| Mr. ‚Yakety Sax’ BOOTS RANDOLPH 03.
Juni 1927 - 03. Juli 2007
Er
war der wohl berühmteste Saxophonist in der Country-Music Szene -
Boots Randolph - der mit seinem 1963 eingespielten Instrumental-Hit
‚Yakety Sax’ ‚unsterblich’ wurde - erlag am Dienstag, den
3. Juli - einen Monat nach seinem 80. Geburtstag - nach kurzem
Krankenhausaufenthalt einem subduralem Hämatom, einer Blutansammlung im
Gehirn, die sich nach einem Gehirnschlag am 27. Juni sich gebildet
hatte.
Geboren wurde er als Homer Louis Randolph III am 3. Juni 1927 in
Paducah, Ky. und wuchs in Cadiz, Ky. auf. Da er die gleichen Vornamen
wie sein Vater hatte, erhielt er von der Familie - aus welchen Gründen
auch immer - den ‚Spitznamen’ Boots. Bereits im Alter von 16
Jahren begann er mit dem Saxophon-Spiel.
Später, in den 60iger Jahren, war er bereits ein prominenter
Studiomusiker in Nashville und war einer der Begründer des sogenannten
‚Nashville Sounds’. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere hatte er oftmals
mehr als 250 - 300 Aufnahmesessions pro Jahr. Die meisten der Aufnahmen
entstanden in Zusammenarbeit mit Chet Atkins - aber er war auch
als Studiomusiker auf bekannten Aufnahmen von Elvis, Brenda Lee, Roy
Orbison usw. zu hören.
Nach seinem Einzug zum Militär und der absolvierten Grundausbildung
wurde er zur U.S. Army Band versetzt und spielte dort bis zu seiner
Entlassung im Jahr 1946. Es folgten dann Auftritte mit lokalen Bands in
Illinois und Indiana, wo er dann durch Zufall von dem Mandolinisten
Jethro Burns vom Duo Homer & Jethro entdeckt wurde, der ihn
an Chet Atkins empfahl, der damals Präsident der ‚RCA Records´
Country Division’ war. Atkins erkannte sofort das Talent des
jungen Musikers und so zog Boots Randolph nach Nashville, wo er
dank der Zusammenarbeit mit Chet sofort Arbeit im Music-Buizz
fand.
Zusätzlich zu den Sessions, die Boots für diverse RCA -Künstler,
die von Atkins produziert wurden, arbeitete er auch eng mit dem
Produzenten Owen Bradley, der für Decca Records arbeitete,
zusammen. Eine 1958 stattgefundene Aufnahmesession mit
Brenda Lee war der Beginn einer über 30 Jahre andauernden
Zusammenarbeit auf ihren Alben. So war er bei den Meisten Songs, die
Brenda im Laufe ihrer Karriere aufgenommen hat, mit dabei, wie z.B.
bei ‚I´m Sorry’ oder aber auch ‚Rockin´ Around The
Christmas Tree’.
Boots war aber auch der erste Saxophonist, der auf Elvis
Aufnahmen zu hören war. Nachdem er 1960 bei dem Song ‚Reconsider
Baby’ mitgespielt hatte, spielte er im Laufe der Jahre bei den
Soundtracks von insgesamt acht Elvis-Filmen mit. Aber auch mit anderen
Künstlern, wie z.B. Buddy Holly, Johnny Cash, Alabama, dem
Klarinettisten Pete Fountain oder den Trompetern Al Hirt
und Doc Severinsen war er zu hören. Sein Saxophone erklang aber
auch bei Roy Orbison´s ‚Pretty Woman’ und Jahre später,
1972 bei REO Speedwagons Cover-Version von Chuck Berry´s
‚Little Queenie’.
Seine Originalversion von ‚Yakety Sax’ kam
ursprünglich bei RCA heraus, wurde dann später von ‚Monument Records’
wieder veröffentlicht um dann erst ein Hit zu werden. Zwar kam er nicht
in die Country-Charts, dafür aber in die Pop-Charts, wenn auch nur auf
Platz 35, der Song wurde aber trotzdem zu einem der größten
Instrumental-Hits, die jemals in Nashville aufgenommen wurden.
Geschrieben hatte er den Song in Zusammenarbeit mit dem Gitarristen
James ‚Spider’ Rich.
Randolph sagte später einmal, ‚dieser Song holte mich aus
den Hügeln von Kentucky heraus und versetzte mich in die Hügel von
Tennessee!’
Zwei Jahre später, also 1965, kam Chet Atkins noch einmal auf die
Melodie zurück und nahm den Song in einer Gitarrenversion mit dem Namen
‚Yakety Axe’ neu auf und erreichte damit in den Charts den
4. Platz.
Als Solo-Artist nahm Boots Randolph mehr als 40 Alben auf, inkl.
der erst vor Kurzem wiederveröffentlichten Kollektion von Standards
‚A Whole New Ballgame’.
Während der 60er und 70er Jahre war er zusammen über 15 Jahre mit
Atkins und dem Pianisten Floyd Cramer auf Tourneen. Danach
wurde er Mitglied in der sogenannten ‚Million Dollar Band’, in
der außer ihm Atkins, Cramer, Burns, Danny Davis, Roy Clark, Johnny
Gimble und Charlie McCoy spielten.
Auch bei nationalen TV-Shows war er ein gern gesehener Gast, so war er
des Öfteren bei Shows, wie z.B. The Ed Sullivan Show, Kraft Music
Hall, The Tonight Show With Johnny Carson und anderen Variete~
und Talkshows moderiert von Merv Griffin, Mike Douglas und
Joey Bishop zu sehen.
Im Jahr 1977 eröffnete Boots Randolph in der Printer´s Alley in
Nashville seinen eigenen Nightclub, den er aber 1994 wieder schloß.
Danach hatte er zusammen mit Danny Davis auf dem Music Valley
Drive einen weiteren Nightclub, der aber auch 1997 wieder geschlossen
wurde.
Trotz seines hohen Alters war Boots aber immer noch aktiv, so
waren auch für dieses Jahr noch diverse Auftritte vorgesehen, so u. A.
ein zweitägiges Gastspiel im Iridium, einem New Yorker Jazzclub,
das im Oktober statt finden sollte.
Mit Boots Randolph verliert die Country Szene wieder einen der
großen alten Country-Interpreten und er hinterlässt eine schmerzliche
Lücke.
Zurück bleiben seine Ehefrau Dee Randolph, sein Sohn Randy
und seine Tochter Linda O´Neal, sowie eine trauernde Gemeinde von
Fans.
Dieter Mühlena
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