Dale Ann Bradley – Don’t Turn Your Back – Compass Records 4511

Don’t Turn Your Back / Rusty Old Halo / Over My Head / Heaven / Anybody Else’s Heart / Ghost Bound Train / Will I Be Good Enough / I Won’t Back Down / He’s The Last Thing On My Mind / 50 Miles Of Elbow Room / Blue Eyed Boy / Music City Queen

Ehemals bei den New Coon Creek Girls, hat sich Dale Ann Bradley inzwischen komplett als Top-Solistin freigeschwommen. 2007 und 2008 erhielt sie jeweils von der IBMA (International Bluegrass Music Association) den Award als beste Bluegrass Sängerin des Jahres und von so viel Rückenwind gestärkt legt sie nun mit „Don’t Turn Your Back" ihre neue CD vor, produziert von Alison Brown, die auf der CD auch das Banjo bedient. Dale Ann Bradley fühlt sich offensichtlich und offen hörbar pudelwohl in ihrer Rolle als beliebteste Sängerin ihres Genres und vermittelt diese Selbstsicherheit auch in ihrer Musik. Hier geht nichts übereilt von statten, vielmehr kostet sie komfortabel jedes Lied bis in die äußersten Feinheiten aus, ganz ungezwungen. Mike Bub am Bass, Stuart Duncan an der Fiddle, nur die besten Musiker treten in Aktion.

Aus der Feder von Louisa Branscomb stammt der Titelsong, sie ist seit Jahrzehnten eine der Top-Autorinnen des Bluegrass. Mit einem gewissen Augenzwinkern kommt „Rusty Old Halo" daher, Hoyt Axton hatte die Bob-Merrill-Komposition bereits vor vielen Jahren bekannt gemacht. „Heaven" ist ein Duett mit Jamie Dailey, dem aktuell besten Sänger des Bluegrass, der auch Gitarre beisteuert. Man muss nicht weiter kommentieren, wenn die beiden überragenden Stimmen ein Gospel-Duett singen. Aus dem Fame Studio in Muscle Shoals, Alabama kommt „Anybody Else’s Heart But Mine", denn Walt Aldridge zeichnet bei diesem melodiösen Stück als Autor. Die Mandoline von Tim Laughlin verleiht der Aufnahme eine gewisse seriöse Note, schließlich ist es im Kern ein trauriges Lied.

Etwas Geschwindigkeit nimmt der „Ghost Bound Train" auf, Dale Ann Bradley hat die Nummer gemeinsam mit Louisa Branscomb geschrieben, eine offenbar äußerst fruchtbare Verbindung. Weil jemand sich nicht binden will, wird unter Mitnahme etlicher Erinnerungen die Flucht ins Nirgendwo angetreten. Zärtlich kommt „Will I Be Good Enough" herüber, Louisa Branscomb erneut als Autorin: Eltern fragen sich manchmal, ob sie es wohl gut machen würden, die Sache mit dem Großziehen der Kinder. Tom Petty’s „I Won’t Back Down" kennt man ja von Johnny Cash, Dale Ann Bradley hat natürlich einen komplett anderen Ansatz, erstaunlich schnell gespielt und gesungen. Aus dem Fundus von A.P. Carter kommt die Gospel-Nummer „Fifty Miles of Elbow Room" und „Music City Queen" hat sich bei Dale Ann Bradley entwickelt, seit sie nach Nashville gezogen war. Jetzt hat sie es mit Louisa Branscomb gemeinsam fertiggestellt.

Jedes einzelne Lied überzeugt und rechtfertigt den Erwerb dieser CD, in der Gesamtheit ein absolutes Muss für jede Bluegrass-Sammlung und eine enorme Bereicherung für alle Country- und Singer-Songwriter-Fans gleichermaßen. Dale Ann Bradley hat mit ihrer neuen Silberscheibe ein Werk geschaffen, das auch in Jahrzehnten keinen Vergleich scheuen muss. (Friedrich Hog)

 
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