Todd Fritsch – Interview mit einem echten Cowboy
Martha
Moore macht’s möglich, so auch unser Interview mit dem 24-jährigen Todd Fritsch,
der auf der Berliner Country Music Messe vom 03. bis 05. Februar 2006 sich
erstmals einem europäischen Publikum persönlich vorgestellt hat, begleitet von
Scott Shipley an der Gitarre und seinem Manager und Produzenten Doug DeForest am
Kontrabass. Das Interview entstand am Samstag, den 04. Februar 2006 zwischen
12.45 und 13.15 Uhr im Fontanehaus Berlin.
FH = Friedrich Hog
TF = Todd Fritsch
FH: Wie gefällt es dir hier? Schließlich ist es dein erster Trip über den großen Teich, der dich direkt nach Berlin führt.
TF: Ja, es ist mein erster Auslandsaufenthalt überhaupt. Es war großartig bisher, die Leute waren sehr gut zu mir. Ich konnte schon eine kleine Tour durch die Stadt unternehmen und habe jede Minute davon genossen.
FH: Hast du den Reichstag gesehen? Was habt ihr alles angeschaut?
TF: Ja, am Brandenburger Tor waren wir, aber dann haben wir nicht so sehr die Attraktionen der Stadt angesteuert, sondern uns mehr um die Leute in der Stadt gekümmert und geschaut, wie die so leben.
FH: Wo kommst du genau her?
TF: Aus einer kleinen Stadt in Texas, Fayetteville. Das liegt zwischen Houston und Austin, Texas. Es ist eine kleine, ländlich orientierte Stadt und jede wichtige Metropole, die mit Berlin vergleichbar wäre, ist mindestens eineinhalb Stunden entfernt.
FH: Kommt es dir in Berlin kalt vor im Gegensatz zu Texas?
TF: Du wirst lachen, das ist erst das dritte Mal in meinem Leben, dass ich Schnee sehe. Da wo ich lebe, in Texas, bekommen wir nie Schnee. Es war in den 80-er Jahren, dass ich das letzte Mal Schnee gesehen habe. Es wird in Texas nicht annähernd so kalt, im Moment hat es ungefähr 60 bis 70°F zuhause, also um die 30 °C.
FH: Seufz. Davon können wir hier nur träumen. Was waren deine ersten musikalischen Schritte? Gibt es da bestimmte Vorbilder, die du verehrst oder denen du zugehört hast, als du klein warst?
TF: Die Musik, die ich immer gehört habe, entstammt dem Bereich Country Music. Ich stand auf Garth Brooks, George Strait und Alan Jackson. Dann habe ich mich zu älteren Künstlern vorgearbeitet wie Merle Haggard, Vern Gosdin, Waylon Jennings, Bob Wills und Willie Nelson. Je mehr sich meine eigene Karriere entwickelt hat, desto mehr bin ich auf diese traditionelleren Künstler gestoßen. Ich habe mit 15, 16 Jahren angefangen, selbst Musik zu machen. Meine Schwester spielte Keyboards, so konnten wir gemeinsam singen und musizieren. In der High School habe ich viel Zeit mit Sport verbracht, Baseball, Basketball und Rennlauf und so. Als ich mit der High School fertig war, habe ich nach Auftrittsorten mit meiner Band gesucht. Das eine hat das andere ergeben. Im Jahr 2000 machte ich mein erstes Album, 2003 machte ich meine zweite Langspielplatte. Mein neues, selbstbetiteltes Album ist jetzt der größte Schritt, um die Musik hauptberuflich zu spielen.
FH:
Diese CD fängt mit „I Got Mexico" an. Wie bist du an dieses Lied
herangekommen.
TF: Wir waren bereits im Studio und haben Lieder aufgenommen für das Album. Mein Manager Doug DeForest hatte die Idee, „I Got Mexico" aufzunehmen. Ich habe das Ding etwas anders angegangen als Eddy Raven seine Originalversion, ich habe ein Akkordeon dazugenommen und habe es etwas mehr uptempo eingespielt. Es wurde unsere erste Single und sie hat in den Staaten und hier in Europa ganz gut eingeschlagen.
FH: Dann gibt es auf der CD noch das Lied „Small Town Radio". Hast du da eine spezielle Radio Station im Kopf?
TF: Es sind eher zwei oder sogar drei Radio Stationen, die das Lied inspiriert haben. Es sind kleine Radio Stationen in unserer Gegend, die die Leute über alles informieren, was wichtig ist, alles von Schulaktivitäten bis zu Nachrichten. Es sind, wie gesagt, drei Radio Stationen, die das Lied inspiriert haben, aber es handelt vor allem über das Leben in der kleinen Gemeinde. Die Leute dort können das Lied gut verstehen, ich erlebe das jeden Tag. Die Leute dürfen ruhig wissen, dass ich aus einer Kleinstadt komme und dem Kleinstadt-Radio zuhöre.
