Scott Shipley – vom Sideman zum Showman

Lange Jahre war der aus Missouri stammende Songschreiber, Gitarrist und Sänger Scott Shipley Sideman für diverse Künstler, 1990 spielte er 6 Monate Gitarre für Johnny Cash, auch für Stonewall Jackson hatte er gespielt, zuletzt 2 Jahre für Eddy Raven und schließlich für Todd Fritsch. Als dessen Gitarrist war er 2006 auch auf Europatournee, u.a. auf der Country Music Messe in Berlin und im Four Corners in Untermeitingen. 2006 begann er seine eigene Band zusammenzustellen, Snake Oil, der u.a. auch der Fiddler und Sänger Clinton Gregory angehört. Dieser hatte von 1991 bis 1995 11 Hitparadenerfolge landen können, darunter „Play Ruby Play" (Pl. 25/1992) und „If It Weren’t For Country Music I’d Go Crazy" (Pl. 26/1991). Mit Snake Oil war Scott Shipley im Februar 2007 auf der Country Music Messe in Berlin und spielte im Four Corners in Untermeitingen. Clinton Gregory hatte sich allerdings kurz vor der Europatournee freiwillig in eine Alkoholentziehungskur begeben und war daher ausgefallen. Da er eines der größten Musikgenies dieser Tage ist, bleibt sehr zu hoffen, dass er sich von der Sucht befreien kann und uns in der Zukunft noch viel schöne Musik schenken wird.

Am Freitag, den 23. Februar 2007 spielte Scott Shipley solo im Alten Sportheim Vöhringen-Illerberg, das mehr und mehr zur weltbekannten Kultstätte avanciert. Auch für Scott Shipley war es der schönste Gig in Deutschland, das Publikum hatte aufmerksam gelauscht bei den ruhigeren Liedern und ging gut mit bei der „Party Musik", fast schon als Band. Keine Frage, dass das Nichtraucherlokal randvoll besetzt war, von halb neuen bis kurz vor 1 spielte Scott Shipley drei unterhaltsame und kreative Sets, bei denen er stets Kontakt zum Publikum hielt und auf dessen Wünsche gerne einging. In den Raucherpausen konnte man mit Scott persönlichen Kontakt aufnehmen. Dass er ein feiner Gitarrist ist, war schon bekannt, dass er auch ein feinfühliger Songschreiber ist, wurde deutlich bei Liedern wie „My Old Man" über seinen Vater oder „In A Perfect World".

Hinzu kommt seine Fähigkeit, einen von Herzen kommenden Tenor zu singen, was das Publikum fesselt. Mit dem Gene Watson Klassiker „Fourteen Carat Mind" begann sein Auftritt, nachdem er sich instrumental warmgespielt hatte. Da er die wahre Country Music mag und sich vom kommerziellen Nashville-Crap der leider derzeit mehrheitlich schief gewickelten Music-Row-Bosse dieser Tage deutlich distanziert, gab es praktisch keine Covers aktueller Hits, positive Ausnahme: „But For The Grace Of God" von Keith Urban. Seine Vorfahren gaben ihm ¼ irische Abstammung mit auf den Weg, ¼ ist er Cherokee. Schon bei „Ring Of Fire" setzte Scott Shipley die Zuschauer als Band ein, das sollte im Laufe des Abends noch häufiger vorkommen, ganz zur Freude des Publikums. Mit der Band hörten sich in Berlin „Highway 40 Blues" (Ricky Skaggs) und „Copperhead Road" von Steve Earle gigantisch gut an, solo brachte er beide Lieder ebenfalls auf den Punkt. Seine brandneue Single „Hillbilly" durfte nicht fehlen.

Scott Shipley ist der älteren Country Music und dem Bluegrass sehr verbunden, „The Goldrush" zupfte er in entsprechendem Stil und „Rocky Top" spielte er auch mit großer Freude, schließlich lebt er jetzt in Nashville, Tennessee. Diese Freude übertrug sich auf’s Publikum, was dazu führte, dass sich Scott ebenfalls beflügelt zeigte. Einem Johnny Cash Medley folgte dessen „I Still Miss Someone", bei Merle Haggard’s „Silver Wings" sang das Publikum mit, es fehlten nur noch die schwingenden Kerzen. Auch Buck Owens gehört zu den großen Vorbildern von Scott Shipley, „Buckaroo" zupfte er mit großem Vergnügen und „Love’s Gonna Live Here Again" sang er für das Publikum, das längst zu seinen Fans geworden war. Daher erzählte er auch die Geschichte vom letzten Auftritt von Buck Owens in seinem eigenen Crystal Palace Club in Bakersfield, wo er ein großartiges Abendessen genossen und einen tollen Auftritt hingelegt hatte, am Abend bevor er im Schlaf verstarb. Und er erzählte die Geschichte von Leadbelly, der viele Klassiker geschrieben und 1918 seine ersten Schallplattenaufnahmen gemacht hat, im Gefängnis, wo John und Allen Lomax ihn aufgestöbert und ermuntert haben. Auf Leadbelly gehen „Cottonfields", „In The Pines", „Midnight Special" oder „C.C. Rider" zurück. Schön war Scott’s Vergleich des Stils von Bill Monroe und Leadbelly anhand von „In The Pines".

Die familiäre Atmosphäre im Alten Sportheim ermutigte zu happy songs wie „The Fireman" (George Strait) oder „Arlene" (Marty Stuart), aber auch zu traurigen Liedern wie „Dark As A Dungeon" aus der Feder von Merle Travis, das aufgrund der sehr schönen und tief empfundenen Darbietung zum Höhepunkt des Abends avancierte. „Streets Of London" von Ralph McTell und „Coney Island Girl" aus der Feder von Tom Waits standen dem kaum nach, und weil er den gewünschten frühen Jimmie Davis Klassiker „Red Nightgown Blues" nicht parat hatte, gab’s als Entschädigung dessen späteren Hit „You Are My Sunshine". Wunderbar auch „Amarillo by Morning" und das intensiv vorgetragene „Wayfaring Stranger", viel Power beim „Pipeliner Blues". Um 10 vor 1 endete mit „Love Will Keep Us Alive" ein ausgesprochen gelungener musikalischer Abend. (Friedrich Hog)

 
 
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