Kim Carson & Band überzeugen vor vollbesetztem Pfleghofsaal in Langenau bei Ulm
Kim
Carson hat längst eine große Fangemeinde in Europa, schließlich kommt sie seit
einigen Jahren regelmäßig auf ausgedehnte Touren. Dabei bringt sie einige eigene
Musiker aus Texas bzw. Louisiana mit, sie greift aber auch auf europäische
Musiker zurück, die sie geschickt in ihre Band einbaut. Seit sie zwei Mal schon
bei Radio free FM in Ulm interviewt wurde und jeweils auch mehrere Titel live
gesungen und gespielt hat, ist ihre Fangemeinde im Großraum Ulm besonders stark.
Die Country & Western Friends Kötz konnten daher am Samstag, den 05. August 2006
im Pfleghofsaal Langenau ein vollbesetztes Haus verzeichnen. In Zusammenarbeit
mit dem Kulturamt der Stadt Langenau hatten sie Kim Carson und ihre Band
zurückgeholt in jene Stadt, in der sie vor vier Jahren im Café Kapilio ihre
Ulmer Karriere begonnen hatte.
Kim Carson ist in New Orleans, Texas und Nashville ebenso daheim, wie in Europa. Mit dem Texaner Johnny Wolfe, der aufgrund des Starts einer eigenen Karriere sich nunmehr Johnny Falstaff nennt, um Verwechslungen vorzubeugen, hatte Kim Carson einen filigranen Gitarristen und Sänger mitgebracht, der im Stil eines Ray Price der frühen 60-er Jahre oder eines Dwight Yoakam singt. Mary Lasseigne aus New Orleans, die jetzt in Texas lebt, bediente den Bass, sie war früher bei der Rockband „Cowboy Mouth". Michael Zumstein sang mehrere Stücke und bediente Mandoline und Dobro. Das Schlagzeug war bei Vladi Kempf in besten Händen, er erzeugte mit seinen Besen eine sehr treffende Atmosphäre und bestach durch seinen Ideenreichtum. Die angenehme Lautstärke und die große Spielfreude von Kim Carson sorgten von Anfang an für ein befruchtendes Miteinander zwischen den Künstlern und dem Publikum.
„Cajun Moon" aus ihrer frühen Schaffensperiode eröffnete den Abend, gefolgt
von „Cry Over You" aus ihrer jüngsten CD „Buffalo Speedway": ich mach‘ alles
mögliche, heule aber bestimmt dir nicht nach. Mit viel Esprit kam ihre
Komposition „Honky Tonk Girl" rüber, sie hat es für den gutaussehenden Sohn von
Roger Miller („King Of The Road") geschrieben. Zärtlich wurde „No One To Blame"
interpretiert, der „I-10 Westbound Blues" hingegen erzählt u.a. von den
Baustellenstaus, die es zeitweise sogar in den USA gibt, wo eigentlich das Motto
gilt, der Verkehr muss rollen. Die Straße führt von Ost nach West und Kim
befährt sie regelmäßig auf ihrem Weg über Georgia, Alabama und Mississippi nach
New Orleans. Eine starke Version von Townes Van Zandt’s „White Freight Liner
Blues" legte Michael Zumstein hin, hier geht es auch um die Leiden der Menschen,
die häufig auf den Straßen unterwegs sein müssen. Das Lied gab Gelegenheit für
Soli, was sehr gut ankam. Bei „Hank’s Songs" griff Michael zum Dobro. Eine
neue
Eigenkomposition von Kim Carson ist „Buddy Johnson". Er steht für alle Menschen,
die beim Hurricane Katrina alles verloren haben, Haus und z.T. sogar Familie,
und nur noch mit ihrem Namen dastehen. Buddy gewinnt dennoch wieder Freude am
Leben, das liegt aber nur daran, dass er Leute trifft, die ihn in seiner
Situation noch akzeptieren und ihm nichts verbauen.
Lustig ist auch immer wieder die Geschichte vom Festival bei der deutschen Plattenfirma „Glitterhouse". Kim und ihre Band waren dort gebucht und als sie ankamen, war eine andere texanische Band schon da. Das Niveau war etwas unausgeglichen, denn die Band hatte ein paar Bierchen Vorsprung, Kim und ihre Band lagen „A Couple Of Beers Behind". Da das Publikum in Langenau gerne bei der Musik zuhört, die Veranstalter sind stolz auf den konzertanten Rahmen, konnte Kim das ruhige Stück „Fool For You" singen, bevor sie bei „Just Because You’re Gone" und „Thanks A Lot" (Ernest Tubb) wieder Gas gab. Michael sang Lowell George’s „Willin‘", nachdem sie kürzlich bei einem Festival mit Little Feet, Keith Urban und Doug Kershaw aufgetreten waren. „Burned By An Old Flame", das Mandy Strobel bekannt gemacht hat, hat Kim für einen Ex-Freund geschrieben, der mit Mary Lasseigne früher in der gleichen Band gespielt hatte. Bei „Say You Do" sang Johnny gekonnt den Blues. Natürlich durfte Kim’s Klassiker „Going Back To Louisiana" nicht fehlen, aber „I Only Like You When I’m Drinkin‘" war wieder eine neue Eigenkomposition. So langsam ging’s in Richtung Mitternacht bei Vince Gill’s „Midnight Train", dem mit „Folsom Prison Blues" (Johnny Cash) und „Fast Train To Georgia" (Billy Joe Shaver) zwei weitere Trainsongs folgten. Jimmie Rodger’s „Mule Skinner Blues" von 1930 war eine der Zugaben, die mit viel Enthusiasmus herausgeklatscht wurden, bis es Standing Ovations im Pfleghofsaal gab. Kim Carson wird auch 2007 in Europa unterwegs sein und sicher wieder ihre Fangemeinde und neue Freunde mobilisieren. (Friedrich Hog)