Cash – Hank – Elvis: Johnny Cash Memorial Day 2008 Drei Mal Rockabilly im Schützenhaus Leipheim

Leipheim – hog Vor vollbesetztem Haus fand am Samstag, den 20. September der dritte Johnny Cash Memorial Day der Country & Western Friends Kötz statt. Der e.V. hatte anlässlich des fünften Todestages von Cash am 12. September drei Formationen eingeladen, die die Musik der Legende in unterschiedlichen Facetten interpretierten.

In einer Zeit, in der sich ein oberflächlicher Fun-Faktor und Partystimmung verbreitet haben, in Wahrheit sich die Menschen aber immer weniger verstehen, statt dessen sich gegenseitig mehr und mehr enttäuschen, mit der Folge von Burn-Out-Syndromen und dem Gefühl kompletter Überforderung, setzte Johnny Cash, der Sache auf den Grund gehend, einen wirksamen Gegenpol. Der „Man In Black" hat die Strukturen analysiert, erkannt und hieraus schöpferisch gestaltet, was eines der engagiertesten und beachtlichsten Gesamtwerke der Musikgeschichte zum Ergebnis hatte. Immer im Clinch mit dem Establishment von Nashville hat er eine Weltkarriere aufgebaut, auf der Basis seiner erdigen und entlarvenden Lieder. Der Tod hatte ihn am 12. September 2003 in einer seit 10 Jahren andauernden schöpferischen Glanzzeit ereilt.

In den dritten Johnny Cash Memorial Day gestartet ist das Stefan Schmid Trio aus Bad Saulgau, das erst seit vier Monaten aktiv ist. Elektrische und akustische Gitarre, Kontrabass und die Stimme von Stefan Schmid führten zu frenetischem Beifall. „Big River", „Cry Cry Cry", „Rock And Roll Ruby", „Get Rhythm", „Folsom Prison Blues", das Gospel „I Was Here When It Happened" oder Roy Orbison’s „Go Go Go" und Little Richard‘s „Long Tall Sally" hatten instruktiv gezeigt, wie Mitte der 50-er Jahre im Sun Studio in Memphis, Tennessee der Rock’n’Roll aus dem weißem Hillbilly via Rockabilly und dem farbigen Rhythm’n’Blues geboren wurde.

Blue Moon aus der Gegend gelten als heißeste Rockabilly Band im Süden und sie legten los mit Titeln von Johnny Cash (Folsom Prison Blues), Elvis Presley (That’s All Right, Blue Moon Of Kentucky, Stuck On You, Mystery Train) und Hank Williams (Your Cheating Heart, You Win Again, Hey Good Looking). Der „Cherokee Boogie" oder „Crazy Arms" waren in die dynamische Performance, ebenfalls in der klassischen Rockabilly-Besetzung, aus anderen Richtungen eingestreut.

Mit Texas Heat stand das einzige Quartett auf der Bühne, Schlagzeug war hinzugetreten, ein elektrischer Bass trat an die Stelle des akustischen Kontrabass. Die Formation um Bernd Wolf spannte den Bogen von Cash’s erster Aufnahme bei Sun Records (1954), „Wide Open Road" bis zu den American Recordings unter Produzent Rick Rubin wie „Rusty Cage", „The Man Comes Around" oder „God’s Gonna Cut You Down". Die Stimme von Bernd Wolf nähert sich der Stimme von Cash an, sein Spiel auf der Telecaster ähnelt dem von Luther Perkins, der 1968 unmittelbar vor den Aufnahmen zum St. Quentin-Album bei einem Brand ums Leben kam , integriert aber auch dessen Nachfolger Bob Wooten, mit dem Bernd Wolf längst persönlich bekannt ist. Natürlich fehlten nicht die Klassiker wie „Ring of Fire" oder Kris Kristofferson’s „Sunday Morning Coming Down", wo Cash ohne Einschränkung die Zeile übernahm, in der er sich wünscht, „high" zu sein, um die beißende Einsamkeit eines Sonntags überwinden zu können. Die Sun-Single 221, die Bernd in „Old Black Record" besang, kam natürlich ebenfalls zum Einsatz, A-Seite „Cry Cry Cry" und B-Seite „Hey Porter".

Bettina Bührer alias Tina Clark betrat die Bühne für einige Duette, die Cash mit June Carter eingespielt hatte wie „Jackson" oder das erste gemeinsam aufgenommene Duett „It Ain’t Me Babe" aus der Feder von Bob Dylan. Nicht ohne Ironie trugen Bernd und Tina „Long-Legged Guitar Pickin‘ Man" aus der Feder des inzwischen 80-jährigen Marshall Grant vor, 1954 bis 1980 Bassist von Johnny Cash. Als intensiver Kenner von Johnny Cash verriet Bernd Wolf auch Details, die man nicht überall erfahren kann, z.B., dass Johnny Cash „Get Rhythm" für Elvis Presley geschrieben hatte, das Sun-Records-Chef Sam Phillips diesem aber nicht mehr zur Aufnahme vorgelegt hat, da Elvis in diesem Augenblick zu RCA gewechselt war. Die Nummer war sodann die B-Seite der Sun Single 241, „I Walk The Line", sechs Wochen Platz 1 für Johnny Cash.

Luther Perkins erhielt seine Würdigung bei „Luther Played The Boogie Woogie" und bei Guy Clark’s „Let Him Roll" hatte Bernd Wolf auf die akustische Gitarre gewechselt. Eines der schönsten Cash-Stücke „I Still Miss Someone" und „A Thing Called Love" das Johnny Cash vom unlängst verstorbenen Jerry Reed adaptiert hatte, hoben sich Texas Heat auf den Schluss auf. Die Zugaben kam aus der neuen Maxi-CD von Texas Heat, u.a. „Long Gone Tomorrow" und „Piece Of Wood", gemeint ist die Telecaster von Bernd Wolf, die von Bob Wooten gespielt einmal mit Johnny Cash auf der Bühne war. Am 18. Oktober sind Texas Heat übrigens im „Four Corners" in Untermeitingen bei Augsburg zu erleben.

Blue Moon spielten am Schluss der Veranstaltung heißen Rock’n’Roll wie „Blue Suede Shoes" von Carl Perkins, „Whole Lotta Shakin‘" von Jerry Lee Lewis oder „Good Rockin‘ Tonight" von Elvis. Damit ging eine überaus gelungene Veranstaltung der Country & Western Friends Kötz zu Ende, die am Samstag, den 11. Oktober um 20 Uhr das Rod MacDonald Trio aus der Greenwich Village Folk Scene in der Sportgaststätte Großkötz erwarten. (Friedrich Hog)



 
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