Johnny Cash Memorial Day in Leipheim Konzertantes Gedenken an Johnny Cash
Leipheim – hog Am Samstag, den 16. September hatten die Country & Western Friends Kötz eingeladen zum Johnny Cash Memorial Day. Der Saal im Schützenhaus Leipheim war mit zahllosen herrlichen Fotos von und instruktiven Texten über Johnny Cash dekoriert. Anlässlich des dritten Todestags von Johnny Cash am 12. September waren Bandana, Texas Heat und Mandy Strobel aufgetreten, der Saal war voll geworden. Aufschlussreich war ein ca. 20-minütiger Vortrag von Bettina Granegger, der das Leben und die Denkstrukturen des „Man in Black“ aufzeigte.
Wer
sich mit dem Thema Johnny Cash derart intensiv beschäftigt hat wie Bernd Wolf,
wird als Musiker immer wieder auf den Man In Black zurückkommen müssen. Bereits
vor zwei Jahren hatten sich er und seine Band
Texas Heat
und Mandy Strobel
getroffen. Anlass war der erste Johnny Cash Memorial Day. Da Mandy stimmlich
sehr eng mit Cash verbunden ist und seine Lieder ebenfalls beherrscht, hatte
sich damals bereits eine spontane Verständigung und Zusammenarbeit auf der Bühne
ergeben, die zwischenzeitlich ausgebaut worden ist. So traten Mandy und Texas
Heat um kurz nach 18 Uhr gemeinsam vor’s Mikrophon und spielten zwei Stunden
lang ohne Unterbrechung und mit viel innerer Hingabe die Lieder von Johnny Cash.
Mandy und Bernd wechselten sich beim Gesang ab, sie hatten vornehmlich das
neuere Repertoire ihres Vorbildes auf die Bühne gebracht, „Going By The Book“, „Rusty
Cage“ aus den American Recordings mit Produzent Rick Rubin und die jüngste
Single „God’s Gonna Cut You Down“ aus der aktuellen CD „American V - A Hundred
Highways“, die weltweit vorne in den Hitparaden steht. Auch das letzte Video des
Mannes aus Arkansas hatte die Formation im Repertoire, „Hurt“. Nebenbei liefen
ständig bewegte Bilder von Johnny Cash, die per Beamer an die Wand geworfen
wurde und manchmal hatte man den Eindruck, die Band spiele gerade eines der
Lieder, bei denen ohne Ton Johnny Cash parallel auch optisch zu bewundern war.
Der zweite Abschnitt des Abends gehörte Bettina Granegger, die sich dem Phänomen Cash wissenschaftlich angenähert hat. Eine ihrer Erkenntnisse war, dass Cash alle Menschen respektiert hat, unabhängig davon, ob hochgestellt oder gestrandet, Strafgefangener oder Indianer. Er hat ein langfristiges Denken gehabt, was ihn von den meisten Politikern deutlich abgrenzt. Seine Integrität und Autorität waren enorm, er hat immer zu dem gestanden, was er gedacht und gefühlt hat. 12 Jahre hat es gedauert, bis er schließlich die Liebe von June Carter gewonnen hatte, die er 1968 heiratete und mit der er bis zu deren Tod am 15. Mai 2003 zusammen war.
Mit
der sächsischen Gruppe
Bandana
begann der dritte Abschnitt des Abends. Im Stil des jungen Cash brachten sie
insbesondere sein frühes Werk zu Gehör. Kontrabass, elektrische Gitarre,
akustische Gitarre, Minimalschlagzeug, Boom Chicka Boom im Stil von Luther
Perkins war angesagt. Wenngleich die Optik weniger an Johnny Cash erinnerte, als
dies bei der slowakischen Johnny Cash Revival Band der Fall ist, war die
stimmliche Nähe zu Cash beachtlich. In Person der Schwarzwasserperlen Bernsbach
traten auch die Carter Sisters in Erscheinung, nicht nur im Hintergrund, sondern
auch an prominenter Stelle z.B. bei „Wildwood Flower“. Mit „Ring Of Fire“ hatte
sich die Formation in die Sechzigerjahre vorgearbeitet. „Ira Hayes“, über einen
Indianer, der im zweiten Weltkrieg tapfer für sein Land gekämpft hatte, im
Anschluss aber von den Weißen vergessen wurde, durfte ebensowenig fehle wie „Ghostriders“
oder „Johnny Yuma The Rebel“. Ruhigere Töne wie bei „I Would Like To See You
Again“ wechselten sich ab mit feurigen Nummern wie „Jackson“, bei denen das
Publikum richtig gut mitging. „Orange Blossom Special“ und „St. Quentin“ ...
Mandy und Bernd Wolf hatten sich schließlich für eine vierte Runde noch
dazugesellt. Hier kamen etliche der Lieder zum Einsatz, die noch gefehlt hatten
wie „Man In Black“.
Publikum, Veranstalter und Musiker waren nach dem Konzert allseits glücklich, lediglich der Anlass war traurig. Die Agierenden hatten sich aus unterschiedlichen Richtungen dem Phänomen Cash genähert, dessen Bedeutung sich bei immer mehr Menschen ins Bewusstsein gräbt. Die Veranstaltung dürfte daher eine Fortsetzung finden. Am 09. Dezember laden die Country Friends an gleicher Stelle zu ihrer jährlichen Country Christmas ein, bei der es klassischen Country von Ronny Nash & His Whiteline Casanovas gibt. (Friedrich Hog)