| Fortentwicklung des Bühler Bluegrass
Festivals
Los ging’s pünktlich um 10.30 Uhr auf dem Johannesplatz in der Bühler
Fußgängerzone bei strahlender Sonne und angenehmer Wärme. Was unter dem
Motto „Bühl macht blau" angekündigt war, wurde mit Don Rigsby &
Midnight Call aus Kentucky in Szene gesetzt und vom zahlreich
erschienenen Publikum äußerst positiv aufgenommen. Vor dem Rathaus
erlebte gegen 12 Uhr die finnisch-norwegische Instrumentalgruppe
Frigg ebenfalls sehr guten Zuschauerzuspruch.
Die
siebenköpfige finnisch-norwegische Formation Frigg, gegründet im
Jahr 2000, setzte mit einem
Ohne größere Umbaupause folgten aus dem Bluegrass-State Kentucky
Don Rigsby & Midnight Call. Die Formation ist in der vorliegenden
Besetzung noch jung, Mandolinist Don Rigsby mit seinen 40 Jahren und
einer einschlägigen Bluegrass-Vergangenheit u.a. bei der Lonesome River
Band eher schon der etablierten
vierten Bluegrass-Generation zuzuordnen. Der Cousin des Superstars Ricky
Skaggs, dessen
Im Gegensatz zum traditionellen Bluegrass eines Don Rigsby bevorzugen The Infamous Stringdusters aus Nashville einen selbst kreierten, experimentellen und expressiven Bluegrass. Keiner der sechs Bandmitglieder ist über 30, hier ist Fortentwicklung der Musik und der eigenen Ansätze selbstverständlich und auch unerlässlich, fünfte Generation innerhalb der Entwicklung der Bluegrass Musik. Mit höchster Virtuosität bewegte sich das Sextett durch die Musik, die einzelnen Abläufe und Einsätze der Musiker waren teilweise Improvisation in Vollendung. Die Musiker mit jeweils noch frischem Universitätsabschluss boten mit akustischer Gitarre, Mandoline, Banjo, Kontrabass, Fiddle und Dobro das komplette gängige Repertoire einer Bluegrass Band. Mit dem IBMA-Song des Jahres 2007, der gleichzeitig der Titelsong der von ihnen herausgegebenen CD des Jahres ist, „Fork In The Road" aus der Feder von Chris Jones und John Pennell, begann die Band auf denkbar höchstem Niveau, das später auch nicht mehr verlassen wurde. Die scheinbare Leichtigkeit, auch beim mehrstimmigen Satzgesang, mit der die Band die Musik darzubieten versteht, ist musikalischer Genialität zuzuordnen, hinzu kommt, dass immer Leben und Bewegung auf der Bühne spürbar sind. Das brachte auch in Bühl rasch den Funken zum Überspringen. Die Kraft der Musik erlaubt auch filigrane Stücke, ohne dass ein Einbruch entstünde, z.B. „I Won’t Be Coming Back", das man auf der im Juni erscheinenden zweiten CD der Infamous Stringdusters wiederhören kann. Herrliche Improvisation erlebte das Publikum von Jesse Cobb auf der Mandoline und Travis Book am Kontrabass beim „Deep Elm Blues", Deep Elm, das Vergnügungsviertel außerhalb der texanischen Metropole Dallas. Nach einer Unterbrechung von gut einer Stunde, die man zum Abendessen in der Sonne nutzen konnte, zum Stöbern im gut sortierten CD-Stand von Hillbillie Guesthouse oder zum Bewundern der Jam Session, verkündete Organisator Walter Fuchs die Ausdehnung des Bühler Bluegrass Festivals 2009 auf zweit Tage. Am Abend des 01. Mai spielen zwei Formationen, am Samstag, den 02. Mai gibt’s die gewohnten vier Formationen. Damit sind sechs unterschiedliche Bands am Start, was den Besuch beider Tage sicherlich lohnenswert macht, insbesondere, wenn sich die Veranstalter ein attraktives Zweitagesticket einfallen lassen. Mit großem Engagement und hoher Publikumsbeteiligung setzten Main
Spring mit dem ersten Set des um 19 Uhr gestarteten Abendprogramms
fort. Nach dem „Black
Mountain Rag" folgte eine Überversion von Glenn Miller’s in The Mood,
Mark Stoffel und Ingo
Frigg konnten erneut Begeisterungsstürme erntet mit ihren
Instrumentals, teils sogar mit fünf Fiddles gleichzeitig gespielt, ein
Dudelsack mischte sich ebenfalls ins instrumentelle Aufgebot. Der
Dudelsack war in Finnland lange Zeit bekannt, ist aber seit vielen
Jahrzehnten so gut wie ausgestorben. Frigg verstanden es, die
musikalischen Traditionen und Wurzeln erfrischend darzubieten und die
Stimmung auf dem Höhepunkt zu halten. Don Rigsby & Midnight Call
taten sich nach dreißigminütiger Pause mit dem bekannten Problem des
wummernden und eintönigen E-Bass insoweit etwas schwer, zumal die
Musiker keinerlei Kontakt zum Publikum suchten. Die gelegentlichen
kurzen Ansagen von Don Rigsby konnten dies nicht vollständig
ausgleichen. Die herrlichen Lieder wie „Red Bird" oder „Daddy Was A
Moonshine Man", die zu den schönsten der Veranstaltung gehörten, gingen
hierdurch etwas unter. Erst mit Bill Monroe’s „Kentucky Waltz" und dem
schnellen „Goin‘ Back To Old Kentucky" als Zugabe konnte Don Rigsby die
Stimmung wieder dem
Neben dem großen Saal waren abends auch Empore und zusätzlich geöffneter kleiner Saal weitgehend besetzt, so dass gegenüber dem Vorjahr eine erneute Steigerung der Besucherzahl zu verzeichnen war. Den vollen Raum genossen die Infamous Stringdusters beim abschließenden Set des Abends in vollen Zügen. Neben ihren virtuosen Nummern, in denen sich die Formation zum Teil in zwei parallel spielende Trios verwandelt hat, gab’s auch Raum für die leisen Töne wie bei „Poor Boy’s Delight", wo ein armer Junge sich einen Tanz mit Molly wünscht. Don Rigsby und die anderen Musiker des Festivals gesellten sich sukzessive hinzu zum Finale, „Salty Dog Blues" und „How Mountain Girls Can Love" erklangen bis kurz vor Mitternacht, bekannte Klassiker des Bluegrass. Mit diesen vier so unterschiedlichen Bands und der Ankündigung, 2009 zwei Tage Bühler Bluegrass Festival zu präsentieren, hat sich die Veranstaltung sicherlich einmal mehr weiterentwickelt. Die Bands für 2009 sind praktisch schon gebucht, Randy Waller & The Country Gentlemen (USA) darf man schon als definitiv fix betrachten. Auch ist zu erwarten, dass andere Städte dem positiven Beispiel der Stadt Bühl folgen werden, künftig Bluegrass-Veranstaltungen mit mehreren hochklassigen Band aus den USA ins Leben zu rufen. Die Musik überzeugt, spricht für sich, es gilt allerorts lediglich, den Trend der Zeit zu erkennen und entsprechend abzufahren. Get On Board. (Friedrich Hog) ![]() ![]() ![]() |
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