Roland Heinrich & The Jimmie Rodgers
Experience beim 5. Internationalen Bühler Bluegrass Festival

Die
Welt der Country Music gedenkt im Jahre 2007 des 110. Geburtstags von
Jimmie Rodgers, des „Vaters der Country Music" und des ersten
erfolgreichen weissen Bluessängers, von dem Bob Dylan sagt: „Er war das
musikalische Leuchtfeuer des 20. Jahrhunderts und natürlich mein
Vorbild." Und Jerry Lee Lewis meinte einst: „Es gibt nur vier Stilisten
– Jimmie Rodgers, Al Jolson, Hank Williams und mich!" Und tatsächlich,
Jimmie Rodgers, der ehemalige Eisenbahner, war in den späten 20er und
frühen 30er Jahren in den USA die Sensation. Mit seinen selbst kreierten
„Blue Yodels" (12 Bluestakte mit 4 anschliessenden Yodel-Takten - und
schon hatte er wieder die 16 Takte der europäischen Liedform),
faszinierte er das Publikum von damals. Aber auch neben diesen Blue
Yodels hatte er jedem etwas zu bieten, den Farmern, den Eisenbahnern,
den Tramps und überhaupt allen, die damals unter der
Weltwirtschaftskrise zu leiden hatten. Nur so ist zu erklären, warum es
zu dem bekannten Slogan im Supermarkt kam: „Geben Sie mir 1 Liter Milch,
6 Eier und die neueste Schallplatte von Jimmie Rodgers." 12 Millionen
Platten wurden zwischen 1927 und 1933 von Jimmie Rodgers verkauft, er
hat mehr spätere grosse Stars beeinflusst als jeder andere vor ihm und
die Ehrungen, die ihm posthum erteilt wurden, waren überwältigend.
1961 Aufnahme in die Country Music Hall Of Fame. 1978 widmet die
amerikanische Postverwaltung in ihrer Performing Arts Serie dem „Singing
Brakeman" Jimmie Rodgers eine 13c Briefmarke. 1984 erhielt Rodgers als
erster Weisser den W.C.Handy Blues Award und 1986 wurde er in die Rock
‚n’ Roll Hall Of Fame und in die National Academy of Popular Music/Songwriters
Hall of Fame aufgenommen.
Zu
Rodgers’ 110. Geburtstag (er starb bereits 1933 mit 35 Jahren) und
aufgrund der selbstgestellten Verpflichtung beim 5. Internationalen
Bühler Bluegrass Festival am 5.5. mit einer 5. Band aufzuwarten,
präsentiert sich in Bühl der in Deutschland reinkarnierte Jimmie Rodgers
in der Person von Roland Heinrich zusammen mit Musikern, die es
verstehen, die Musik von Jimmie Rodgers noch einmal auferstehen zu
lassen. Rudie Blazer, eifrigster Mitstreiter bei den Johnny Cash
Memorial Konzerten mit Dieter Thomas Kuhn, bedient kompetent Hawaiian
Steel Guitar, Lap-Steel, Gitarre und Mandoline. Nout Grupstra spielt
Fiddle, Mandoline, Banjo, Musical Saw und Akkordeon. Oldrik Scholz
erledigt die Arbeit an der Ukulele und am Bass und Markus Krieger bläst
die Tuba. Roland Heinrich, der ganz in der Musik von „America’s Blue
Yodeler" aufgeht, übersetzte Songs und Blues von Rodgers ins Deutsche
oder besser, in eine deutsche Umgangssprache, wie sie in
Großstadtkneipen gepflegt wird und trifft damit den Zuhörer Mitten ins
Herz:...Ich heul’ in mein Bier, heul’ in mein Bier. Ich sitz’ jeden
Abend hier, willst Du ein paar Nüsse? Komm, setz’ Dich zu mir. Bestell
Dir nen Drink und treib mir die Trübsal aus...!
Roland Heinrich lebt in Berlin und erklärt auf ganz eigene Art sein
Verhältnis zu Jimmie Rodgers: „Jeder Mensch hat seine kleine Geschichte
in dieser Welt. In meiner taucht Jimmie Rodgers in regelmässigen
Abständen auf und hilft mir, auf einen neuen Zug aufzuspringen, wenn
mich die Fahrpläne all zu sehr verwirren. Kennengelernt habe ich Rodgers
zunächst optisch mit Hilfe der „Rolling Stone Bildgeschichte der Rock
Musik" und im Kapitel „Die Roots" fiel mir sein Foto auf, er war mir
nicht ganz geheuer. Er hatte einen 20er Jahre Strohhut auf, Anzug mit
Fliege und rauchte lässig an einer Zigarette. Er sah eher nach Tanztee
am Wannsee aus. Unter dem Bild stand jedoch „Der Vater der Country
Music". Das
Misstrauen
gegenüber dem sehr großstädtisch wirkenden Country Sänger wurde
begleitet von einer Faszination für diese offensichtliche Unstimmigkeit.
Ein paar Jahre danach bekam ich meine ersten beiden Rodgers LPs. Es war
Frühjahr, ich war verliebt, hatte eine Gitarre, zwei Rodgers Platten und
nervte meine Nachbarn mit meinem Gejodel. Was ich an Jimmie Rodgers so
liebe? Er hat als Zeuge der Weltwirtschaftskrise eine sentimentale
Seite. Er sang viel von Träumen und der Vergangenheit. Trotzdem schaute
er immer nach vorne. Sein Traum verlieh ihm riesige Kraft. Diese half
ihm berühmt zu werden und sich nie zu beschweren, was immer das Leben
für ihn an Hürden bereit hielt: Tuberkulose, durch sie verursachte
Alkohol- und Morphiumprobleme und finanzielle Engpässe, um nur einige zu
nennen. Ein Beispiel für seine Energie: Nur 2 Tage vor seinem Tod
spielte Jimmie Rodgers noch seine letzten 4 Songs und Blues für RCA
Victor in New York City ein. Auch über 70 Jahre nach ihrer Entstehung
versprühen seine Aufnahmen eine positive Energie. Das macht Jimmie
Rodgers zu meinem Vorbild. Insofern: All Aboard!"
Roland Heinrich & The Jimmie Rodgers Experience dürfte eines der
genialsten Projekte sein, das je auf einer deutschen Bühne aufgeführt
wurde, ganz im Geiste von Jimmie Rodgers, ein musikalisches Ereignis der
besonderen Art.
Walter Fuchs