Astor, Truck Stop, Renate Kern, waren die „Stars“, die die deutschen „Westernsongs“ bekannt machten.
Andere hörten im Radio AFN, den Soldatensender der US- Army. Hier war schon die „Country- Music“ aus Nashville angesagt. Wer Kontakt zu den GI’s hatte und einmal dort eingeladen war, der sah dann, meist zum erstenmal“, etwas vom „Square Dance“, der in der US-Army seit den Bürgerkriegszeiten und auch hier meist von den Offizieren, gepflegt und hochgehalten wurde. Auch in unserer Nähe gründeten sich die ersten „Square- Dance- Clubs“, die wenn sie mit Ihren tollen Kostümen irgendwo auftraten, viel begeisterten Zuspruch hatten. Dann kam „Johnny Cash“ in mein Leben. Er hatte einen Auftritt in der Hofer „Freiheitshalle“. Ich war begeistert. Eine volle Halle, tolle Music und der „Man in Black“, dazu im Publikum viele Fans im „Western- Outfit“. Erwachsene die sich mit Cowboyhut und Fransenweste sichtlich wohlfühlten. Nun habe ich „blutgelegt“. Es wurde ein Stetson angeschafft und im Radio hörte ich den „Country Club“ mit Tom Jeier. Wer reiten wie ein Cowboy wollte, suchte sich einen Reitverein mit Westernreit- Abteilung, wer einen echten großkalibrigen Colt wollte musste sich einem Schützenverein anschließen und es entstanden immer mehr Clubs wo sich Fans trafen und unter gleichgesinnten ihren Traum leben konnten.
Es entstand auch die „Trucker Szene“, deutsche Fernfahrer trafen sich, formierten sich in Clubs und hörten die Country- und Westernmusic. Die Truckerfestivals in Geiselwind und Berg waren für mich prägend. Hier sahen wir zum erstenmal Dave Dudley live und Larry Schuba sang „einmal im Leben nach Nashville“, ein Wunsch, sich auch bei uns fest in unseren Träumen etablierte.
Als begeisterter Fan suchte ich nach Veranstaltungen. So traf ich Geiselwind viele CM-Fans, die wie ich das gleiche Problem hatten, man wusste zuwenig, wo was los war. Bei Festen und Festivals wurden manchesmal Handzettel von Bands oder Veranstaltern ausgeteilt aber damit erreichte man eben nicht alle Interessierten.
Da traf ich auf Kai Niebergall und auch auf Kai Ullatowski und Wolfgang Retzlaff. Aus kleinsten Anfängen entwickelten sich dann die „Western Mail“ und der „Country Circle“, im Laufe der Zeit noch manches andere Magazin wie Z.B. der „Country Express“. So hatte man plötzlich eine Info- Quelle, wo und was sich in der deutschen Scene abspielte.
Ich fotografierte schon immer gerne und war auch sofort bereit meinen Beitrag in Form von Fotos zu leisten. Dann kam auch immer mehr Text dazu. Ich wurde fester Mitarbeiter beim Country Circle.
Die Szene wuchs, boomte sogar zeitweise. Es gründete sich die GACMA, es wurden die ersten Country- Messen abgehalten. Es wurden deutsche Awards verliehen, deutsche Hitparaden wurden aufgestellt. Auch im TV gab es Country Music. Deutsche Serien mit Gunther Gabriel, Freddy Quinn und die rein deutschsprachige Serie KM 330 mit Jonny Hill (bei der wir bei vielen Aufzeichnungen dabei waren).
US- Superstars kamen nach Europa und zeitweise füllten sich die größten Hallen in Deutschland bei ihren Konzerten. Als Pressevertreter standen mir zeitweise Tür und Tor offen. So bekam ich eben auch in den Genuss vieler persönlicher Begegnungen mit „meinen“ Stars. Auch die Reise nach Nashville zur Internationalen Country Fan Fair wurde war.
