Dale Watson spricht aus, was viele denken, aber nicht zu sagen wagen

Dale Watson ist es leid, mit dem Begriff „Country Music" in Verbindung gebracht zu werden. Dabei ist doch gerade er ein sehr gutes Beispiel authentischer und doch zeitgemäßer Country Music. Er geht bei seiner Kritik in diversen Statements und auf seiner website www.dalewatson.com  unter „News" auf die derzeitige Politik der Music Row in Nashville ein, die letztlich u.a. durch Einbau von Rap-Elementen die derzeitige „offizielle" Country Music in erheblichen Teilen zu „Country-Rap" gemacht hat, abgekürzt „Crap", zu deutsch Unsinn, Käse, Mist. Die Musik ist inhaltslos, seelenlos und völlig überproduziert und klingt alle gleich, wie Schlager vom Fließband. Wer ausschert, ist bei den Mächtigen out und wird von der Music Row nicht mehr unterstützt, egal, wer es ist. Johnny Cash hatte das schon vor über 30 Jahren erkannt und zu spüren bekommen, anderen geht es heute noch so. Derzeit hat man als genauer Beobachter der Szene jedoch den Eindruck, dass der Spalt zwischen Basis und Establishment größer ist, denn je. Man kann es daran erkennen, dass immer weniger CD’s verkauft werden, in noch kommerzielleren Musikrichtungen ist der Abwärtstrend noch viel deutlicher, als bei Country. Die Menschen finden sich immer weniger repräsentiert in der Musik, die am Computer und am Fließband entsteht. Die Verantwortlichen, meist Weiße, sitzen in mindestens ebenso weißen Hemden und Krawatten an Schreibtischen, haben mindestens zwei Handys und spielen in ihrer Freizeit Golf. Tom Russell beschreibt in seiner aktuellen Single „Who’s Gonna Build Your Wall" diesen Typ von Mensch als das gefährlichste überhaupt, als den Typ, den er am meisten fürchtet.

Am Beispiel der Industriebosse an Nashville’s Music Row kann man das gut darstellen. Wie schon gesagt, haben sie die von ihnen noch unterstützte Country Music in ein sehr enges Korsett gesteckt, das fast nur noch aus „Crap" besteht. Hinzu kommt, dass ihnen neben fehlenden musikalischen Verständnisses auch politische Engstirnigkeit vorzuwerfen ist, mithin völlige Inkompetenz auf allen einschlägigen Gebieten. Das trifft natürlich nicht auf alle zu, aber noch gibt es eine herrschende Meinung, die eben dieser ignoranten Gruppe zuzuordnen ist, die die Country Music in ein gefährliches, ja tödliches Abseits geführt hat. Diese herrschende Clique ist es auch, die den Dixie Chicks ihre Unterstützung versagt, da diese am deutlichsten gegen den amtierenden Präsidenten George W. Bush Stellung beziehen. Mit dieser Engstirnigkeit haben sie nicht nur dieser Band geschadet, sondern auch den Verkäufen der Country Music insgesamt. Mehr noch, hier wird der Ruf der gesamten Musik geschädigt. Da war es dringend notwendig, dass die Dixie Chicks mit ihren fünf Grammy Awards im Februar 2007 einen haushohen Sieg gefeiert haben, nicht nur gegenüber all den angepassten Pseudokünstlern, sondern auch gegenüber den Machern in den Chefetagen, die die aktuelle Country Music zur Unkenntlichkeit verstümmelt haben.

Hier und jetzt muss gehandelt werden. Das komplette Crap-Programm muss bekämpft werden und es ist dringend dafür zu sorgen, dass die Vertreter der Crap-Music aus ihren Ämtern geworfen werden. Es darf nicht mehr zugewartet werden, jeder Tag, an dem die Craps weiterregieren, schadet der vorhandenen guten Musik, da sie kaum Gehör finden kann und schadet dem Genre Country Music. Wenn sich wichtige Vertreter wie die Dixie Chicks oder Dale Watson vom Begriff der Country Music abwenden müssen, dann muss man das ernst nehmen. Die Fans dürfen sich nicht weiter bescheißen lassen von den Machenschaften der Crap-Bosse, sondern müssen Initiative ergreifen.

Willie Nelson und Waylon Jennings hatten dies mit ihrem Outlaw-Movement in den 70-er Jahren vorgelebt. Sie haben den Plattenbossen den Rücken gekehrt bzw. ihnen diktiert, wie es geht. Die heutige Musikszene in Austin, Texas ist eines der Ergebnisse dieser Bewegung. Wir brauchen wieder neue Outlaws, neue mutige Menschen, die endlich die Beschränkung hinwegfegen. Möge jederman seinen Teil dazu beitragen. Nur so kann das Genre Country Music überleben, ohne von den anderen Musikrichtungen gänzlich aufgesogen zu werden oder in absoluter Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Weg müssen Radiomenschen, die selbst nach fünf Grammy Awards nicht in der Lage sind, die Dixie Chicks zu spielen.

Die neue CD von Dale Watson, „From The Cradle To The Grave" erscheint am 21. April 2007, die aktuelle Doppel-Platin-CD der Dixie Chicks „Taking The Long Way" klettert am 03. März 2007 auf Platz 1 der Country Album Charts, die vergoldete Single „I’m Not Ready To Make Nice" kehrt auf Platz 4 der Hot 100 zurück. Bei solchen Künstlern spielt die Musik, bei den echten Künstlern, nicht bei den Mogulen. „Ameripolitan" hat Dale Watson unter dem Eindruck der derzeitigen Situation als möglichen neuen Begriff für seine Musik vorgeschlagen. Muss das wirklich von Dauer sein? „Howdy und herzlich willkommen zum ersten Ameripolitan Music Festival in der Günzhalle Großkötz"? Erste Berliner Ameripolitan Music Messe 2008? Klingt alles leicht suboptimal, oder? Also, nicht vergessen, alles tun, damit Country Music wieder Country Music und wieder salonfähig wird!!! (Friedrich Hog)

 
 
News: Daily News  Berichte  Informatives:  Musicfocus  Interviews  Record News  Biografien  American Cooking  Australien Country Songstory Übersetzungen  Billboards  Linedance  Kooperationen  Sareiter Reisen  ZYX Records  Übersichten: Country Radio   Saloon  Bands   Clubverzeichnis   Magazine  Links   Events  Termine  Interaktiv:  Gästebuch  Gewinnspiele  Forum  Kleinanzeigen  Suchen im CH  Online Eingaben Internes:  Impressum  Wir über uns