| „20. Country
Rendez-Vous Festival" in Craponne sur Arzone: riesiges
Country/Americana-Festival Ende Juli in Frankreich
Von
Freitag, 27. bis Sonntag, 29. Juli 2007 erlebte Frankreich ein weiteres
Country & Americana-Festival der Superlative, mit europaweiter
Bedeutung. Fünf Formationen pro Tag brachten die Gemeinde in den
französischen Alpen, südwestlich von Lyon gelegen, in Schwung. Am
Freitag begann das Open-Air-Festival um 19 Uhr mit dem 40-jährigen
Country & Rockabilly Sänger Eddy Ray Cooper aus Frankreich. Das
Wetter war stets auf Sonne eingestellt und richtig kalt ist es auch in
der Dunkelheit nicht geworden. Das Festivalgelände ist so groß wie
mehrere aneinandergereihte Fußballplätze, leicht abschüssig, unten ist
die Bühne. Die Zuschauer haben in der Regel Camping-Stühle dabei, jede
Menge Stände sorgen für beste kulinarische Versorgung und auch
Utensilien jeglicher Art kann man erwerben, auch wenn die Welt nicht
alle davon benötigt. Vorbildlich ist die Organisation, so dass ein
entspanntes Festival mit erstaunlich gutem Musikgenuss garantiert ist.
Eddy Ray Cooper überzeugte mit seiner guten dunklen Stimme und Songs von
Johnny Cash (Dog Gone Lonesome, Get Rhythm, Big River, Luther Played The
Boogie Woogie).
The Lucky Tomblin Band (USA) ist eine All-Star-Band aus Texas,
die ein erstes absolutes Highlight bot. Der Songschreiber Lucky
Tomblin ist der Leadsänger, er hielt sich aber dezent im Hintergrund
angesichts
genialer Musiker wie Redd Volkaert (eine von zwei elektrischen
Gitarren) und Earl Poole Ball hinter dem Piano, die beide auch
sangen, ebenso wie Sarah Brown (This Cold, Cold War With You). Mit ihrem
feinen Texas Swing und Honky Tonk („Honky Tonk Song") heizte die
Formation richtig ein, das macht Spaß und ist auf deutschen Bühnen so
gar nicht auf die Beine zu stellen. Etwas hölzern dagegen wirkte
Trent Willmon (USA), ein texanischer Cowboy, der bereits die
Billboard Top 40 erreicht hat. Auch wenn Don Williams sein Vorbild ist,
so erreicht er dessen Charisma nicht und bleibt im Verhältnis zu den
anderen Künstlern des Abends ein wenig auf der Strecke. Ganz anders
Stoney Larue aus Taft, Texas. Er wirkt wie der junge Travis Tritt
und hat Energie für zwei. Das setzt sich sofort im Publikum fest, das
den jungen Sänger feiert. Besonders Laune machten Merle Haggard’s „Ramblin‘
Fever" und „Forever Young" gegen Ende seines Auftritts, der eine echte
Feier des Country-Rock war. Wer nun glaubte, die Bluegrass Band am Ende
sei dazu da, das Gelände leerzuspielen, hatte sich aber so was von
getäuscht. Die Cherryholmes (USA) räumten nach Mitternacht so
richtig ab, nicht nur mit ihrem „Workin‘ Girl Blues". Molly Kate ist
gerade erst 15, ihr Bruder BJ 19, beide beherrschen die Fiddle. Im
Vordergrund steht unweigerlich Cia Cherryholmes (23), die beste
Banjo-Spielerin der SPGMA und eine wunderbare Sängerin. Irische
Einschläge sind ihrer Musik nicht fremd und sogar The Hot Club Du France
kam zu Ehren. Abwechslung und Spritzigkeit sprechen für sich, die Band
zeigte sich hier wesentlich besser als noch 2005 in Nashville, als sie
schon Entertainer des Jahres wurden bei der IBMA. Obwohl der plumpe
langbärtige Vater am Kontrabass wie ein Fremdkörper in der ansonsten so
stimmigen Formation wirkt, hatten sie die Begeisterungsstürme auf ihrer
Seite.
Der Samstag begann bereits um 18 Uhr, was dennoch Zeit für
Besichtigungen und Pausen bot.
Bluegrass Stuff (I) eröffneten mit virtuosem Bluegrass den Abend,
der mit über 10.000 Zuschauern hervorragend gut besucht war. Eine
absolute Sensation stellten die Twangbangers (USA) mit Bill
Kirchen, Redd
Volkaert
und Dallas Wayne dar. Wie Bill und Redd mit ihren elektrischen Gitarren
umgehen und korrespondieren konnten, ist unbeschreiblich, das habe ich
in rund 25 Jahren Konzertbesuchen noch nicht erlebt. Genial ihr
abwechselnder Gesang, und wenn’s mit dem „Hot Rod Lincoln" auf die Piste
geht, ist ein ausführlicher Besuch bei einer Menge anderer Melodien
garantiert. So viel Spaß und Virtuosität wie bei diesen „alten Herren"
ist einmalig, das muss man einfach live erlebt haben. Richtig gut kam
auch Roger Creager herüber, der eingängige Melodien auf die Reihe
bringt, wie kaum ein anderer. Legendär natürlich Joe Ely, bekannt
schon von den Flatlanders. Hier sitzen die knackigen Gitarrenriffs und
die Lieder sind meist bekannter Natur. Wie er mit seinen gut 5 Dutzend
Jahren auf der Bühne noch eine gute Figur macht! Der Abschluss kam von
den überaus zuverlässigen Derailers, Tony ist ja Priester
geworden und daher nicht mehr dabei, Brian hat das Ruder alleine
übernommen, die Haare sind etwas länger als 10 Jahre zuvor in Kötz, aber
