A Singer Named Mandy: Songbooks standen am Anfang

Mandy Strobel ist ein Ulmer Urgestein. Seit seinem kürzlichen Umzug innerhalb der Stadt, von seinem Geburtshaus in eine unlängst errichtete Eigentumswohnung, genießt er mit seiner Frau Elsy den ungestörten Blick vom Balkon über viele Kilometer hinweg ins Grüne. Im Herzen wohnt bei ihm die Freiheit, die ein noch größeres Land zu bieten hat, Amerika. Inzwischen mit einer 6 vor der Altersangabe gesegnet, schaut er zur Zeit auf sein Leben zurück und richtet durch seine künstlerische Arbeit den Blick nach vorn. Fast hat man den Eindruck, als sei er erst jetzt dort angekommen, wo er sich wünscht, dass er schon vor 20 oder 30 Jahren hätte sein sollen. Damals hat er die gängige Musik anderer Künstler gecovert und auf den Bühnen gesungen. Heute und in den letzten Jahren zeichnet ihn ein kreatives Schaffen aus, das noch lange nicht den Zenit erreicht zu haben scheint.

Nachdem er seine zweite und dritte CD mit Produzent Brent Moyer, den er bei einer Veranstaltung der Country & Western Friends Kötz im Pfleghofsaal Langenau im Jahr 2002 kennengelernt hat, jeweils mit diversen Studiomusikern gemeinsam in Nashville eingespielt hat, und CD Nummer vier großteils nur zur eigenen Gitarrenbegleitung im legendären Sun Studio in Memphis, Tennessee entstanden ist, geht er mit seinem jüngsten CD-Projekt gänzlich neue Wege. Das Projekt „From Then Till Now" umfasst fünf CD’s, von denen die erste am 18. September 2010 im Rahmen des Johnny Cash Memorial Days im Schützenhaus Leipheim (Autobahn A-8 zwischen Ulm und Augsburg) CD-Taufe feiert. Wenige Tage danach reist Mandy Strobel zu Brent Moyer nach Nashville, um in gleicher Weise wie die nun erscheinende CD an den vier Folgealben zu arbeiten. Die Musik entnimmt Mandy dem traditionellen Country, eingespielt von Brent Moyer und Mandy selbst, hinzu kommen für einige Lieder wechselnde Gesangspartner, Joe Sun ist insoweit schon mehrfach im Duett mit Mandy zu hören.

Angefangen hat die Arbeit zu diesem Projekt mit einigen Songbooks von Ron Davis, einem Amerikaner, der im Zuge des zweiten Weltkriegs als Soldat nach Deutschland gekommen war, sich hier in seine Emma verliebt hat, und bis heute geblieben ist. Ron und Mandy haben sich vor etlichen Jahren auf der Country Music Messe in Berlin getroffen, als sie noch im Fontanehaus stattgefunden hat. Dort im Fontanehaus begann die Zusammenarbeit von Mandy mit Ron, den Mandy gerne als väterlichen Freund bezeichnet. Mandy erkannte rasch, dass Ron mit verständlichen Worten Lebensgeschichten lebendig werden lassen kann. Diese Texte wachsen seither regelmäßig aus dem Frankenland, wo Ron „stationiert" ist, herüber ins Schwabenland, zu Mandy, der den Texten jeweils eine Melodie beigibt, z.T. selbst dort, wo schon eine andere vorhanden war. Hierdurch werden die Geschichten echte Mandy-Lieder. Auffallend ist dabei, dass es Texte gibt, die Ron schreibt, Mandy liest und sich fragt, wie dieser sich so gut in ihn hineinversetzen konnte, dass jedes Wort inhaltlich zutreffend ist. In Wahrheit sind die Texte aber nicht für oder um Mandy herum entstanden, sondern beschreiben die eigene Geschichte von Ron. Das nennt man Parallelen, Seelenverwandtschaft oder einfach Ron Davis & Mandy Strobel, das Markenzeichen, insbesondere beim Lied „From Then Till Now", das Ron für Emma schrieb und Mandy aus vollem Herzen für Elsy singen kann. „So ein Lied läuft dann vor meinem geistigen Auge ab, bis es fertig ist" meint Mandy, der dann die Zufriedenheit des angekommenen Künstlers ausstrahlt. „Befassen mit dem eigenen ich" nennt er dies. „Ich bin froh, dass ich hierauf gekommen bin, denn es befriedigt mich viel mehr, als das Singen von Coversongs", erläutert Mandy.

