Mark Chesnutt singt zwei Stunden im Four Corners

Nachdem schon Stars wie Pat Green, Rick Trevino, Paul Overstreet oder Chely Wright im Four Corners in Untermeitingen aufgetreten waren, kam mit dem Gastspiel von Mark Chesnutt am Donnerstag, den 01. März 2007ein weiteres Highlight für den gemütlichen Saloon von Marianne & Bill hinzu. Das Konzert war seit Monaten ausverkauft und entsprechend eng bei dicker Luft war es geworden. Gut, wenn man frühzeitig vor Ort war, um in Ruhe einen leckeren Salat oder ein saftiges Steak zu genießen, verbunden mit z.B. einem guten Tropfen dunklen Gerstensaftes.

Mit drei akustischen Gitarren, Fiddle und elektrischem Bass präsentierte sich die Band, Mark Chesnutt selbst war einer der Gitarristen. Zwei Stunden saß Mark auf einem Hocker und sang seine Hits, unterbrochen vom einen oder anderen Schluck aus einem Bierglas und dem Wechseln zweier Gitarrensaiten, die er sukzessive zerbrochen hatte. Frenetischer Beifall gleich nach dem Einstiegslied „It’s A Little Too Late" machte Laune. Obwohl Mark nur wenig erzählte, kam doch ein Gefühl der Nähe auf. Da die Lautstärke genau richtig war, konnte man die Musik voll genießen, abgesehen von einigen unverbesserlichen Quatschköpfen im Hintergrund, die offenbar nicht begriffen hatten, dass sie im Konzert waren. Mark Chesnutt ließ sich von diesem Geblubber im wesentlichen nicht stören und sang meist unbeirrt seine Hits wie „Bubba Shot The Jukebox" oder seine wunderschönen Debüthits von 1990 „Too Cold At Home" (Pl. 3) und „Brother Jukebox" (Pl. 1).

Ohne Fiddle und Swing geht im Heimatstaat von Mark Chesnutt, Texas, nicht viel zusammen, daher durften „Old Flames Have New Names" und „Blame It On Texas„ nicht fehlen. Auch Fremdhits waren vertreten wie „Women I’ve Never Had" von Hank Williams jr., „Only Daddy That’ll Walk The Line (Waylon Jennings), „Something Special" aus dem Hitfundus von George Strait, „Kiss An Angel Goodmorning" aus dem Repertoire von Charley Pride oder die Merle Haggard Klassiker „Misery And Gin", „All In The Movies" und „The Fightin‘ Side Of Me", wobei letzteres etwas unangebracht war, schließlich genießt der Staat USA derzeit keinen Vertrauensbonus und Haggard singt im neuen Lied „Hillary", dass grundlegende Veränderungen notwendig sind, und eine Frau das Amt des Präsidenten übernehmen sollte. „I’ll Think Of Something" war eine Ballade, die Mark Chesnutt 1992 auf Platz 1 getragen hat, Country Music, wie sie heute nicht mehr gefragt ist bei den kommerziell orientierten Plattenfirmen und Radiosendern. „Goin‘ Through The Big D" hatte Platz 2 erreicht und war 1994 der erste Chesnutt-Hit, der nicht mehr ganz so traditionell orientiert war, sondern den Line Dancern entgegen kam. Diese konnten freilich in Untermeitingen aufgrund der an diesem Abend herrschenden Enge nicht tanzen. Schön, dass Mark Chesnutt weiterhin neue CD’s herausgibt, obwohl er seit 2004 nicht mehr bei einer der großen Plattenfirmen unter Vertrag ist. „Heard It In A Lovesong" aus der Feder von Toy Caldwell, im Original 1974 eine Position 51 in den Country Charts und Platz 14 in den Pop Charts für die Marshall Tucker Band, ist der Titelsong seiner aktuellen CD, den er sehr schön interpretiert hat, sowohl im Studio, als auch auf der Bühne.

Nachdem Mark Chesnutt eine Woche vor Untermeitingen die legendäre Gruene Hall gespielt hatte, klang „Luckenbach, Texas" äußerst wohltuend, Waylon & Willie hatten damit 1977 eine sechswöchige Nummer 1: ... back to the basics of love", ja, das ist wahres Country Feeling. Häufig wird Mark Chesnutt als Schüler von George Jones bezeichnet, zumindest, was den Gesang angeht. Das belegte er in Liedern wie „I Always Get Lucky With You", „He Stopped Loving Her Today" und einem Zusammenschnitt von „The Race Is On" und „White Lightning". Seinen Toperfolg von 1994 „I Just Wanted You To Know" hob Mark Chesnutt auf den letzten Teil seiner zweistündigen Show auf, wobei die acoustic version of Chesnutt kaum etwas mit der Rockin‘ Roadhouse Tour zu tun hat, die Mark Chesnutt vor einigen Jahren gemeinsam mit Tracy Lawrence und Joe Diffie absolviert hatte. Die Stimmung stieg beim Cajunstück „Big Mamou" auf den Höhepunkt, „Jack Daniel If You Please" und Willie’s „Whiskey River" reflektierten die ausgelassene Stimmung, die aber durch Conway Twitty’s „Linda On My Mind" bestens ausgeglichen wurde. Mit seinem Nummer 1 Hit von 1993 „It Sure Is Monday" verabschiedete sich Mark Chesnutt, er kam aber für die Zugabe „Gonna Get A Life", das er 1995 auf Platz 1 trug zurück. Willie’s Klassiker „Nightlife" mit jazzigem Einschlag, was in Texas einfach dazugehört, beendete den Auftritt von Mark Chesnutt endgültig. Obwohl er am nächsten Morgen schon zu seinem Auftritt nach Hamburg fliegen musste, gab er bereitwillig Autogramme und stand für Fotos zur Verfügung. Offensichtlich macht ihm der Kontakt zu seinen Fans Freude und er fühlt sich durchaus wohl, nicht mehr in den Zwängen eines aktuellen Chartkünstlers zu stehen.

Die Cripple Creek Band unterhielt die Gäste noch mit tollen Hits wie „The World" von Brad Paisley oder „Nothing To Lose" von Josh Gracin oder „But For The Grace Of God" von Keith Urban. Das Publikum hat den Besuch im Four Corners einmal mehr absolut nicht bereuen müssen. Das Four Corners ist ein Garant für stets wiederkehrende große Namen der Country Music, Chely Wright hat sich bereits für ein Wiederholungskonzert am 22. Juli 2007 angesagt. (Friedrich Hog)

 
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