Joe Gibson (26.06.1928 – 10.12.2010) … Gründer des Soundwaves Label …

verstarb am 10. Dezember 2010 an den Folgen eines dritten Schlaganfalls. Er wurde überlebt von seinem schwerkranken Sohn Noel Gibson. Seine Frau und sein zweiter Sohn Dave verstarben schon früher. Joe wurde am 26.06.1928 in Ovett, Mississippi (etwa in der Mitte zwischen Biloxi und Meridian) – in der Heimat Jimmie Rodgers – geboren. Seine Eltern zogen während seiner Kindheit und Jugendzeit häufiger um. Erst ging es nach Georgia und danach nach Alabama. Dort war die Familie Gibson in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Familie Williams im Mt.Olive, Alabama wohnhaft, aus der später der weltberühmte Hank Williams Sr. stammte. Ja, Joe Gibson und Hank Williams Sr. waren mehrere Jahre lang Spielkameraden.
Nach Beendigung der Highschool – und nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wurde Joe Musiker und spielte bei verschiedenen Gruppierungen. So war er zuletzt bis etwa 1972 Mitglied in der Band von Curly Williams.

In einem Interview erzählte Joe:
‘Später arbeitete ich mit den Georgia Peach Pickers mit denen war ich länger zusammen, als mit sonst einer Band. Curley, der Chef der Band hatte Tuberkulose und er hatte einen Nachtklub in Montgomery,AL.. Wir fuhren also dort hin und ich spielte mit der Band, während Curley im Krankenhaus lag – so konnte er den Laden am ‘Laufen‘ halten‘.
Zu der Zeit hatte Joe begonnen, selber zu schreiben und war daran sehr interessiert.
Schon früher aber hatte er sich nach einer anderen Gelegenheit Geld zu verdienen, umgesehen und gegen Ende der 60iger Jahre bekam er bei Slim Williamson´s  Platten-Label Chart Records  den Posten eines Promotion- und Katalog – Salesdirektor – gleichzeitig aber arbeitete er auch noch als Songwriter für Chart.
‘Slim Williamson war der Erste, der mir eine reelle Chance mit meinen Songs bot. Ein gemeinsamer Bekannter, Bill Goodwin stellte uns einander vor – er war bei mir vorbei gekommen und fragte mich, ob ich an einem Kontakt interessiert sei. Ich fing also bei ihm als Songwriter an und bald schon war ich gewissermaßen ‘Mädchen für Alles‘, machte also Alles, was auch nur irgendwie mit Countrymusik zu tun hatte‘, so Joe.
‘Also – Slim hatte die Kompanie gegründet und hatte eine Hitsingle mit Jim Nesbitt, noch bevor ich nach Nashville kam. Ich holte also meine Familie nach, bevor er seine Familie kommen ließ. Ich arbeitete Nachts für ihn, denn er war nicht in der Lage, mich zu bezahlen, so, daß ich mir einen Tagesjob suchen mußte, von dem ich leben konnte. Als es dann soweit war, daß er genug Geld verdiente, arbeitete ich nur noch für ihn.
Es war im Sommer 1965, als ich dort bei ihm im Büro anfing, er hatte ein Büro im RCA Building (806 17th Ave So.) gemietet, lebte aber selber noch mit seiner Familie in Louisville, GA.. Später nahm er ein Büro im Hubert Long Building (806 16th Ave So.)‘.

Das dauerte aber nicht lange, aus - heute (den Lesern) vermutlich nicht mehr interessierenden Gründen - verkaufte Williamson sein Chart  Label, kaufte es zunächst wieder zurück und verkaufte es wieder und dieser Aufkäufer ‘stampfte‘ das Label dann ein.
Daraufhin gründete Joe Gibson im Jahr 1972 zusammen mit George Cooper III das NSD (Nationwide Sound Distributors, Inc.) in Nashville. Das Unternehmen vertrieb extrem erfolgreich zahlreiche Indie-Label. Einige Jahre später, Mitte der 70iger, gründete Joe dann zusätzlich sein eigenes Soundwaves Label. Auf diesem Label veröffentlichte er die Aufnahmen von unzähligen Künstlern, darunter McReynolds Brothers - Jim & Jesse (mit Charlie Louvin), Maury Finney, Bud Brewer, Kit Meador, Bill Phillips, Linda Cassady, Dr. Elmo Shropshire (von dem ‘homestead act‘ = Elmo & Patsy), Sherwin Linton, Larry Dalton, George Kent, Billy Parker,  King Edward "Smitty" Smith IV, Narvel Felts und viele Andere.
‘Die räumliche Nähe zu RCA brachte es mit sich, daß sie unsere Künstler auch sehen und hören konnten. Wir hatten damals gerade eine junge Dame unter Vertrag genommen – Lynn Anderson – bereits ihre erste Single verkaufte sich gut und nachdem auch die folgenden zwei Aufnahmen den gleichen Erfolgsweg beschritten, wollte RCA unbedingt Lynn für sich gewinnen. Aber sie hatte einen Vertrag mit uns und Slim stellte sich zunächst taub‘.
Später, nachdem sie mit ‘If I Kiss You Will You Go Away’ bis auf Nr. 3 der Charts gekommen war, mußte Slim sie notgedrungen RCA überlassen. Der Grund war ganz trivial – er konnte sie nicht mehr bezahlen.
Nachdem aber Narvel Felts mit seinem Song ‘Drift Away‘ einen schönen Erfolg hatte – und die Einnahmen gesichert waren - ging das Alles irgendwie leichter.
Zeitweise hatte Joe in den frühen 70ern mehrere Indie-Label im Vertrieb, z.B.: Cinnamon Records, Shannon Records (das Mary Reeves gehörte), ein Label, das sich Commercial Recods nannte, dazu Soundwaves (gehörte seinem 2. Sohn), Scorpion (bevor es von GRT übernommen wurde) und noch Einige mehr.
Soviel zu Chart Records, das Joe Gibson Anfang der 70er Jahre verließ, um sich die nächsten 20 Jahre um seine eigene Firma Nationwide
Sound Distributors, Inc. und um Soundvawes Records   zu kümmern. Inoffiziell schloß er seine Firmen bereits im Jahr 1993, offiziell war es 1994. Seine Frau war an Krebs erkrankt und er wollte mehr Zeit mit ihr verbringen und dann waren ja auch noch die Söhne da.
Seine Frau Betty aber sollte von da an nicht mehr lange leben.

Die Söhne Dave und Noel Gibson betrieben zusammen den Dixieracks-Plattengroßhandel in Nashville, über den z.B. ein großes deutsches Schallplatten-Handelsunternehmen den Löwenanteil der U.S.-Ware bezog. Die Firma Dixieracks gibt es heute nicht mehr, denn Dave Gibson verstarb und sein Bruder Noel ist bereits seit Jahren sehr krank!
Noel Gibson hat gerade einen halbjährigen Aufenthalt in einer Spezialanorexieklinik in Arizona hinter sich gebracht. Er leidet unheilbar an Magersucht (Anorexia Nervosa) – wie lange er noch am Leben bleiben wird, ist gewissermaßen absehbar.
Soviel zu Joe Gibson und seinen Unternehmungen.
>>> Hiermit möchte ich meinem guten Freund Edi Mönch, Santa Fé, USA recht herzlich danken, der mir einen Großteil der Informationen zu diesem Artikel, die er in einem persönlichem Telefongespräch mit Noel Gibson erfahren hat, zukommen ließ.<<<
Dieter Mühlena

 
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