Dale Watson & James Hand bestens im Four Corners

Es war Dienstag, es war kühl und regnerisch, aber Dale Watson und James Hand hatten ein gut besuchtes Konzert am 21. November 2006 im Four Corners in Untermeitingen. Für alle Gäste hatte sich die Anreise mehr als gelohnt, schließlich spielten die beiden texanischen Singer-Songwriter und ihre tolle Country Band bis 0.40 Uhr. Es gab richtig authentische Country Music mit Steel Guitar und Fiddle, dazu viel Spaß und zwei großartige Stimmen.

Texas hat als zweitgrößter US-Bundesstaat hinter Alaska naturgemäß viel zu bieten. Insbesondere Country Music kam schon immer aus dem Lone Star State, sei es Bob Wills, seien es Willie Nelson, Waylon Jennings oder Clint Black. Mit James Hand war ein Singer-Songwriter aus West Texas erstmals auf Europatournee, mitgebracht von Dale Watson. James Hand eröffnete mit der Band von Dale Watson und zusätzlich einem eigenen Musiker, dem Gitarristen Will Indian, den Abend. Stimmlich sehr an Hank Williams erinnernd, kam er optisch eher Lefty Frizzell sehr nahe. In den frühen 50-er Jahren hätte ein Mann wie er es zu ganz großen Erfolgen bringen können, schließlich besitzt James Hand alles, was einen authentischen Country Sänger ausmacht. Er hat eine kräftige und klare Baritonstimme, die er geschickt einsetzen kann, teils mit ein wenig Vibration. Er hat Charisma, will sagen, er verkörpert das, was er singt. Und er schreibt tolle Lieder, die er bei seinem Auftritt mit handgepflückten Fremdkompositionen mischte. Ferner hat er mit "The Truth Will Set You Free" eine genial schöne aktuelle CD. Hieraus erklang "Baby, Baby, Don’t Tell Me That", was gleich die Stimmung in die richtigen Bahnen lenkte, nichts konnte mehr schief gehen und es ging auch nichts mehr schief. Klassiker wie "According To My Heart", "Misty Moonlight" oder "I Still Miss Someone" wechselten sich ab mit eigenem Material aus der CD wie "In The Corner, At The Table, By The Jukebox" oder die Eigenkomposition "I Got A Lot Of Hiding To Do", die einen mehr als schüchternen Charakter beschreibt, unter den er sich offenbar auch subsumiert. Dann der "Honky Tonk Blues" von Hank Williams und Bob Nolan’s "Tumblin’ Tumbleweeds", die Steel Guitar klang und das bereitete höchstes Vergnügen. Das galt auch für den "Cherokee Boogie" und den guten alten "Blue Train". Neu war seine Eigenkomposition "I’m Takin’ A Midnight Run". Aus seiner CD spielte James Hand dann noch den Titelsong, "Leave The Lonely Alone" und "Banks Of The Brazos". Die Herzen der Fans und die Gunst des Musikkritikers gleichermaßen hat James Hand mit dieser Performance mit Sicherheit erobert, da freut man sich schon auf seine hoffentlich bald startende zweite Europatournee.

Nach einer kleinen Pause betrat Dale Watson die Bühne. Ihn ausführlich zu beschreiben ist eigentlich nicht mehr notwendig, viel Merle-Haggard-Einfluss, viele eigene Ecken und Kanten, markante Baritonstimme, zärtlich wo gebraucht, kräftig wo nötig, beherrscht seine elektrische Gitarre souverän, auch bei Soli. "Whiskey Or God" ist der Titelsong seiner aktuellen CD, damit startete er seinen Auftritt, beides kann der Seele Erleichterung bringen, wohl je nach Stimmung. Seine Stimmung war eher in Richtung Tequila gerichtet, am Ende waren es so viele, dass man diesem Teil nur Show-Charakter zuweisen konnte, schließlich hat man ihm keinen einzigen davon angemerkt und Wasser sieht dem Zeugs zum verwechseln ähnlich. Selbst 2 LSD-Trips vorab hätten bei 100 % Tequila wohl kaum für die bewiesene Standfestigkeit ausgereicht. "Too Country For Country", das scheint Dale Watson’s Problem zu sein, so bekannt er auch ist, die großen Hits sind ihm nie gelungen und er zieht insoweit Vergleiche mit Leuten wie Johnny Cash, Merle Haggard, Hank Thompson oder George Jones, denen in den letzten Jahren auch keine nennenswerten Hitparadenerfolge gelingen wollten. "Girl In Japan" brachte fernöstliche Klänge herein, die aber in Bakersfield im amerikanischen Westen bei Buck Owens entstanden sind. Fiddle und elektrische Gitarre hatten Raum für schöne Soli. "If You Always Do What You’ve Always Done, You’ll Always Get What You Always Got" hat Dale Watson zusammen mit Gail Davies und Chuck Meade von BR549 geschrieben, Twangy Guitar! Gerne ging Dale Watson auf Publikumswünsche ein, er war sehr kommunikativ. So hörte man "Sing Me Back Home" von Merle Haggard, "Amos Moses" von Jerry Reed, "Ring Of Fire" von Johnny Cash und "Theme From The Dukes Of Hazzard" von Waylon Jennings. Über die Tanzdarbietungen des Publikums im Four Corners hat er sich sehr gefreut, solch schönen Two-Step konnte er auf seiner ganzen Europatournee nicht bewundern. Das sagt vieles über die angenehme Atmosphäre im Four Corners aus, die lediglich durch viel Zigarettenrauch etwas getrübt wurde. Aus eigenem Fundus kam "I Hate These Songs", Titelsong einer seiner CD’s. James Hand gesellte sich sodann dazu, es gab u.a. noch Hag’s "The Running Kind", "Wine Me Up", "Jambalaya", "Together Again", viel Spielfreude, viel Spaß und das besonders beim "Orange Blossom Special", wo Fiddler Don Raby etwas in den Mittelpunkt rückte. Mit "Fraulein" war es 0.40 Uhr geworden und das begeisterte Publikum wollte die Akteure gar nicht gehen lassen, die offensichtlich sehr gut miteinander klarkamen, was sie nicht nur in Form verbaler Respektbekennung zu vermitteln verstanden.

Damit endet der Bericht von dieser erfreulichen Veranstaltung so abrupt wie die Heimreise angetreten werden musste, und man kann Marianne und Bill nur gratulieren zu ihrer immer wieder gelungenen Musikauswahl. (Friedrich Hog)

 
 
News: Daily News  Berichte  Informatives:  Musicfocus  Interviews  Record News  Biografien  American Cooking  Australien Country Songstory Übersetzungen  Billboards  Linedance  Kooperationen  Sareiter Reisen  ZYX Records  Übersichten: Country Radio   Saloon  Bands   Clubverzeichnis   Magazine  Links   Events  Termine  Interaktiv:  Gästebuch  Gewinnspiele  Forum  Kleinanzeigen  Suchen im CH  Online Eingaben Internes:  Impressum  Wir über uns