Old Time Music ganz frisch verpackt: Europadebüt der Hunger Mountain Boys bei den Country & Western Friends Kötz
Mit
großer Lockerheit und Spielfreude zauberten Kip Beacco und Teddy Weber aus Great
Barrington, Massachusetts, besser bekannt als „The Hunger Mountain Boys",
authentische Old Time Music virtuos auf die Bühne im Sportheim Großkötz bei
Günzburg. Am Freitag, den 19. Mai 2006 machten sie auf ihrem Weg von Holland in
die Schweiz Zwischenhalt bei den Country & Western Friends Kötz, wo sie ein gut
gefülltes Auditorium antrafen.
Eröffnet haben das Konzert der emeritierte, aus Kalifornien stammende kanadische Professor für Folklore Neil Rosenberg (Banjo, Gitarre)und dessen Ehefrau Terri Thomsen (Fiddle). Erst im vergangenen Jahr haben sie geheiratet. Sie brachten etwas akademisch Klassiker wie „Roving Gambler", „The Lonesome Road Blues" oder „Bonapart’s Retreat" den Pee Wee King Hit, dessen Ursprünge ins 19. Jahrhundert zurückreichen. „Down The Road" beschreibt auf angenehme Weise die Vorzüge eines einfachen, aber glücklichen Lebensstils: Ein Stückchen weiter des Weges hat „er" ein hübsches Mädchen, was braucht man mehr. „Midnight On The Water" stammt vom Fiddler Benny Thomasson, dem Lehrer des großen Geigers Mark O’Connor. Bei „Old Joe Clark" war es den Vortragenden wichtig zu vermitteln, dass das Lied nicht nach dem ehemaligen kanadischen Prime Minister benannt wurde.
Für die Hunger Mountain Boys war der Auftritt in Kötz der erste Auftritt überhaupt in Europa. Als Gewinner des Mountain Stage National Songwriting Contest 2003 gegen über 325 andere Teilnehmer eilte dem 2002 gegründeten Duo ein großer Ruf voraus, dem sie aber stets in vollstem Umfang gerecht wurden. Von Anfang an legten sie ein hohes Niveau vor mit Titeln wie „Coming From The Ball", „Hang My Hat" oder „I’m Going Back Where Time Stands Still". Tolle Fingerfertigkeiten und stimmliche Perfektion kamen zusammen, Kip hat eine sehr klare Baritonstimme, Ted eine feine Tenorstimme, die sich zu einem perfekten Hörgenuss ergänzten. Selbstverständlich durfte ihr Mountain Stage Siegertitel „Nashville, Don’t Touch My Country Music" nicht fehlen, „Nashville, versau mir mit deinen kommerziellen Erwartungen nicht meinen guten Country-Sound", heißt es da.
In ihrem zweiten Set ließen die Hunger Mountain Boys u.a. Leon McAuliffe’s „Steel Guitar Rag" erklingen, Ted bediente eine National Steel. Kip hatte neben der Gitarre auch die Fiddle dabei, auch gab es neben der normalen akustischen Gitarre eine etwas kleinere Old Time Gitarre. Von den Louvin Brothers kam „I Wish You Knew" und „Kiss Me Quick" steht für das Augenzwinkern, das die beiden sympathischen jungen Männer stets begleitet.
Kötz erlebte einen absolut gelungenen Einstand der Hunger Mountain Boys, die bewiesen, dass man zu jeder Zeit gute Musik machen kann, die auch zu Herzen geht. Das sollte Musik eigentlich leisten, die Hunger Mountain Boys brachten dies mit ihrer Frische in perfekter Verbindung zur musikalischen Kompetenz erstklassig rüber. (Friedrich Hog)

