Big Bear Festival 2006 in Holland
Im holländischen Zuidlaren im wunderschönen Theatersaal in einer Heilanstalt, die De Kimme heißt, fand am Pfingstmontag, den 05. Juni 2006 wieder das Big Bear Festival statt. Sound und Bühnenbeleuchtung waren wie jedes Jahr einmalig gut. Hier ist der Musikgenuss uneingeschränkt möglich, jeder Ton wird so übertragen, dass er im gesamten Saal bestens zu vernehmen ist. Ein perfektes Klangerlebnis, so macht Musikhören einfach Spaß. Insbesondere für Bluegrass, Old Time oder Folk Music ist das der passende Rahmen.

Den
Anfang machten dieses Jahr die holländischen Northern Bluegrass in
klassischer Bluegrass-Besetzung. Das erste Highlight setzten die Gordons
aus den USA, Gary Gordon (Gesang, akustische Gitarre) und Roberta Gordon
(Gesang, Autoharp) sind seit 35 Jahren ein Ehepaar, das sich auf die Old Time
Music spezialisiert hat. Ihre liebevolle Art, die Musik zu behandeln, erreicht
das Publikum natürlich direkt im Herzen. Von Jimmie Driftwood aus Arkansas
stammte „Tennessee Stud", Si Kahn hat „Gone, Gonna Rise Again" geschrieben. Neu
war „Thank You For Reminding Me". Aus ca. dem 16. Jahrhundert stammte die
Geschichte von „Black Jack Davy". Die Gordons überzeugten mit ihrer lebendigen
Art, die von ihnen gesungenen Lieder zu leben. Gestik und Mimik sagen da schon
viel aus und ihre spürbar tiefe Verwurzelung in der musikalischen Tradition
lässt den Zuhörer gebannt lauschen.
Sehr positiv überrascht haben auch die Greasy Beans aus den USA, eine
Bluegrass-Formation in klassischer Besetzung mit viel Eigenständigkeit. Josh
Haddix ist der Gitarrist und Sänger, Brad Hutchinson war am Banjo mitgekommen,
den wir von Jim & Jennie & The Pinetops her kennen. Charley Brophey ist der
Mandolinist der Formation. „Long Journey Home" ist ein Klassiker, „Leaving On
That Evening
Train"
haben sie selbst verfasst und Clair Lynch hat es auf ihre neue CD „New Day"
übernommen. „Busted" war der Titelsong ihrer eigenen aktuellen CD, hat aber
nichts mit dem Hit von Ray Charles bzw. John Conlee zu tun. Bei „Uncle Lucius"
erklang das Clawhammer Banjo, das seit Erfindung des Three Finger Picking Stils
regelmäßig dem Bereich „Old Time" zugeordnet wird, weniger dem Bluegrass. Merle
Travis‘ „Nine Pound Hammer" hat sich gut im Bluegrass etabliert. Die Ausrichtung
der Band ist offensichtlich sehr traditionell, aber ebenso abwechslungsreich und
ansprechend.
Ygdrassyl ist ein holländisches Trio, das auf geteilte Meinungen gestoßen ist. Die beiden Sängerinnen, die von einem Gitarristen begleitet wurden, sind eher der Folk-Richtung zuzuordnen, sie brachten denn auch Leonard Cohen’s „Traveling Ladies" oder Bob Dylan, ferner verträumte alte Folksongs, esoterisch, teils mit Mandola, schöne besinnliche Musik für den Kamin an einem kalten Winterabend.
Den Abschluss besorgten Randy Waller & The Country Gentlemen (USA),
die mit ihrem vierstimmigen Gospel-Gesang Akzente setzten, wie sie an diesem Tag
noch nicht zu hören waren. Wunderschön die Legende vom „Rebel Soldier", einem
Klassiker der Country Gentlemen, noch aus der Zeit von Randy‘s Vaters Charlie
Waller
als Bandleader. Herausragend gelang ihnen Steve Young’s „Traveling Kind" (die
amerikanische Schreibweise verzichtet auf ein „l"). Auch „Two Little Boys" war
aus dem Repertoire der Formation unter Charlie Waller entnommen und sehr schön
gelang insoweit auch „Casey’s Last Ride". Von „Cryin‘ In The Chapel" ging eine
große Faszination aus, das Publikum lauschte andächtig. Die Aufnahme findet sich
auf der letzten CD von Charlie Waller, bei der Randy Waller bereits mitgewirkt
hatte, „Songs Of The American Spirit". Die erste unter der Leitung von Randy
Waller entstandene CD trägt den bezeichnenden Titel "Keeper Of The Flame", siehe
www.randywaller.com.
Klassiker wie „Matterhorn" oder „Fox On The Run" lösen immer wieder Begeisterung aus, Randy Waller gibt sein bestes, um stimmlich die Qualitäten seines Vaters zu erreichen. Bei „Bringing Mary Home" stellten sich einem einmal mehr die Nackenhaare und „House Of The Rising Sun" kommt auch ganz intensiv bei den Country Gents. Die Formation liebte sichtlich diesen Theatersaal und erfüllte gerne die Zugabenwünsche des Publikums. (Friedrich Hog)