Es kam meine Freundschaft zu „Doc“ Schulze dazu, der bei Radio Euroherz die Sendung Country Time moderiert und hier alle Stars der Scene, die in Deutschland unterwegs waren zu Gast hatte oder zumindest bei ihren Konzerten interviewte. Er berichtete im Radio und ich in den Magazinen. Auch die Fachbuchreihe „country ideals“ von Rainer H. Schmeissner habe ich gerne mitgestaltet. Dann kamen die CD’s, die die Schallplatten verdrängten, es kamen die Computer und das Internet. Ralf Eyertt war einer der ersten, der das Internet für die Country Music nutzte und auch mich ermunterte sich mit dem neuen Medium zu beschäftigen. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar, denn ich war bereits in dem Alter, wo ich dachte, dass ich den Computer nicht mehr brauche. So war ich auch von Anfang an mit dabei und heute könnte ich mir ein Leben ohne Computer nur noch schwer vorstellen.
Aber wie immer im Leben geht nichts ewig. Die beiden großen deutschen Fachmagazine Country Circle und Western Mail bekämpften sich. Anstatt „Miteinander“ ging es immer mehr „Gegeneinander“. Sie stritten sich bei den Gerichten über Auflagezahlen und alle möglichen Aussagen und meist unwichtige Kinkerlitzchen. Viele Künstler und auch Mitarbeiter und Fans sahen sich immer mehr zwischen zwei Lager gedrängt.
Insgesamt ging auch das Interesse an der Country Music zurück. Gutgehende Festivals verschwanden aus den unterschiedlichsten Gründen. Clubs waren nicht mehr so aktiv, lösten sich auf oder zogen sich aus der Öffentlichkeit zurück. Auf den meisten Treffen merkt man, dass der Altersdurchschnitt der Fans immer höher wird.
Dann kommt die Linedancer- Szene neu dazu. Nun geht wieder ein Riss durch die deutsche Szene.
Dem Konzertbesucher in der ersten Reihe, der seine Musik und seinen Star genießen möchte, den stören die Tänzer ungemein, da sie ja meist direkt vor der Bühne agieren. Anderseits erfährt die Szene durch die Linedancer eine Verjüngung und ohne die Country Musik gibt es eben keinen Linedance. Die meisten deutschen Jugendlichen haben einen anderen Musikgeschmack, dass muss man akzeptieren. Seit einigen Jahren boomt im Land die „Mittelalterscene“. Sie hat ihre eigene Musikrichtung und statt Western- Outfit ist plötzlich die Ritterrüstung gefragt.
Da man sein Geld auch nur einmal ausgeben kann fließt mancher Euro, der vor Jahren in die Countryscene geflossen wäre in andere Kanäle.
Nachdem „mein“ Country Circle aufgeben musste, was ich persönlich und auch viele Leser, Countryfans und auch Künstler (wir hatten Tom Astor, Truck Stop, Gunther Gabriel, Larry Schuba, Kathja Kaye, Lady Dagmar, die Org. Zitronentaler, Barbara Clear, Cripple Creek Band, Daniel T. Coates und viele mehr bei unseren Veranstaltungen), bis heute noch bedauern.
In Nürnberg kam die Wheel auf den Markt und als Franke schickte ich öfter Termine und Bildberichte, die auch manchesmal abgedruckt wurden.
Auf der CMM in Berlin, hier war ich seit der Ersten immer vor Ort und berichtete darüber und versuchte auch immer zwischen Country Circle und Western Mail zu vermitteln, sprach mich mein geschätzter Kollege Peter- Uwe Wien darauf, ob ich wohl, nachdem es den CC nicht mehr gibt, für die WM schreiben würde. Also schickte ich meine Berichte auch an die WM. Sie kamen mal und auch oft nicht.
Ich wurde dann zwar im Impressum der WM mit aufgeführt, aber da bekam ich nie eine Anerkennung vom Herausgeber, noch ein Lob, geschweige eine Bezahlung in irgendeiner Form.
Von einigen Künstler hörte ich auch immer wieder die Klagen, dass sie gemoppt wurden. Die großen der Szene sah man sowieso nie in Berlin. Ich hatte auch beim CC die journalistische Freiheit (und das sollte eigentlich selbstverständlich sein, in einem demokratischen Land), dass ich auch über die Veranstaltungen in Berlin berichten konnte.
Gerne berichtete ich auch aus dem Westernsaloon von Frank Lange. Der war Mitarbeiter der Western Mail und trotzdem tolerierten wir uns und ich war als Journalist immer willkommen.
