Roc4 – alte Musik neu gemacht

Hinter dem neuen Bandprojekt „Roc4" steht Wolfgang Göhringer als kreativer Kopf, Gitarrist und Sänger. Das Trio hatte am Freitag, den 27. Januar 2006 im Alten Sportheim Vöhringen-Illerberg bei den Illertal Cowboys seinen dritten öffentlichen Auftritt. Was würde der ehemalige Gitarrist von „Shady Mix" aus der Wundertüte zaubern? Es war handgemachte Musik aus den beiden vergangenen Jahrhunderten mit Schwerpunkt um die 50-er Jahre des 20. Jahrhunderts, Country, Rock’n’Roll und Blues der ehrlichen, der erdigen Art, gut hörbar allerdings. Im Vordergrund steht die eigens für Wolfgang Göhringer angefertigte Gitarre. Kontrabass von Sven Rodenbeck und Schlagzeug mit Earny Angermeyer runden die Instrumentierung ab. Obwohl die Band erst im Anfangsstadium steht, harmonierten die Musiker bereits ausgezeichnet zusammen, aus diesem Trio könnte etwas ganz Großes werden, das Potential ist auf alle Fälle vorhanden.

Wolfgang traf als gebürtiger Allgäuer, er kam in Füssen zur Welt, von Anfang an den richtigen Ton, und das auch im Umgang mit dem Publikum. Sein trockener Humor und die scheinbar grenzenlose Leichtigkeit, mit der er virtuos seiner Gitarre die unterschiedlichsten Töne entlockt, ließen die Zuhörer ebenfalls ohne Mühe drei ausführlichen Sets folgen, die auf der legendären „Route 66" ihren Anfang nahmen. Elvis Presley war mit seinem 57-er Toperfolg „All Shook Up" vertreten, Chuck Berry hatte „Memphis, Tennessee" beigesteuert. Aus dem 19. Jahrhundert traf der „Columbus Stockade Blues" ein, gefolgt von der Göhringer-Eigenkomposition „Chicken Fence Rag", einem Instrumental, das ihm so im Vorbeigehen eingefallen und hängen geblieben ist. Klassiker wie „Tennessee Waltz" oder „Red River Valley", die Mörderballade „Banks Of The Ohio" oder Bob Wills‘ Western Swing „San Antonio Rose" erfuhren meist eine individuelle Ausgestaltung. Der „Folsom Prison Blues" kam gar „funky" daher, kein Problem für einen genialen Gitarristen wie den Wolfi. „Mississippi Gal" hatte Honky-Tonk-Flair, aus dem Bluegrass kommt „Don’t This Road Look Rough And Rocky", so blieb neben dem ohnehin hohen Unterhaltungswert auch die Abwechslung nicht auf der Strecke.

An gleicher Stelle hatte nur wenige Monate zuvor Steve Gillette ein wunderbares Konzert gegeben, aus seiner Feder stammte „Darcy Farrow". Auf dem Weg durch die Klassiker des Genres kam uns auch Grandpa Jones mit „Eight More Miles To Louisville" entgegen und den „Orange Blossom Special" befuhr das Trio ebenfalls mit Bravour. „Country-Fusion" nennt die Formation ihre Version von „Ghostriders In The Sky", und nur ein wenig Bodenhaftung hatte auch „Somewhere Over The Rainbow" in einer sehr gefühlvollen Interpretation schwebte die Band dahin. Bei „Ring Of Fire" gab’s ein Solo des Schlagzeugers und den gestrichenen Kontrabass. Über „Be-Bop-A-Lula" von Gene Vincent fand der musikalische Trip seinen Weg zu Gitarren-Hexenmeister Jimi Hendrix, was sehr gut klang. Zur Beruhigung bettete man sich anschließend in Bobby Vinton’s „Blue Velvet" um sodann wachen Auges den „Black & White Rag" zu verfolgen. Richtig gefordert als Sänger war Wolfgang dann bei „Always On My Mind" und „Don’t Fence Me In". Wie macht „Country Roads" wieder Spaß? Indem das Publikum leise den Refrain singt und Wolfgang wunderschöne Gitarrenriffs dazu erklingen lässt! Das hat Stil, das hat Zukunft, „Roc4" wird einen guten Weg machen. Info: roc-4@web.de  (Friedrich Hog)