Helmuth Schumacher lebt!
Mit
wahrlich lebensbedrohendem Erschrecken musste ich von Walter Fuchs
angesprochen erkennen, dass meine reale Existenz bezweifelt wird, da ich
nur eine von ihm in die Welt gesetzte Fiktion sei. Ein solcher Schock
muss jeden zum Therapeuten treiben, was zudem für mich mit enormen
Kosten verbunden sein dürfte, da die Krankenkasse, auf Beteiligung
angesprochen, vornehme Zurückhaltung übt. Uns Öcher Mädel namens Ulla
S., schlechthin die Fachfrau in dererlei Themen ─ Lehrer können halt
alles ─, wird einen derartigen Befund wohl auch nicht im
Leistungskatalog verankern wollen.
Und meine arme Frau erst; sie wird wohl ebenfalls
solcherlei Therapieunterstützung vonnöten haben ob der gravierenden
Probleme meiner Nicht-Existenz. Woher kommen denn nun bloß unsere
Kinder? Stellt sie etwa in diesen esoterisch angehauchten Zeiten die
Inkarnation der unbefleckten Empfängnis dar? Fragen über Fragen, und das
in einer Zeit, die per se keine Antworten mehr bereit hält.
Der Walter und ich sind in etwa beide gleichen Alters.
Insofern kommt er als physischer, sprich samentechnischer, "Erfinder"
meiner Wenigkeit nun überhaupt nicht in Frage. Ob er sich mein Œuvre an
Satiren, Kabaretttexten oder philosophischen Traktaten auf dem Weg des
Mich-Erfindens aneignen wollte, das können wir ihm wahrhaftig nicht
unterstellen, so wie ich ihn kenne.
Hoffentlich hat der Walter kein Patent auf mich als
Erfindung angemeldet, ansonsten müsste ich wohl ständig für
Existenznutzung Abgaben an ihn zahlen. Bliebe noch rechtlich zu klären,
ob er im Gegenzug nicht meine Steuerschulden zu übernehmen hätte.
Neudeutsch hieße so etwas in der allherrschenden Ökonomie eine
Win-Win-Situation.
Selbstverständlich darf der Walter meine Texte und
Aussagen zitieren, wenn ihm etwas gefällt, zumal ich nicht im oder für
das Internet schreibe. Und ich darf formulieren wie es mir gefällt; seit
den zwanziger Jahren gilt, dass bei Satire alles erlaubt ist. Etwas das
bereits über hundert Jahre vorher immer wieder wider jedwede
Unterdrückung versucht wurde, um die Zustände zu geißeln. Wunderts wen,
viel geändert hat sich nicht?
Wer denn nun unbedingt auf meine beweisbare Existenz
Wert legt, am kommenden Donnerstag (07.06.07), in der hiesigen Region
ein Feiertag, gibt es abends in der inzwischen einzig echten Realität,
besonders die des Prekariats, auch wenn sie mittlerweile nicht nur
technisch innovativ flach ist, soll heißen im Fernsehen, die
Wiederholung des aufwendigen Zweiteilers "Der Untergang der Pamir"
(Sat3, beide Teile abends hintereinander). Hallo Fangemeinde! Auf den
zweiten Teil achten. Ziemlich am Ende muss ich mich als Reporter im
unmöglichen, piefigen Outfit der 50er Jahre angekleidet durch die Menge
zur Gangway zusammen mit meinem Tonassistenten vorarbeiten, um dem
Bootsmann Lüders, die Gangway hinabkommend, eine weltbewegende Frage zu
stellen: "Bootsmann Lüders, warum musste die Pamir untergehen"? Der
Schnitt hat später eine Einstellung gewählt, bei der ich immer nur kurz
zu sehen bin, allerdings hat man meine Frage / Stimme so richtig
dramaturgisch erhöht aus dem Off eingeblendet. Da erlebt ihr, teure und
treue Fangemeinde, meine reale Person, meine reale Stimme mit einem in
einem realen Flughafenhangar stundenlang eingeübten realen Satz.
Bitte dem Filmproduzenten nicht weitersagen, dass es
mich gar nicht gibt. Dann verlangt der sein Geld für meine Mitwirkung
zurück, wohlmöglich noch Schadenersatz, wollte er doch mit dieser
aufwendigen Produktion sicher keinen Geisterfilm drehen. Demnächst
wieder am Set, diesmal für eine ZDF-Produktion, könnte ich dann dorten
ja auch nur unsichtbar mitwirken trotz "Zweiten - besser sehen" oder so
ähnlich. Ob die das wirklich wollen?
Nähern wir uns jetzt noch einmal dem eigentlichen
C-Thema. Letztens nutzte ich die Gelegenheit, die US-Ausnahmegruppe The
Wilders hier in der Region zu hören und, jawohl, zu sehen. Mensch, die
traten in stinknormalen Anzügen auf. Ach ja, im Vorprogramm eine
deutsche C-Gruppe musste natürlich wieder in
Berufscowboy-Rhinestone-Verkleidung auf die Bühne. Schlagartig dämmerte
mir, warum Afghanen und Iraker den Amerikaner nicht verstehen. Die
wissen sich ja nicht anzuziehen. Das erfordert natürlich Verachtung.
Wären die doch nur als Kulturbotschafter in der oben erwähnten
Deutsch-Western-Kostümierung ins Land gekommen und nicht in Camouflage,
ich glaube, sie alle wären geradewegs die dicksten Freunde geworden, da
bin ich mir aber auch so was von sicher.
Sicherlich kann der eine oder andere engagierte C-Fan
unserer Breiten auch heute noch auf die historischen Ausgaben der
US-Publikationen "Country Music Who Is Who" zurückgreifen. Richtige
Bücher waren das damals noch. Sie wurden gekauft, gelesen -- wahrhaft
verschlungen von uns in der Alten Welt. Die Ausgabe von 1972 zeigt in
der "Foreign Section" ein Bild einer Gruppe mit mir sowie namentliche
Zuordnung; zumindest in diesen Zeiten gilt es meine reale Existenz zu
bestaunen. War ich ein Trend-Setter oder gar ein mit präkognitativer
Vision Begabter? In nahezu gleicher Art gekleidet wie heuer die oben
erwähnten The Wilders bin ich da zu sehen; ach ja, ebenso treten
mittlerweile diverse US-Bluegrassgruppen auf der Bühne an.
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Helmuth Schumacher
EDV-Qualitätssicherung / -Revision
IT-Methoden / -Testmanagement
Köln / Deutschland
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