Americana-Sängerin aus Deutschland:
Barbara Clear
Was
macht eigentlich Barbara Clear? Sie lässt sich nicht in eine Schublade
einsortieren, lehnt konsequent die Arbeit mit einer Plattenfirma ab und
setzt auf komplette Eigeninitiative. Auch die "Country-Szene" in
Deutschland, für diejenigen, die so etwas zu erkennen glauben, ist nicht
ihre Heimat. Am Donnerstag, den 12. April jedenfalls spielte Barbara
Clear im Foggia-Saal der Stadthalle Göppingen. Vier semi-akustische
Gitarren waren auf der Bühne vorbereitet, ein Mikrophon und die selbst
aufgebaute Anlage, die nach absolutem Profi-Equipment aussah.
Kurz nach 20 Uhr betrat die gebürtige Bad Homburgerin, die schon nach
dem Abi im Trio Irish Folk gespielt hat, die Bühne. 100 Zuhörer mögen es
gewesen sein, ein paar mehr hätte der Saal locker vertragen, aber dafür,
dass abgesehen vom Internet nur eine kurze Zeitungsmeldung das Konzert
ankündigte, war das ganz erfreulich. "Tumbleweed" hieß das erste Stück,
aus der Feder von Bill Miller und Peter Rowan, spürbar ihrem Herzen nah.
Die gerissene Saite brachte sie letztlich nicht aus dem Konzept, und so
kam Barbara Clear in eine richtig gelungene Performance rein. "Eine
Reise durch die Magie der Musik" nennt sie es, die junge Frau, die klar
sagt, "mir ist es lieber, es reißt eine Saite, als dass ein Playback
hängt", wofür sie spontan Applaus erhält. Das zeigt, wie echt und
ehrlich ihr Auftritt ist, eine Künstlerin, die gar nicht gekünstelt
daherkommt, richtiger Americana eben. Ihre Stimme ist klar und doch
warm, mit ihr hat sie vor über 25 Jahren die "Street Of Dreams"
betreten, auf der alles möglich ist, zum Beispiel bereits drei Konzerte
in der Münchener Olympiahalle, bei denen insgesamt 16.000 Leute da
waren. Überhaupt spielt sie ausschließlich konzertant, die Atmosphäre
und das Umfeld passen besser zu ihr und der Musik. "Dirty Old Town" und
das akapella gesungene "The May Morning Dew" erinnern an ihre
Irish-Folk-Vergangenheit, in diesen frühsommerlich warmen Apriltagen
herrlich anzuhören. Die grüne Insel als die Mutter der Musik. In den
kleinen Nebenflüssen des Mississippi genießt ein junges Paar die Liebe,
drei Töchter schenkt sie ihnen, "Delta Dreamland", remember Deborah
Allen?
Wie
Barbara Clear im Laufe der Zeit ihre Gitarrenarbeit perfektioniert hat,
ist mehr als beachtlich, sie setzt das Instrument sehr vielseitig ein,
zart in "Landslide" von Stevie Nicks und bekannt von den Dixie Chicks,
und gewaltig in einem gigantisch umgesetzten "Me And Bobby McGee" von
Kris Kristofferson, das Janis Joplin posthum zum Riesenhit gemacht hat.
Wenn Janis heute leben würde, Barbara und Janis würden einen guten Draht
zueinander finden. Nach einer kleinen Pause, in der Barbara für ihre
Fans da ist und jede Menge Autogramme schreibt, geht’s weiter und alle
sind noch da: "Love Is A Healer". "You’ve Got A Friend" kam von James
Taylor und "It’s Not Enough" war eine Eigenkomposition aus den späten
80er Jahren. Da tut’s nicht weh, wenn mal ein selbst verfasster
deutscher Titel reinkriecht wie "Der Wurm". Beim selbst verfassten "Rock’n’Roll
Hunter" wird das Publikum zum Instrument, denn sein Mitklatschen ist in
den Song einkomponiert. Zwei Mal mit dem Fuß stampfen, einmal in die
Hände klatschen, das gibt den guten alten Rock’n’Roll, den man noch so
gut im Ohr hat, "Any Man Of Mine" von Shania Twain entwickelt sich
daraus und es macht richtig Spaß, als Teil des Instruments Publikum an
der Musik beteiligt zu sein, die ohne Stilbruch in "We Will Rock You"
von Queen übergeht. Früher Deep Purple bei "When A Blind Man Cries"
erweist sich als poetisch und wie gut man mit der semi-akustischen
Gitarre in "Smoke On The Water" übergehen kann, sollte man sich bei
Barbara Clear unbedingt einmal live anhören. Sie holt alles aus dem Song
heraus und das Publikum ist begeistert. Ihre Eigenkomposition "Battlefield
In The Name Of God" hat eine klare Botschaft, die das Unverständnis zum
Ausdruck bringt, wie einige wenige Menschen es schaffen, die Welt unter
dem Deckmantel von Religion zu terrorisieren. Auch "Dead Skunk In The
Middle Of The Road" von Loudan Wainwright III. hat eine Message, die
Dreckschleuder, also der Umweltsünder, stinkt noch zum Himmel, selbst
wenn er tot ist, vielleicht vom selbst ins Rollen gebrachten Rad
überfahren. Lustig verpackt diese Geschichte, Ed Burleson hatte sie
kürzlich auf seiner CD aufgegriffen. Mit guter Laune ging’s dann schon
dem Ende zu, CCR’s "Proud Mary" erklang saustark, die Halle und den
ganzen Mississippi ausfüllend und am Ende eines Konzerts kann kaum ein
Song passender sein als Bob Seger’s "Turn The Page". Als weitere Zugaben
gab’s Elton John’s "Candle In The Wind", Monroe und später Lady Di
gewidmet und den Klassiker "Venus".
Barbara Clear hat mit ihrer Leistung voll
überzeugen können, nach sechs Stunden Aufbau der Anlage und Soundcheck
durfte sie alles wieder abbauen, aber der Aufwand hat sich total
gelohnt, denn der Sound war richtig gut und man kann den Besuch ihrer
Konzerte nur wärmstens ans Herz legen, raus aus der Schublade, rein in
Americana. (Friedrich Hog)