FH: Die großen Radio Stationen spielen jeweils nur 20 oder vielleicht 40 Titel rauf und runter, sonst nichts. Die Playlisten sind sehr kurz und die Großindustrie schreibt den DJ’s vor, was sie spielen müssen. Was hältst du hiervon?
TF: Das mag ich gar nicht. Ich denke, ein gutes Lied ist ein gutes Lied, egal wer es singt und auf welchem Plattenlabel es erschienen ist. Die Leute sollten selbst entscheiden können, was sie hören wollen. Aber in den Staaten ist es immer nur einer, der der Radiostation sagt, was sie spielen muss, und der sitzt meist 5.000 Meilen vom Sender entfernt. Die Radio Station reflektiert die Stadt, in der sie ihren Sitz hat und was dort abgeht. Dieser Gegensatz macht es für Leute wie mich unheimlich schwierig, einen Fuß auf den Boden zu bekommen im Musikgeschäft. Wenn du ein unabhängiger Künstler bist, wie ich es bin, dann kostet es sich sehr viel Geld, um mit den großen Plattenfirmen zu konkurrieren. Es macht alles sehr hart. Ich wünschte, die DJ’s und Programm-Macher vor Ort hätten mehr Kontrolle über ihr Musikprogramm und könnten spielen, was sie für gut befinden.
FH: Gibt es Radio Stationen in Amerika, die deine Musik bereits spielen? Ich spiele hier in Deutschland deine Platten, da ich selbst entscheiden kann, was ich spiele, aber wie sieht das bei dir zuhause für dich aus?
TF: Wir kommen schon ganz gut weg in den Staaten. Die Stationen werden ja in drei Kategorien eingeteilt, P 1 sind die Major Stations, also die großen Sender. Diese Sender werden durch die Playlists mit den 20 oder bestenfalls 40 Songs kontrolliert. Die P 2 Leute sind Privatleute, denen Sender gehören und dort laufen meine Platten schon ganz gut. In Texas stehe ich auf der P-2-Level-Hitparade derzeit auf Platz 4 und auf Platz 39. Ich gebe jede Menge Live-Shows in Texas.
FH:
Pat Green und Jack Ingram waren schon richtig groß in Texas, bevor sie den
Sprung zum Erfolg im ganzen Land geschafft haben. Wie stehen für dich die
Chancen, auch so herauszukommen?
TF: Ja, diese Leute haben es gezeigt, wie man aus dem texanischen Bereich heraustreten kann. Ich sah Pat Green schon, als er Shows für andere eröffnet und vor 20 Zuhörern gespielt hat. Jetzt spielt er für 100.000 Leute und ist schon eine ziemliche Zeit aktiv. Harte Arbeit ist der Schlüssel zum Erfolg. Du musst auftreten, so oft du kannst und die Musik leben und einatmen. Das haben Pat Green und Jack Ingram getan und es gibt jede Menge weiterer Künstler in Texas, von denen hier noch nie jemand etwas gehört hat. Nicht einmal außerhalb von Texas sind sie bekannt. Aber in Texas verdienen sie mehr Geld, als sie in Nashville bekommen könnten, 10.000 bis 15.000 Dollar pro Auftritt verdient man in Texas, auch wenn man außerhalb völlig unbekannt ist. Das Land und die Musikszene dort sind so groß und da habe ich auf jeden Fall eine gute Chance, meine Karriere zu entwickeln.
FH: Was sind das für Auftrittsmöglichkeiten?
TF: Es sind Clubs und Festivals, ich eröffne Shows für viele große Stars. Hinzu kommen private Anlässe. Die Dancehall- und Clubszene ist riesig in Texas, es gibt in jeder Ortschaft jede Nacht mindestens eine Live-Band zu erleben. Solche Auftritte spiele auch ich jedes Wochenende.
FH: Nimmst du schon Anläufe, um in Nashville den Durchbruch zu schaffen?
TF: Ja, ich gehe dort im Schnitt alle zwei Monate hin. Wenn ich jetzt aus Europa zurückkomme, gehe ich nach Nashville zum Country Radio Seminar, wo alle DJ’s zusammenkommen. Ich spiele dort zwei Shows. Wenn du landesweit bekannt werden möchtest, musst du in Nashville einen Fuß in der Türe haben, denn die haben die nötigen Verbindungen, um dich groß rauszubringen.
FH: Es gibt ja zum Beispiel Robert’s Western World und Tootsies, wo die Bands jeweils vier Stunden spielen, nicht für eine garantierte Gage, sondern nur für Trinkgelder. Ist das ein Weg, um entdeckt zu werden oder wie sieht der beste Weg aus, um in Nashville durchzustarten?
