Lost Highway zurück in Illerberg

Auftritte im Alten Sportheim der Illertal Cowboys in Vöhringen-Illerberg sind für die kalifornische Bluegrass-Formation Lost Highway inzwischen zum Heimspiel geworden. Wie viele andere Künstler kehren sie immer wieder gerne in das "gemütliche Wohnzimmer" des von Herbert Schildhammer geführten Vereins zurück. Eric Oglum aus Bakersfield, Kalifornien spielt nach wie vor die Mandoline und akustische Gitarre, im übrigen sah man neue Gesichter um Bandleader und Leadsänger Ken Orrick. Der 24-jährige Josh Thorp aus Phoenix, Arizona hat das Banjo übernommen, die Fiddle bedient der 17-jährigte Matt Hotte aus Edmonton im kanadischen Alberta und den Bass zupft seit einiger Zeit Joe Ash aus Bakersfield, Kalifornien.

Trotz der Änderungen kam am 15. November 2007 die Musik aus einem Guss, die Formation ist gut aufeinander abgestimmt und die Leadstimme von Ken Orrick ist so markant, dass man die Änderungen nach kurzer Zeit verschmerzen kann. "You Go To Your Church And I’ll Go To Mine" hieß es gleich am Anfang, aber lass uns den Weg gemeinsam zurücklegen. Schön ist immer das Lied von Homer Lawson’s Still und "It’s Only The Wind" wird von Eric gesungen. Die Wettervorhersage des Abends lautete "It’s Gonna Rain", unter dem Motto, ich kann es Deinen Augen ansehen, dass etwas nicht stimmt. Gut, wenn man Fehler eingestehen, aber auch verzeihen kann. Traurig das Lied über die siebenjährige Tochter, die allzufrüh gehen musste, "Heaven’s Got An Angel". Auch Pete Goebel’s "Colleen Malone" berichtet vom Tod, er kehrt aus dem Krieg zurück, doch seine Freundin ist inzwischen tot. Beim "Battle Cry Of Freedom" konnte Eric ein gelungenes Gitarrensolo hinlegen, ehe schon wieder eine Mörderballade die Szene beherrschte, "Lifetime Of Sorrow". Kurze Aufhellung bei "Handsome Molly", worauf achten Männer am ehesten bei Frauen? Intensiv empfunden sind auch die "Ghost Stories", anstelle der Farmen kamen die Autofabriken, die Häuser wurden mit verschlossenen Fenstern zurückgelassen, dafür ist jetzt die Luft voller Smog und der Treibhauseffekt ist entstanden. Unterdessen vergammelt der Traktor im Hinterhof. Eric sang Stephen Foster’s "My Old Kentucky Home" und "I’m Not Over You", Matt hatte an der Fiddle die "Sally Goodin" dran und Earl Scruggs’ "Foggy Mountain Special" kam auch zu Ehren. Modernen und traditionelles in guter Mischung bei dieser Westküstenformation der Spitzenklasse. Passend zur Jahreszeit der "November Rain" und mit schöner Melodie geht’s gut ab bei "Time Waits For No One". Country-Klassiker wie "Blue Suede Shoes" von Carl Perkins, "Long Black Veil", das man von Lefty Frizzell her kennt oder "Honky Tonk Man", das Johnny Horton und später Dwight Yoakam großgemacht hatten wechselten sich ab mit Bluegrass-Standards wie "Your Love Is Like A Flower" von Flatt & Scruggs oder "I Don’t Want Your Rambling Letters" von den Stanley Brothers: ich will Dich persönlich, nicht immer nur die Küsse aus der Ferne! Mit dem "Lee Highway Blues" und Matt an der Fiddle ging’s schon über in die Zugaben, "The Fugitive" und "Orange Blossom Special".

Kurzweilig sind sie immer, die Auftritte von Lost Highway und in Illerberg scheinen sie sich besonders wohl zu fühlen. Ein musikalisches Leckerli, dieses fähige Quintett. (Friedrich Hog)

 
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