John Arthur Martinez & Tejas begeistern im Four Corners
Mit
einem herausragenden Einstand eroberte John Arthur Martinez mit seiner bestens
eingespielten originalen texanischen Band „Tejas" am Freitag, den 04. August
2006 auf Anhieb die Herzen seiner Zuhörer. Der Songschreiber, Gitarrist und
Sänger freute sich über die stets herrlich anzusehenden tänzerischen
Darbietungen im gemütlichen Country Restaurant zwischen Augsburg und Landsberg,
dem Four Corners in Untermeitingen. Mit zwei ausführlichen Sets ließ er für
Freunde authentischer Honky Tonk Music keine Wünsche offen. Sein spanischer
Einschlag bescherte teilweise Tex-Mex-Feeling und der Western Swing wurde von
der fünfköpfigen Band ebenfalls sehr gekonnt eingesetzt.
John Arthur Martinez wurde in Austin, Texas geboren. Sein Vater war ein 30 Jahre lang aktiver Schlagzeuger aus Mexiko, seine Mutter großer Hank-Williams-Fan. Aufgewachsen ist er im texanischen Hill Country. Mariachi-Balladen gehörten zum Alltag, denn Vater, dessen Schwester und einige Onkels sangen sie regelmäßig. Für jemanden wie John Arthur Martinez, der in der Gegend von Austin aufwuchs, waren auch der Country Music Hall of Fame Songschreiber Floyd Tillman, der in unmittelbarer Nähe wohnte, und Willie Nelson große Einflüsse, der gerade einmal 25 Meilen entfernt residierte. Im nahe gelegenen Bandera lebten Charlie und Bruce Robison, Robert Earl Keen jr. lebte ebenfalls nur unweit entfernt. Das texanische Hill Country war mithin eine reichhaltige musikalische Quelle.
Obwohl John Arthur Martinez englischsprachig aufwuchs, lernte er anlässlich ausgiebiger Besuche bei seinen spanischsprechenden Großeltern auch perfekt die spanische Sprache. Der bilinguale Hintergrund förderte seine Fähigkeit mit Sprache umzugehen. Schon im Alter von neun Jahren wurden seine Gedichte veröffentlicht. Rasch wurden unter Einsatz der Gitarre aus den Gedichten Lieder. Noch als Minderjähriger gelang es ihm, im legendären Nightclub „Armadillo World Headquarters" Bands wie „Asleep At The Wheel" oder „Commander Cody & His Lost Planet Airmen" zu sehen. Dieser Western-Swing-Einfluss brachte ihn rasch zur Musik von Bob Wills und George Strait.
An der Southwest Texas State University machte er seinen Abschluss, selbstverständlich im Fach „Englisch". Obwohl er Englisch als Universitätslehrer unterrichten wollte, spielte er zu jener Zeit schon fast jeden Abend in den Clubs seine Musik und er kannte natürlich jedes Lied, das Leute wie George Strait, James Taylor oder Dan Fogelberg je aufgenommen hatten. Abgerundet hat er sein Programm mit Beatles-Songs, die er auf seiner akustischen Gitarre vortrug.
Da
er nochmals etwas neues erleben wollte, entschloss er sich zu einem Umzug nach
Tucson, Arizona. Er schrieb sich an der Universität ein, um Journalismus zu
studieren. Rasch begann er aber wieder, in den Kaffeehäusern der
Universitätsstadt aufzutreten. Dabei reifte der Entschluss, dass er der Karriere
als Songschreiber und Sänger den Vorzug geben wollte. Seine Lieder gewannen an
Qualität und er wechselte zurück in die Gegend von Austin, wo er die Musik
nunmehr in Vollzeit betrieb. Der Anfang war nicht leicht, zwei Beziehungen
gingen zu Bruch. 1987 unternahm er seinen ersten Trip nach Nashville, was ihn in
seiner Tätigkeit als Songschreiber bestätigte, ihm aber auch aufzeigte, dass er
sich noch weiterbilden sollte, um bestehen zu können. In Ohio erlernte er an
einer speziellen Schule die Kunst der Aufnahmetechnik. Um sich finanziell über
Wasser zu halten, begann er an der High School im texanischen Marble Falls
Englisch und Tennis zu unterrichten, Tennis hatte er an der Uni neben Englisch
ebenfalls belegt, was ihm ein Stipendium eingebracht hatte. Seine Musik half
ihm, den Schülern etwas von Alliteration und Sprachrhythmus beizubringen. Abends
spielte er seine Livemusik. Das ging an die Substanz, aber er konnte bzw. wollte
es nicht einschränken. Nebenbei fuhr er immer wieder nach Nashville, wo er
bekannte Songschreiber wie John Prine („Paradise") oder Harlan Howard („Heartaches
By The Number") kennenlernte. Das inspirierte ihn und 1998 nahm er 10 seiner
Lieder auf, die CD hieß „Spinning Our Wheels". Es war noch ein Eigengewächs,
aber Gene Elders, bediente die Fiddle, der ansonsten für George Strait und Lyle
Lovett spielt. Auch Floyd Domino, ehemaliger Pianist von Asleep At The Wheel und
Merel Brigante, Percussionist von Loggins & Messina spielten mit. Die CD wurde
ein Renner bei den Fans seiner Liveauftritte.
