Special Consensus – Greg Cahill und das Original
Seit
Special Consensus vor drei Jahren beim ersten Bühler Bluegrass Festival
eingeladen waren, geistert die Formation als Original und Alter Ego Band "The
Chow Dogs" durch die Musikgeschichte. Und das war so gekommen: Die jungen
Musiker um Bandleader Greg Cahill hatten sich nicht nach Europa getraut, da
ihnen ein texanischer Cowboy als ihr Präsident erzählt hatte, in Deutschland
würde man Amerikaner abschlachten. Hintergrund: Gerade hatte der Präsident
seinen Privatkrieg im Irak begonnen, und die Deutschen sind nicht hingegangen.
Banjo-Virtuose Greg Cahill aus Chicago, Illinois, welterfahren und realitätsnah, war selbstverständlich dennoch gekommen und hat die Abschwächler in seiner Band einfach durch drei ehemalige Mitglieder von Special Consensus ersetzt, die ebenfalls über den Tellerrand blicken können. Aus dieser Ersatzversion von Special Consensus hatten sich also die Chow Dogs entwickelt, die bereits mehrfach in Vöhringen-Illerberg gespielt hatten. Diesmal, sprich am Dienstag, den 14. März 2006, hatte Greg Cahill aber seine eigentliche Special Consensus-Formation dabei, die er in der Urformation bereits 1975 gegründet hatte. Special Consensus fanden ein aufgeschlossenes und gut gefülltes Haus vor und haben ihre Fans nicht enttäuscht.
Dynamisch und mit Drive begannen sie ihren Auftritt. Da sind Könner am Werk, ein Greg Cahill versteht es, gute Musiker zu rekrutieren. Tres Nugent aus Louisiana, der in Nashville aufgewachsen ist, bediente den Kontrabass, es war ein "verhungerter" Reisebass. Justin Carbone, seit zwei Jahren dabei, sang hervorragend und spielte die Gitarre. Der in Utah lebende Songwriter Ron Spears bediente die Mandoline.
„Carolina Smoky Mountain Home" kann man gut nachempfinden, wenn man erst kürzlich durch die Appalachen gefahren ist und auch North Carolina gestreift hat. Swingend kam im Gegensatz zum traditionellen Bluegrass „Sweet Temptation" daher, wobei Ricky Skaggs das Lied bereits vor über 25 Jahren mit Bluegrass-Einschlag interpretiert hatte. Sehr schön kam auch Michael Martin Murphey’s „Carolina In The Pines", ein Lied, das Doyle Lawson vor gut 20 Jahren in den Bluegrass eingeführt hat. Bei einem solchen Stück kann sich eine gute Band richtig ausleben, was Special Consensus hervorragend gelang. Mehrstimmiger Satzgesang, wechselnde Leadsänger, das sorgte auch für Abwechslung, genauso wie das Repertoire, das auch bei Hank Williams Anleihen nahm, „You Win Again". Nochmals eine ganz andere Gegend ist „Blue Skies", der alte Irving-Berlin-Klassiker, von Special Consensus als zartes Instrumental aufgelegt.
In Bluegrass-Liedern werden immer wieder persönliche Enttäuschungen verarbeitet, „Two Minus One Leaves Me" mag als Beispiel genannt sein. Das melodiöse „Dream Of Me" kommt aus dem Fundus von Vern Gosdin, einem Bluegrasser der 60-er Jahre („The Hillmen" mit Chris Hillman, Don Parmley und Rex Gosdin) und erfolgreichen Country Sänger seit der 70-er Jahre. Neben den Klassikern von Monroe, Flatt & Scruggs oder Jim & Jesse gelingt es der Band auf vorzügliche Weise, eigene Lieder einzustreuen, was die persönliche Note ausmacht, die so wichtig ist, um sich aus der Masse von Cover-Bands abzusetzen.
Special Consensus in Illerberg, weil Mittwoch Arbeitstag war, hat man brav um 23 Uhr den dritten Set beendet und wer gerne Nichtraucherkonzerte mag, findet im Alten Sportheim Illerberg garantiert bald wieder gute Live-Musik, am 06. April zum Beispiel kommen Billy Bacon & The Forbidden Pigs zurück in’s Alte Sportheim, die dort vergangenen Sommer bereits gut abgeräumt haben. (Friedrich Hog)