Die Songbooks liegen greifbar bereit, als Mandy sich an seinen diagonal im Wohnzimmer platzierten Tisch setzt und stöbert. Wenn ein Text durch Mandy seine Melodie gefunden hat, wird er zur eigenen Gitarre ausgetestet, bis ein fertiges Lied unverrückbar das Licht der Welt erblickt hat und reif für Brent Moyer ist. „Diesem gelingt die musikalische Umsetzung auf erstaunliche Weise", berichtet Mandy, „Brent weiß immer, welche Instrumente wo eingesetzt werden müssen und was wo nicht hingehört". So entstehen aus Texten, Liedern und zum Teil unfertigen Textideen von Ron Davis, versehen mit den Melodien von Mandy Strobel, nun endlich die Lieder, die Mandy Strobel wirklich repräsentieren. Dass Ron und Mandy viele Erlebnisse und Gefühle teilen, ist eine wertvolle Koinzidenz, die nun im Rahmen der geplanten fünf CD’s reichlich und hörenswert Früchte trägt. Ron Davis hat die nun erscheinende CD im Auto erstmals gehört, auf dem Weg zum 27. Kötzer Country Music Festival im Juni 2010, Emma und Ron haben dort übereinstimmend berichtet, dass die CD mehrfach lief und höchste Zustimmung bei ihnen fand, einschließlich der kleinen textlichen Änderungen, die Mandy von Zeit zu Zeit vorgenommen hat. Dabei ist die Sprache von Ron zum Teil sehr reichhaltig und inspirierend für Mandy, „Where Did All The Whittlers Go" zum Beispiel stellt auf alte Holzschnitzer ab, die man früher in den Gemeinden beim entsprechenden Zeitvertreib beobachten konnte. Mit ihnen ist auch der Begriff des „Whittlers" fast gänzlich aus dem Sprachgebrauch verschwunden.

Da Mandy Ron auch Erlebnisse erzählt, Ron gut zuhören kann und weiterschreibt, ist davon auszugehen, dass mit Album Nummer fünf in einigen Jahren zwar das Projekt „From Then Till Now" erfüllt ist, nicht aber die Kreativität von Ron Davis & Mandy Strobel erschöpft sein wird. Und wenn sie dann noch gesund sind, schreiben sie eine weitere CD und das Brent Moyer gehörende Studio in Nashville wird nicht arbeitslos. Eine Geschichte, die Mandy besonders geprägt hat in seiner Kindheit, war Weihnachten bei den amerikanischen Soldaten, die über das Jugendamt ledig geborene Ulmer und Neu-Ulmer Kinder eingeladen hatten, Weihnachten mit ihnen in der Neu-Ulmer Nelson-Kaserne zu feiern. Mandy war fünf Jahre alt, und wurde mit einem klapprigen Bus zuhause abgeholt und gemeinsam mit den anderen Kindern in die Kaserne gebracht. Dort im 1. Stock stand ein großer Weihnachtsbaum, bunt geschmückt und von Geschenken umgeben. Das war damals nach dem Ende der Hitlerei einmalig, und die lange Tafel mit den vielen Stühlen und der Schokolade, den Donuts, dem Kuchen und der Eiscreme hat den Weg in eine bessere Zukunft gewiesen. „Get Up Kids" hieß es dann, Santa Claus is in the house. Als Überraschung war er mit einem großen Helikopter gelandet und als er ihn verließ, wurden von den Soldaten Säcke mit weiteren Geschenken ausgeladen. Auch wenn der weiße Bart von Santa manchmal etwas rutschte, sein „ho ho ho" war echt und jedes Kind wurde aufgerufen und beschenkt. Für Mandy blieb in Erinnerung, wie die Soldaten die Kinder mochten und sich gekümmert haben, ausgerechnet die „bösen" Soldaten. Mandy’s Bericht von seiner schönsten Weihnachtsfeier, die mit Theater und Singen zu Ende ging, hat Ron Davis natürlich schon vernommen ...

Zusätzlich zur Musik arbeitet Mandy Strobel an einem Buch, das seine Lebensgeschichte enthalten wird. Dazu nimmt er bevorzugt auf seinem Balkon Platz, lässt die Blicke über die grünen Hügel streichen und beginnt zu schreiben. Selbst die „schlechte Zeit", die heute kaum noch thematisiert wird, hatte ihre schönen Augenblicke und glücklichen Momente, all das wird man in Buchform nachlesen können.

Übrigens, wenn am 20. September der Flieger gen Westen abhebt, sind Mandy, Elsy, Ron und Emma an Bord und falls in naher Zukunft ein Lied auftauchen sollte, das Bezug zu Colorado hat, war man wieder gemeinsam fündig und kreativ geworden. Dort tankt das Team erst mal auf, ehe die Studioarbeit in Nashville ihre Fortsetzung nimmt. Die CD’s von Mandy Strobel sind am Samstag, den 18. September im Schützenhaus Leipheim im Rahmen des Johnny Cash Memorial Days erhältlich, aber auch über das Internet bei www.mandystrobel.com  oder per E-mail an info@mandystrobel.com . Auf seiner Website hat Mandy auch seine ausführliche Biographie veröffentlicht. (Friedrich Hog)

 
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