Eine
seiner Fans hieß Yvonna, am 20. Februar 1999 heiraten sie. Über Nacht war John
Arthur Martinez Stiefvater von drei Mädchen und einem Jungen. 2001 erschien
seine zweite CD „Stand Your Ground", die ihm in Austin und sogar Dallas die
ersten Rundfunkeinsätze einbrachte. 2003 gelang ihm die Teilnahme bei der
wöchentlichen Talentshow im Fernsehen „Nashville Star". Besonders inspiriert
hatte er sich am 27. August 2003 bei einem Live-Auftritt in Nashville gefühlt,
nur er und seine Gitarre. Im Publikum saßen just an diesem Tag Vertreter von
Dualtone Records und der Williams Morris Agency. Beide nahmen ihn unter Vertrag,
so hatte er einen großen Plattenvertrag in der Tasche und ein funktionierendes
Management. Unter Produzent Matt Rollins konnte er nun mit den professionellen
Studiomusikern in Nashville arbeiten, das führte 2003 zur Veröffentlichung
seiner dritten CD „"Amor! Amor!", einer hochwertigen Singer-Songwriter-CD, die
auch eine bilinguale Version des George-Strait-Klassikers „Amarillo By Morning"
enthält. Die Talentsuche in „Nashville Star" beendete John Arthur Martinez als
zweitplatzierter der kompletten Jahresstaffel 2003. Mit „Lone Starry Night"
gelang ihm 2004 ebenfalls unter Produzent Matt Rollins eine exzellente vierte
CD, die u.a. seine internationalen Singles „The Armadillo Song" und „The River
Of Love/El Rio Amor" enthält. Inzwischen sind die Arbeiten an der fünften CD
fast abgeschlossen, einige Gesangsparts sollen noch ergänzt werden. Unter dem
Arbeitstitel „John Arthur Martinez & Tejas" hatten sie eine Vorabversion des
Albums schon mitgebracht in’s Four Corners nach Untermeitingen, wo sie ein
ansprechend gefülltes Auditorium vorfanden, das ihnen von Anfang an sehr gerne
zuhörte, was John Arthur Martinez sehr schätzt. Martinez und seine Musiker
erwiesen sich ohnehin als sehr nette und umgängliche Leute, Yvonna versorgte
kompetent den Stand der Band, wo man CD’s, T-Shirts oder Fotos erwerben konnte.
Für John Arthur Martinez war es der zweite Besuch in Europa, sein erster mit
seiner Band. In Amerika spielt er hauptsächlich im riesigen Texas, aber auch in
New Mexiko, Arkansas, Louisiana und Tennessee. Nach der Rückkehr von dieser
Europatournee ist eine Tour durch Neu England geplant.
„Tonight
At Fiesta", so begann der Auftritt und es herrschte ein wunderbar
differenzierter Sound in der richtigen Lautstärke. Die zweisprachige Version von
„Amarillo By Morning" und ein exzellentes „Roly Poly" erklangen, das rief
Begeisterung hervor. „Home Made Of Stone" war zu hören und „Cherry Springs
Swings", das Ron Knuth komponiert hat, der exzellente Fiddler der Band, der mit
Fiddlin‘ Frenchie Burke die CD „Fiddleheads" eingespielt hat. Das Lied ist ein
Dankeschön an die deutschen Einwanderer, die mit ihren Einflüssen die texanische
Kultur stark geprägt haben, ähnlich wie die Tschechen, Polen und Spanier. Klasse
natürlich der „Armadillo Song", der immer schneller wird und der zur
Aufforderung, doch mitzusingen animiert. John Arthur Martinez zeigte hierbei
eine Tanzeinlage. Herrlich die Bob-Wills-Nummer „Faded Love", einmalig schön die
Fiddle von Ron Knuth. Gemeinsam mit Monte Warden (Wagoneers) und Tommy Conners
(Autor des George-Strait-Hits „Desperately") hat John Arthur Martinez für seine
nächste CD das Mid-Tempo-Stück „It Takes A Part Of My Heart Away" geschrieben.
Das ist feinste Country Music im Stil des frühen Ray Price.
Den zweiten Set begann John Arthur Martinez nur begleitet von seinem Gitarristen Chris Reeves und „When You Say Nothing At All" aus der Feder von Paul Overstreet und Don Schlitz. Schön, wenn er wie in alten Zeiten ganz im Mittelpunkt steht, denn seine markante Stimme ist sehr gefühlvoll und verfehlt nicht ihre Wirkung. Bei „The Man Who Holds The Bow" ging’s natürlich um den Geiger der Band Ron Knuth und der spielte sodann „Orange Blossom Special". „Frijoles Con Arroz" ist eine Polka aus der CD „Amor! Amor!", die viel Spaß bereitet hat. Beim „Hot Rod Lincoln" durfte Bassist William B.B. Morse die Soundeffekte der Martinshörner und anderes einstreuen, sehr eigenständige und gelungene Version! Die Band erfreute noch mit „San Antonio Rose" und „La Bamba", das über Mexiko aus der Karibik gekommen war. Bei den Zugaben herrschte „1001 mexikanische Nacht" und als man John Arthur Martinez weit nach Mitternacht noch immer nicht gehen lassen wollte, brachte er solo mit eigener Gitarre eine herrliche Version von „Lone Starry Night".
Einen besseren Einstand hätte John Arthur Martinez nicht geben können. Seine authentische Country Music mit Western Swing und Tex-Mex-Einschlag kam von Herzen und wurde mit seiner eigenen Band im Four Corners optimal umgesetzt. Fragt sich, ob man ihm den verdienten ganz großen Durchbruch wünschen soll, oder dass er bald wieder aus nächster Nähe in Europa zu genießen sein wird. Jedenfalls ist er ein Riesentalent, das wunderbare Musik auf die Bühne zaubert und herrliche CD’s eingespielt hat. (Friedrich Hog)