| Jeanette Williams & Bianca DeLeon
füllen die Lindenhalle
Bianca DeLeon begann den Abend mit ihren intensiv gefühlten Liedern wie „I’d Rather Miss Texas" oder „Smuggler’s Moon". Grenzerfahrungen sind ihr Metier, sie kennt sie aus eigener Erfahrung, zumal sie an der texanisch-mexikanischen border aufgewachsen ist. Durch die enge Beziehung zu Songschreiber-Legende Townes Van Zandt hat sie eine gewählte Art sich auszudrücken. Die intime Stimmung durchdrang den Saal, wobei lediglich Gitarrist David Waddell farblos blieb. „The Long Slow Decline Of Carmelita" war der Titelsong ihrer aktuellen dritten CD.
Der
zweite Set wurde von der Jeanette Williams Band aus Virginia
gestaltet, wo sie in Danville, also in den Foothills der Appalachen
leben. Jeanette Williams aus Danville, Virginia war einst als
Harmoniesängerin in die Band von John Williams gekommen, jetzt ist sie
die Frontfrau der Formation. Der unfallbedingte Ausfall des Banjo
Spielers Jody King, der von einer Leitergefallen war und sich die Hüfte
gebrochen hatte, wurde brillant abgefangen durch den erst 17-jährigen
Bennett Sullivan aus Greenville, North Carolina, der an der Weaver
Academy klassische Gitarre studiert und schon mehrfach bei der Jeanette
Williams Band eingesprungen war. Er spielt im übrigen für die Bands „Beaconwood"
und „Southeast Express". Seine präzisen Banjoläufe ergänzten sich
optimal mit den filigranen Mandolinenklängen des hochtalentierten
18-jährigen Chase Joner. Jeanette und John Williams, ein seit fast 16
Jahren verheiratetes Ehepaar, wechselten sich am Gesang ab, wobei
Jeanette den Kontrabass spielte und John die akustische Gitarre,
klassische Bluegrass- Nach einer Pause, in der das Publikum Gelegenheit zum Gedankenaustausch mit den Künstlern hatte, setzte Bianca mit ihren Liedern fort, wobei auch neuere Titel zu Gehör gebracht wurden wie „Still Wine And Roses" oder „Garden In The Sun", deren Melodien zum Träumen einladen. „In The Moonlight" passte angesichts der Vollmondzeit natürlich auch sehr gut. Als im letzten Set die Jeanette Williams Band mit dem Titelsong ihrer 99-er CD „Cherry Blossoms In The Springtime" ihren „Signature Song" brachte, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr, fetzige Instrumentals in der genialen Zusammenarbeit der Musiker brachten höchsten Hörgenuss und großen Unterhaltungswert gleichermaßen. Dass mit Qualität beim fachkundigen Publikum doch die besten Resonanzen zu erzielen sind, bewies auch ein umjubeltes Ralph-Stanley-Cover und das Gospelstück „Working On A Building". Bianca DeLeon und David Waddell wurden zu „Sitting On Top Of The World" zurück auf die Bühne geholt, obwohl man sich in Ehingen erstmals begegnet war und kaum musikalische Gemeinsamkeiten vorhanden waren. Aber die Abwechslung und die dennoch möglichen musikalischen Zusammenkünfte zeichnen die Veranstaltungen in Ehingen seit dem 17. März 1997 aus. (Friedrich Hog)
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