Michelle Wright – Everything And More – SAV 8123-2
Moderne Country Music kann hart durchgepeitschter New Country im Sinne der Line Dancer sein, sie kann aber auch Herz und Seele haben und ansprechend klingen. Michelle Wright aus Morpeth, Ontario, Kanada hat schon rund zwei Millionen Alben verkauft und legt soeben mit ihrer neuen CD „Everything And More" eine erfreuliche Scheibe vor, die geschickt etliche Elemente von guter Country Music beinhaltet, dabei absolut up to date klingt und dennoch Effekte vermeidet, die man eher dem Rap zuordnen würde. Insgesamt überzeugt die Mittvierzigerin mit diesem Album, zumal ihre Stimme hohen Wiedererkennungswert besitzt. Zwei der 12 Lieder hat Michelle Wright auch selbst mitgeschrieben, alle Lieder haben eine Melodie, die verfangen kann, wie der Titelsong, dessen Fiddle von Anfang an Laune macht. Meist bewegt die sich im Mid-Tempo-Bereich, „I Don’t Wanna Be That Strong" ist aber eine schöne Ballade, die zu keinem Zeitpunkt überproduziert klingt. Das ist der Vorteil kanadischer Produktionen, sie sind unabhängig vom Nashville-Diktat, selbst wenn in Nashville Teile des Albums eingespielt werden, wie hier der Fall. Dan Dugmore ist daher teilweise an der Steel Guitar zu hören, Larry Franklin an der Fiddle. Ein Teil wurde im One Studio in Scarborough, Ontario aufgenommen. „In The Blink Of An Eye" hat Michelle Wright zusammen mit Patricia Conroy geschrieben, ihrer kanadischen Kollegin, die auch im Hintergrund mitsingt: Wie schnell innerhalb eines Augenblicks das Leben sich komplett verändern kann. Schön traditionell kommt „I’ve Forgotten You" daher, hier werden Landschaftsbilder Gefühlen zugeordnet, unter dem Strich hat sie ihr Leben nach dem Verlust eines wichtigen Partners neu eingerichtet und kann damit umgehen und wenn sie sich genügend in die eigene Tasche lügt, glaubt sie selbst daran, dass sie vergessen hat, wie es sich angefühlt hat, als er sie zärtlich gehalten und geküsst hat. Schön ruhig geht’s weiter bei „Love Me Anyway" und „Something Wild" hat die Geschichte zum Inhalt, dass man etwas freies und wildes, das in sich perfekt ist, nicht einfach so an die Leine nehmen kann, ohne dass es Schaden nimmt. „My Give A Damn’s Busted" aus der Feder von Joe Diffie schaffte es 2005 in der Version von Jo Dee Messina auf Platz 1 der amerikanischen Country Charts, Michelle Wright hat insoweit die etwas entspanntere Produktion zu bieten. Vielleicht hört man ja bei leisen Tönen mehr zu, als wenn man etwas mit voller Wucht um die Ohren geblasen bekommt. Erfreulich, dass die Texte im Booklet abgedruckt sind, besonders tief greift „Voodoo", ein neues Lied aus der Feder von George Ducas, das besonders gut für die kräftige Stimme von Michelle Wright geeignet ist. Wie ein Tattoo geht seine Ausstrahlung ihr unter die Haut. Die kühle Kanadierin auf einem Trip in den heißen Süden, wo sie (ihn wie) Voodoo auf sich einwirken lässt. Mit diesem Album gibt die Kanadierin ihren Fans wieder mal ein Lebenszeichen, ein erfreuliches obendrein. (Friedrich Hog) |
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