Kimmie Rhodes stimmlich auf einer Ebene mit Emmylou Harris

Am Freitag, den 13. April 2007 konnten die Country & Western Friends Kötz in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Langenau musikalische Gäste aus Austin, Texas im Pfleghofsaal Langenau begrüßen. Die Singer-Songwriterin Kimmie Rhodes war gekommen, der Saal war ansprechend gefüllt, wenngleich nicht ganz voll geworden, aber das anwesende Publikum wusste die wertvolle und schöne Musik bis zum Schluss nach mehreren Zugaben zu schätzen.

Stimmlich erinnert Kimmie Rhodes sehr an Emmylou Harris, vielleicht haben sie deshalb bereits gemeinsam Lieder geschrieben und aufgenommen. Kimmie selbst spielte akustische Gitarre, ihr Sohn Gabe Rhodes bediente ebenfalls die akustische Gitarre, zum Teil als Bottleneck Guitar eingesetzt, ein wenig setzte er den Flügel ein. Kimmie’s Ehemann Joe Gracey bediente dezent den elektrischen Bass. Von Anfang an klar war, dass hier Wert auf Details gelegt wurde, filigrane Singer-Songwriter-Kunst fern ab vom Lärm der Zeit. Musik zum Zuhören, Entspannen und Auftanken. „West Texas Heaven", „Just One Love", gleich vertraute Klänge für die Fans, die ihre Musik schon kannten, bestens aufzunehmen im schönen Pfleghofsaal. „I Just Drove By" bezog sich auf das Haus in Lubbock, Texas, in welchem sie aufgewachsen ist. „Just Someone I Used To Know" hatte Cowboy Jack Clement für Porter Wagoner & Dolly parton geschrieben, sehr zart war es bei Kimmie Rhodes arrangiert. Der große texanische Singer-Songwriter Townes Van Zandt kam bei „Pancho And Lefty" zu Wort, ebenso gleich im Anschluss bei „If I Needed You", bei dem Gabe Rhodes die Duettstimme beisteuerte. Das stand der Hitversion von Emmylou Harris & Don Williams in nichts nach.

Die Bush-Regierung in Washington plant derzeit den Bau einer riesigen, langen Mauer zwischen Texas und Mexiko, dabei hatte Texas einst zu Mexiko gehört. In ihrem selbst verfassten Lied „Walls Fall Down" beklagt Kimmie Rhodes diesen Seperatismus angesichts der doch überall ähnlichen Gefühle, Sorgen und Ängste der Menschen. Wir brauchen mehr Liebe, keine Mauern, so ihre in jeder Hinsicht richtige Botschaft. „Maybe We’ll Just Disappear" hatte Kimmie mit ihrem Freund und Bewunderer Waylon Jennings aufgenommen, „Dreaming my Dreams With You" war gar aus seinem Hitrepertoire entlehnt. Der zweite Set war etwas rhythmischer und aufgeweckter als der Erste, in Townes Van Zandt’s „White Freight Liner Blues" hatte sich die musikalische Energie richtig entladen können. Im Rahmen der Zugaben sang Kimmie Rhodes „Love & Happiness For You" das sie gemeinsam mit Emmylou Harris geschrieben und aufgenommen hat. Beide haben sie Kinder und daher dieses Lied ihnen gewidmet.

Kimmie Rhodes hatte bewiesen, dass sie stimmlich auf einer Ebene mit Emmylou Harris anzusiedeln ist, ihre feine, klare Stimme überzeugte in vollstem Umfang. Weitgehend gefehlt hatten angesichts der spärlichen Instrumentierung die Honky Tonk und Western Swing Elemente, die ansonsten Teile ihrer Musik ausmachen. Dafür entschädigte Kimmie Rhodes mit ihren wunderbaren Liedern und nutzte auch die Gelegenheit, sie ein wenig zu erläutern. Über ihren Freund Willie Nelson, mit dem sie bereits mehrere Lieder gemeinsam aufgenommen hat, meinte sie: „Als Willie gefragt wurde, warum er sich mit über 70 noch immer nicht zur Ruhe gesetzt habe, habe Willie gemeint, er hätte sich schon lange zur Ruhe gesetzt, alles was er tue, sei Musik und Golf zu spielen." Hoffen wir, dass Kimmie, die noch ein paar Dekaden jünger ist, ihre Musik ebenso zur Lebensaufgabe gemacht hat, dann wird man sie sicherlich gerne wieder live sehen, 2008 erscheint ihre 12. CD. (Friedrich Hog)

 
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