die Rolle im Mittelpunkt gefällt ihm gut. Er konnte sich noch an das
Kötzer Country Festival auf dem Sportplatz Großkötz erinnern, da er dort
die Hillbilly Boogiemen kennengelernt hatte. Buck Owens meets the
Beatles lässt sich musikalisch und gesanglich die Formation umschreiben,
was naturgemäß gut ankommen muss.
Am Sonntag war zunächst ein Stadtbummel durch Craponne angesagt, wo
wir auf einer Open Air Bühne aus dem französischsprachigen Madagaskar
die Sängerin Tajiana trafen. Sie hat echten Country drauf, und
ist optisch mindestens ebenso authentisch.
Authentischen
Bluegrass mit absoluter Kontrolle über die Musik bot The Hickory
Project aus Wellsboro, Pennsylvania, die ihre Musik auf einem
eigenen Label herausgeben und daher viel Raum für Improvisationen haben.
Da Sue Cunningham und Anthony Hannigan in der Zeit der Formierung der
Band in Nashville im Hickory Room des Opryland Hotels untergebracht
waren, haben sie sich als Band diesen Namen gegeben. Sue hat klassische
Violine studiert, ihre Version von „Walls Of Time" von Bill Monroe und
Peter Rowan haute die Fans zu früher Stunde bereits aus den Latschen,
die perfekte Musik zum Genießen am Sonntag Nachmittag. Das heißt nicht,
dass heile Welt herrscht, My Hometown" beschreibt die Arbeitslosigkeit,
die Einzug hält, wenn die Arbeitsplätze von den Großkonzernen in
Billiglohnländer verlagert werden.
Red Meat aus San Francisco präsentierten sich als die etwas
andere, vielleicht buntere Honky Tonk Band. Frontman Smelley Kelly hat
die negativen Seiten von Hank Williams und Jimi Hendrix übernommen, Jill
Olson hingegen die positiven Seiten von ... na schaut halt das Foto an.
Sie sang ihre Eigenkomposition „Queen Of King City". Waylon Jennings‘ „Ramblin‘
Man" war zu vernehmen und sogar Jimmie Rodgers‘ „California Blues". Die
Band hat so viel Individualität, dass sie einfach schon wieder gut ist.
Hervorragend kam Tommy Alverson (USA) herüber, er hat
traditionelle Country Music zur Perfektion geführt. Fiddle und Steel
kamen wunderbar zusammen bei „Invitation To The Blues" und bei „I
Wouldn’t Trade Texas For The World" war seine Herkunft auch umschrieben.
Das hinderte ihn nicht „Maybe In Mexico" und „Una Mas Cerveza" zu
singen. Für Vorbild Waylon Jennings sag Tommy
Alverson „My Way Or The Highway" und „Only Daddy That’ll Walk The Line".
Rhett Akins (USA) war 1995 bis 1999 bei Decca, dann musste er
sich bei einem kleineren Label einnisten. In Craponne spielte er
lupenreinen Southern Rock, seine Vorbilder sind die Marshall Tucker
Band, die Charlie Daniels Band, Hank Williams jr. und die Allman
Brothers. Wem das eine Spur zu sehr über die Hutschnur ging, konnte bei
Jon Emry aus Austin, Texas wieder Boden unter den Fußen
gewinnen, wenngleich hier nicht traditioneller Country, sondern erdiger
Americana geboten war. Klare Aussage von Jon: „George Bush Is An Idiot",
seine Musik war typisch Austin, gleich zwei Mal Saxophon, das fetzte
aber in jeder Hinsicht im positiven Sinne, Jon selbst bediente die
elektrischen Gitarre. „Hillbilly Rock’n’Roll", „Big River Blues", „Sugar
Moon" das in etwas die Richtung der Formation und viel Asleep At The
Wheel. Aus der Feder von Fats Domino kam „One Night Of Sin", das Elvis
Presley als „One Night With You" verwässert hatte, um kommerziellen
Erfolg damit zu erzielen, hier aber auf der Bühne von Craponne das
Original. „Seven Nights To Rock" geht auf Moon
Mullican zurück, the King Of The Hillbilly Piano Players. Als Zugabe
Blaze Foley’s „Oval Room": „he’s the President But I Don’t Care".
Bei „Sittin‘ On Top Of The World" kam die Mundharmonika
zum Einsatz.
Das Festival und der Besuch dort haben sich in jeder Hinsicht
gelohnt, man kann richtig Musik pur genießen und trotz enormer
Zuschauerzahlen fühlt man sich nicht in einer Menschenmenge, zumal alles
ganz friedlich ablief. Den Soundleuten ein Kompliment, dass sie es
geschafft haben, den riesigen Festivalplatz zu beschallen. Die Stimmung
ist heiter und ausgelassen und das dürfte 2008 vom 25. bis 27. Juli
nicht anders sein, einschließlich der Gutwettergarantie.
Es spielen am Freitag: Mary & Co, Yoipi Whaou, Mike Blakey,
Cadillac Sky und Asleep At The Wheel.
Am Samstag treten auf: Jiri & Rowdy Rascals, Brandon Rhyder, Bonnie
Bishop, Dierks Bentley, Darren Kozelsky und die Honky Tonk Farmers.
Schließlich sind am Sonntag zu Gange: 3 Fox Drive, Texas Sapphiers,
Whiskey Falls, George Ducas, Big Smith und Armadillo.
Kontakt: Karten: Tel. 00 33 471 03 25 52, e-mail:
info@festivaldecraponne.com,
Touristikbüro: Tel. 00 33 471 03 23 14
(Friedrich Hog)
 
 
 
 
 
 
 
 

 

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