Eine lauschige Bluegrass-Nacht
Night Run
untermauerte ihren guten Ruf am Samstag beim Museumsfest in
Renchen
Einen entspannten Abend bescherte die Bluegrass-Band Night Run
den Besuchern am Samstag beim Museumsfest in Renchen. Der Platz
vor dem Museum erwies sich als ideal für die Präsentation dieser
Musik.
Von: Michael Müller
|
Renchen. Ein
lauschiger Sommerabend, ein hübsch illuminierter
Museumsvorplatz, freier Eintritt, entspannte Besucher und dazu
akustische Country-Klänge – es passte alles zusammen beim
Auftritt der Bluegrass-Band Night Run am Samstag beim
Museumsfest in Renchen. Ein wenig »gute alte Zeit«-Nostalgie lag
über dem Platz: So ähnlich muss es gewesen sein, als sich in den
30er und 40er Jahren, als es noch kein Fernsehen gab, in den USA
die Farmer der Umgegend abends nach getaner Arbeit zum zünftigen
Beisammensein trafen und sich von einer Live-Band unterhalten
ließen.
Lockerer Rahmen
Das ist der Rahmen, in der die mit scheinbarer Leichtigkeit aus
dem Handgelenk geschüttelte Bluegrass-Musik eigentlich zu Hause
ist. Und bei allen Verdiensten, die sich das Bühler
Bluegrass-Festival inzwischen erworben hat in dem Bemühen,
Bluegrass als ernst zu nehmende Kunstform zu präsentieren – die
Atmosphäre im dortigen Bürgerhaus hat immer auch etwas Steifes,
was dieser Musik eigentlich gar nicht eigen ist.
Auch Night Run haben bereits beim wohl inzwischen
renommiertesten Bluegrass-Festival Deutschlands ihre
Visitenkarte abgegeben – und wenn man weiß, welchen Wert die
Festival-Macher auf Qualität legen, dann dürfen sie sich das
durchaus als Ehre anrechnen. Denn dass sie was können, zeigte
sich auch am Samstag in Renchen erneut.
Die Band besteht zwar erst seit 1998, aber ihre Mitglieder sind
allesamt erfahrene Genre-Veteranen. Und so können sie es sich
auch leisten, mit einem »Aushilfs-Bassisten« zu kommen: Da
Wolfgang Striebinger wegen eines kaputten Knies im wahrsten
Wortsinne nicht »auftreten« konnte – einen Kontrabass kann man
bekanntlich nun mal nicht im Sitzen zupfen – musste Thomas
Kärner einspringen. In dieser Besetzung hatten die Musiker noch
nie zuvor geprobt – und doch schien es, als sei Kärner schon
immer dabei gewesen. Er schaltete sich sogar das eine oder
andere mal in die straffen Gesangsharmonien ein – Chapeau!
Night Run verschmelzen Genre-Klassiker, neuere Songs und auf
Bluegrass gebürstetes genre-fremdes Material wie den Monkees-Hit
»I’m a Believer« zu einem schnurrigen Repertoire. Vielleicht
fehlen die ganz spektakulären Momente, doch »Little Mountain
Girl«, ein ruhiges Liebeslied zum sich-fallen-Lassen, das
rasante »Paint This Town« oder die düstere Moritat »The Long
Black Veil« sind aller Ehren wert.
Ohne zu dozieren
Doch bei aller Konzentration im Spiel trafen sie stets den Ton,
der dem entspannten Ambiente angemessen war: Sie dozierten und
belehrten nicht, sondern streuten auch mal das eine oder andere
Witzchen ein – und doch waren sie immer mit dem nötigen Respekt
und Ernsthaftigkeit bei der Sache.
Ein Abend, der rundum Spaß machte. |
|