Die CMM in Berlin zog vom Fontanehaus in den Postbahnhof am Ostbahnhof um. Plötzlich war auch vom Partner Frank Lange nichts mehr zu hören oder lesen. Auch von seinem Partner Wolfgang Retzlaff hatte sich Kai Ullatowski getrennt. Wo Festus Hagen, der Schreiberling und nimmermüder Handverkäufer der WM abgeblieben ist, entzieht sich meinen momentanen Kenntnisstand.
Auf der CMM 2009 kursierte plötzlich die Nachricht, dass künftig wieder eine CMM im Fontanehaus geben wird. Bei mir lief das Telefon heiß, nach der Frage was hier los ist.
Auch neue Fachzeitschriften wurde plötzlich größer. So erschienen „Der Countryfreund“ im Hochglanzformat und Bundesweit, zwei Berliner Mädels brachten die „Highway News“ auf den Markt, kleinere Magazine blieben meist auf ihre Region beschränkt. In Nürnberg gab es nun auch eine CMM in Zusammenarbeit von Wheel und Western Mail. Auch hier war ich von Anfang an dabei und berichtete.
Beim ersten Versuch in der Meistersingerhalle war man sehr euphorisch und dachte, dass die Messe immer größer wird. Was leider ein Trugschluss war. Im letzten Jahr hatte der Veranstalter plötzlich Bedenken mich ein zu laden.
Er wollte im Voraus wissen, was ich schreibe.
Wenn ich berichte, dann kann ich nur hinterher berichten was war, ich bin doch nur Journalist und kein Hellseher. Also nahm ich Abstand und ging nicht hin.
Seit dem bekomme ich keine Wheel mehr und bin aus dem Impressum verschwunden. Wie ich von Besuchern gehört habe, habe ich nichts versäumt. Ein Termin für die nächste CMM in Nürnberg steht schon fest, Insider zweifeln daran, dass sie überhaupt noch einmal stattfindet. Warten wir  es ab.
Nachdem ich mir erlaubt habe auch darüber zu berichten, dass Frank Lange 2011 wieder eine CMM (Country Music Meetig- im Gegensatz zu Country Music Messe)  im Fontanehaus abhält und ich auch noch vom Countryfreund und aus dem Westernsaloon Berlin berichtete, wurde ich aus dem Impressum der WM gestrichen und für die CMM im Postbahnhof bekomme ich auch keine Einladung mehr.
Die ehemaligen Partner Kai Ullatowski und Frank Lange streiten sich nun vor Gericht wer die Abkürzung CMM benutzen darf und wem die Rechte daran gehören.
Nun ist es auch wieder so weit, dass sich Künstler entscheiden sollen oder auch müssen, wo sie auftreten. Treten sie bei Frank auf werden sie bei Kai und der Western Mail „keine guten Karten“ haben.
Da ich auch „ausgeladen“ wurde, so werde ich eben nur vom Meeting im Fotanehaus berichten können.
Manchen Künstler, der im Postbahnhof auftritt in diesem Jahr nicht sehen. Auch hier ist abzuwarten wie sich die Geschichte entwickelt. Nachdem die deutsche Countryszene, meiner Meinung nach, nicht wächst, sondern eher noch schrumpft,  wird man abwarten müssen wie sich alles entwickelt.
Nun geistert als neue Schreckensmeldung die Insolvenz von Pullmann City durch die Medien. Aber es heißt schon wieder, der Betrieb geht weiter.
Das größte Trucker- und Countryfestival Europas in Geiselwind feiert sein 30 jähriges Bestehen, ein Lichtblick.
The Four Corners Music Hall, Rattlesnake und Oklahoma in München oder der Westernsaloon in Berlin, sowie die Countryfreund Kötz sind neben anderen rührigen Clubs noch die Garanten, dass die Szene noch nicht ausstirbt.
Aber Intoleranz, Unfähigkeit und kurzsichtiger Egoismus verprellen manchen engagierten Hobbyisten und Idealisten und die Großen Veranstalter, Verleger, Medienvertreter und Firmen (Sponsoren) brauchen sich doch nur die Verkaufszahlen und Besuchszahlen ansehen und schon lassen sie die Finger von solchen „wenig lukrativen“ Szenen. Ich versuche jedenfalls noch solange es mir möglich ist, ehrlich, unabhängig und objektiv zu berichten.
Versprochen!

Peter Wyrostek

 
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