Die Petr Brandejs Band war für zwei Konzerte exklusiv da

Die tschechische Petr Brandejs Band war am Samstag, den 30. September 2006 in Vöhringen-Illerberg im Alten Sportheim live bei den Illertal Cowboys zu erleben, am Tag danach bei den Country & Western Friends Kötz in Dany’s Club in Neu-Ulm zum Brunch. Exklusiv für diese beiden Auftritte hatte die Formation die 10-stündige Anfahrt in’s bayerisch-württembergische Grenzgebiet auf sich genommen. Der Besuch der Konzerte hatte sich ob der filigranen Musik dieser Formation in jedem Fall gelohnt.

Petr Brandejs selbst spielt Banjo, singt nur Harmoniestimme, wie das bei Banjo-Spielern regelmäßig zu erleben ist. Der 22-jährige Student Ondra Kozák ist der Sänger und Gitarrist, ihn kennt man parallel von der Bluegrass-Formation Kreni, die 2004 bei der EWOB in Vöhringen immerhin Platz 5 belegten. Vilma Orlitová sang in Abwechslung zu ihm und manchmal im Duett und sie spielte den Kontrabass. Einige Klassiker wie “Southbound” und neuere Lieder aus der aktuellen amerikanischen Bluegrass-Szene wie Rhonda Vincent’s “Little Angels” wurden eingestreut, der Hauptbestandteil des Repertoires war aber von Bandleader Petr Brandejs selbst komponiert und getextet. Auch einige tschechische Lieder waren zu hören, aber nur, um dem Publikum ein wenig das entsprechende Sprachgefühl zu vermitteln. Das wurde gekonnt mit Swing verbunden, überhaupt ist es erstaunlich, wie groß der Vorsprung der Tschechen gegenüber den Deutschen ist, wenn es um die Beherrschung vielfältiger musikalischer Einflüsse geht und ungleich mehr junge Musiker befassen sich in Tschechien mit akustischen Instrumenten, als dies hier der Fall ist, jedenfalls was Bühnenreife angeht. Der Wunsch nach einer Kostprobe aus der reichhaltigen tschechischen Folklore hingegen konnte nicht erfüllt werden, was die tiefe Verwurzelung der Formation im Bluegrass unterstreicht. Vier CD’s hat die Band schon veröffentlicht im Laufe von rund 10 Jahren, Petr Brandejs hat sich vor einem Jahr ausschließlich auf seine eigene Formation konzentriert und spielt seit September 2005 in keiner anderen Band mehr fest mit.

Herrlich anzuhören die Chet-Atkins-Komposition “Midnight”, wo Vilma und Ondra ihren gemeinsamen Gesang zu Gehör brachten. Noch beachtlicher war das instrumentelle Zusammenspiel der Musiker. Gut integriert wurde auch “All That Matters” aus der Feder von Mark Knopfler. Ein “Scruggs Medley” zu Ehren des Banjo Pioniers Earl Scruggs durfte nicht fehlen, insbesondere da der Bandleader ja Banjospieler ist. Schöner akustischer Swing wieder bei “I Saw Your Face In The Moon”, traditioneller Bluegrass bei “Little Maggie” und “Flame In My Heart” gab gesanglich reizvolle Ergebnisse. Ondra’s Lieblingslied war “Little Tumbleweed”, das jazzig-leichthüftige Lied vom umherwehenden Gestrüpp, dem er manchmal neidvoll bis sehnsüchtig zusieht, angesichts der freien Bewegungsmöglichkeit ohne Zwänge. Sehr schön kamen auch John Hartford’s Gedanken rüber bei “Where Does An Oldtime Riverman Go”. Einige Instrumentals gaben Ondra Gelegenheit, die Fiddle zu spielen, was vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen wurde.

Drei ausführliche Sets spielte die Band und sie wurden nicht ohne Zugabe entlassen. Eine tolle Einführung, die die Petr Brandejs Band in ihre Musik gab, ihr dürfen jederzeit vertiefende Auftritte folgen. (Friedrich Hog)