Too Country & Proud Of It – Billy Yates glänzt im 4 Corners

Das Four Corners in Untermeitingen zieht Gäste aus weiter Entfernung an, weit über 100 Kilometer reicht der regelmäßige Einzugsbereich. Das ist auch nachvollziehbar, sieht man, welch großartige Künstler man dort aus nächster Nähe live auf der Bühne erleben kann. Am Sonntag, den 18. März 2007 gastierte der amerikanische Singer-Songwriter Billy Yates in Untermeitingen, die regulären Plätze waren belegt und einige behielten den Überblick, indem sie das Konzert von der Empore aus verfolgten. Mit der holländischen Begleitband Savannah ist Billy Yates längst bestens vertraut, und die Anlage im Four Corners erfüllt inzwischen alle Ansprüche an einen optimalen Sound. Kein Wunder, dass die Gäste um halb ein Uhr die Künstler mit Standing Ovations verabschiedeten.

Geboren wurde Billy Yates in Doniphan, Missouri, aufgewachsen ist er auf einer kleinen Farm an der Grenze zu Arkansas. Obwohl die Kindheit kärglich war, hat es ihm an nichts gefehlt und er möchte seine Kindheit mit nichts eintauschen. Der Schallplattensammlung seiner Eltern entnahm er Musik von Jim Reeves, Ernest Tubb, Lefty Frizzell, George Jones, Mac Wiseman, Buck Owens, Merle Haggard und den Louvin Brothers. Seine eigenen Interessen waren Emmylou Harris und Don Williams zugewandt. 1987 kam er nach Nashville, Tennessee, wo inzwischen sechs seiner Songs von George Jones aufgenommen worden sind. Auch George Strait, Kenny Chesney, Sara Evans, Gary Allan, Tracy Lawrence, Doug Stone, Ricochet, Ricky Van Shelton, David Allan Coe und viele andere bedienten sich bereits seiner Lieder. Mit seiner integren und intelligenten Art gewinnt er nicht nur unter den Sängern immer neue Freunde, nein auch das Publikum ist hellauf begeistert von dem wunderbaren Autor, seiner sehr schönen Stimme und starken Bühnenpräsens.

Um halb neuen eröffneten Savannah den Abend mit einem mehr als gelungenen Set. Der differenzierte Klang zwang förmlich zum Zuhören, was sehr viel Freude bereitete. Elektrische Gitarre, akustische Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard kamen zum Einsatz, „Hello Trouble" galt zumindest im Hinblick auf die Musik nicht. Schöner mehrstimmiger Gesang ertönte bei „Baby’s Got A Hold On Me" von der Nitty Gritty Dirt Band und „Habit Of The Heart" erwies sich als bisher unentdeckte Perle aus der Feder von Michael Woody. „K-I-S-S-I-N-G" riss die Zuhörer mit seiner Dynamik mit, Shawn Camp hatte das Lied in den 90-er Jahren bekannt gemacht. Einflüsse von Lefty Frizzell und Merle Haggard wurden sehr deutlich, „That’s The Way Love Goes", „Ramblin‘ Fever", sehr gute E-Gitarre! Der Bogen wurde gespannt bis Johnny Cash, „I Still Miss Someone" und Tex-Mex, Keyboard macht’s möglich. Im zweiten Set kam Cor Sanne als Leadsänger hinzu, er kramte in älteren Titeln wie „Supper Time" oder „Crazy Arms", sehr liebevoll aufbereitet.

Im dritten Set übernahm schließlich der Star des Abends das Ruder, Billy Yates. Von Anfang an machte er klar, „Anywhere But Nashville" und „Too Country & Proud Of It": er gilt beim Establishment als zu sehr Country und findet daher nicht die Unterstützung der großen Plattenfirmen, aber verbiegen lassen möchte er sich nicht. Das ist eine Einstellung, die die Fans im Four Corners voll mitgetragen haben, das Publikum war mit Sicherheit kompetenter und aufgeschlossener, als das in den USA beim durchschnittlichen Gig zu erwarten ist. Billy Yates streifte den „Harmony Man", geriet ins Schwärmen über Lefty Frizzell, Merle Haggard und Keith Whitley bei „I Never Go Around Mirrors" und packte auch Power aus, wo’s gepasst hat, „Down At The Station". Seine aktuelle sechste CD heißt „Favorites", sie ist seine fünfte CD auf eigener Plattenfirma. Es sind seine Lieblingslieder aus den vier Vorgängeralben enthalten, „Flowers" hat er neu eingespielt und „Choises" ist hier erstmals im Duett mit George Jones zu hören, der die Billy-Yates-Komposition in den 90-er Jahren zum Hit gemacht hatte. 21 Lieder sind auf dem neuen Album enthalten. Wo viel Freiheit, ist viel Irrtum, so der Inhalt von „Choises", man lebt und stirbt mit seinen Entscheidungen. Klar, dass dieses Lied nicht fehlen durfte, ebenso wie „I Don’t Need Your Rockin‘ Chair", das ebenfalls George Jones aus der Feder von Billy Yates direkt zum Hit gemacht hatte und das 1994 sogar den Vocal Event Award der CMA erhielt.

Sehr positiv zu erwähnen sind auch die Ansagen von Billy Yates zu den einzelnen Liedern, die einem die Hintergründe erläutern wie bei „My Infinite Love", das George Strait auf CD gecovert hat. Billy hatte es für eine an Krebs leidende Freundin geschrieben und an ihrer Beerdigung gesungen. Um Tod ging’s auch bei „Daddy Had A Cardiac And Mama‘s Got A Cadillac", wobei hier die Aufbereitung viel lustiger ist, denn der Daddy starb im falschen Bett an Herzinfarkt mit einem Lächeln im Gesicht, jetzt konnte die Mutter sich einen Cadillac leisten, das englische Wortspiel gibt hier viel her und es heißt unter anderem: "Daddy Died Smiling, Mama Had The Last Laugh". Augenzwinkern auch bei der aktuellen Single „Better Every Beer", nach jedem Bier scheinen die Mädels in den Augen der Kerle hübscher zu werden. Wunderschön mit mehrstimmigem Satzgesang wurde akapella-Gospel dargereicht „Talk About Suffering ...", „Roxanne’s Bayou" und „Me Marie" machten wieder auf niveauvolle Weise Stimmung und „Got No Reason Now For Going Home" war Honky Tonk pur aus dem Hitfundus von Gene Watson. „Tonight The Bottle Let Me Down" und „Alcohol Abuse" leiteten nach Mitternacht den Schlussakkord ein, der in der zweiten Zugabe „American Voices" sehr gehaltvoll angestimmt wurde. Billy schrieb dieses Lied über die ganzen Probleme, die sein Land derzeit verursacht und bittet u.a. darum, die Stimmen der Menschen mit roter oder dunkler Hautfarbe nicht in Abrede zu stellen. Standing Ovations waren verdienter Lohn für diese großartige Performance, der eine ausführliche Autogrammstunde folgte. Billy Yates ist uneingeschränkt sehr gut rübergekommen und mit Savannah hat er eine Band im Hintergrund, die seine Musik optimal in Szene setzt. (Friedrich Hog)

 
 
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