TF: Jeder hat da so seine eigenen Ideen. Es gibt auch keinen falschen oder richtigen Weg, es zu probieren. Ich persönlich habe noch meinen Arbeitsplatz auf einer Ranch behalten. Wenn du nach Nashville ziehen kannst und es klappt mit dem großen Geldverdienen, ist das super. Aber für mich wäre das nichts. Ich kann innerhalb von Texas ganz groß werden und mir eine große Fangemeinde erarbeiten durch meine Live Shows, und ich kann durch dortigen Rundfunkeinsatz meine Karriere nach vorne bringen. In Nashville gibt es unendlich viele gute Leute, und du hast kaum die Möglichkeit, dir über Live Shows genügend Publicity zu holen und dir eine Fangemeinde zu erarbeiten. Dazu ist diese Stadt nicht groß genug. Daher erledige ich meine notwendigen geschäftlichen Dinge in Nashville, aber meine Musik entwickle ich in Texas. Das würde ich jedem auch empfehlen, erst mal einen Fuß auf den Boden zu bekommen und dann nach Nashville zu gehen.
FH: Du hast also einen Day-Job, eine musikalische Karriere. Bleibt da Zeit für ein Hobby?
TF: Ich arbeite meistens. Wenn ich nicht singe, dann arbeite ich auf der Ranch, das ist für mich Entspannung und es macht mir Spaß, bezahlt zu werden für etwas, das ich gerne tue, ebenso wie das Singen. Beides liebe ich und bin froh, dass ich davon leben kann. Aber ich mache manchmal beim Rodeo mit, das aber nur hobbymäßig. Ich dressiere gerne Pferde und sehe das als Job und Unterhaltung für mich an.
FH: Lässt du dich bei deiner Arbeit auf der Ranch musikalisch inspirieren?
TF: Ehrlich gesagt, meine gesamte Inspiration erhalte ich beim Arbeiten auf der Ranch. Dort schreibe ich alle meine Lieder und das ist ein Grund, weshalb ich diesen Job nicht aufgeben möchte. Der Job definiert mich als das, was ich bin. Wenn ich auf dem Pferd reite, fällt mir das ein, was ich für meine Lieder verwende. Da kommen mir die Ideen und ich schreibe sie auf. Dann nehme ich sie mit nach Hause und entwickle etwas daraus. Diese Tätigkeit hilft mir also, meine Lieder zu schreiben, daher möchte ich sie nicht aufgeben.
FH:
Jetzt geht uns die Zeit schon aus, aber deine Zukunftspläne hätten wir gerne
noch gewusst.
TF: Meine Zukunftspläne sehen so aus, dass ich möglichst viele Auftritte absolvieren möchte. Wir arbeiten schon an meiner vierten CD, die voraussichtlich noch im Laufe diesen Jahres herauskommen wird. Ich schreibe auch jede Menge mit anderen Leuten zusammen. Ich will da so gut es geht dranbleiben. Gerne würde ich auch jährlich drei oder vier Tourneen durch Europa machen und zuhause an den Wochenenden und auch unter der Woche möglichst häufig auftreten. Also, ich will auf jeden Fall mehr und mehr Musik machen.
FH: Bietest du auch großen Stars deine Eigenkompositionen an?
TF: Ja, haben wir schon gemacht und auch von der jetzigen CD habe ich meine Lieder bereits anderen Künstlern angeboten, Kenny Chesney, Alan Jackson und George Strait. Wenn da mal eines meiner Lieder aufgenommen und veröffentlicht würde, wäre das eine Riesensache für jemanden wie mich. Das ist finanziell sehr ertragreich und würde helfen, meine Karriere zu finanzieren. Das ist also meine große Hoffnung, dass eines meiner Lieder einmal aufgenommen wird, so dass ich in mich selbst investieren kann. So könnte ich vielleicht auch einmal so groß werden wie sie.
FH: Das wünsche ich dir, alles Gute für deine Zukunft, hoffentlich klappt alles für dich.
TF: Ich danke dir, ich werde übrigens beim diesjährigen CMA-Music Festival in Nashville dabei sein, der ehemaligen Fan Fair. Dort habe ich mehrere Auftritte. Im August bin ich in Frankreich auf einem Festival gebucht und hoffe, es lassen sich noch einige Auftritte um dieses Event herum arrangieren. Wenn die Internationale Fan Club Organisation im Ryman Auditorium ihre Show macht, gleich hinter vorhin erwähntem Tootsies, dann bin ich auch mit von der Partie. Soviel noch zu meinen konkreten Zukunftsplänen, alles weitere zu meinen Auftritten und anderen Themen könnt Ihr immer aktuell meiner website entnehmen, einfach www.toddfritsch.com
(Friedrich Hog)