11.04. James Leva & Camp Mountain

Schon wieder waren wir im Sportlerheim in Vöhringen/Illerberg, unglaublich, wer da alles auftritt! James Leva war mir von einigen CDs ein Begriff, vor allem mit seiner Exfrau Carol Elizabeth Jones, und die waren recht gemischt, Old Time, Folk, Singer/Songwriter. Da war ich gespannt, was er jetzt mitbringt. Das war zuerst seine Band: Al Tharp, Bass und Banjo, aus New Orleans ("oder was davon noch übrig ist"); er hat 20 Jahre bei Michael Doucet & Beausoleil mitgespielt, Danny Knicely, Mandoline, Geige und Gitarre, Partner von Tony Rice, Mac Wiseman, Vassar Clements u.a., Matthew Olwell, Rhythmusbox und Tanzbrett, hat einmal bei Riverdance mitgemacht. James selbst spielt Geige und Gitarre. Das ist eine interessante Besetzung, und ihr Angebot lässt sich umschreiben als "Neo Old Time Music". Sie nennen einige Quellen: Roscoe Holcomb, Hobart Smith, Tommy Jarrell, Clyde Davenport, also keine Stringbands, obwohl sie letztlich als eine solche auftreten. Wenn sie aus dem Repertoire von Tommy Jarrell "Boll weevil" und "Raleigh & Spencer" übernehmen, weisen sie auch auf die afrikanische Wurzel der Old Time Music hin. Diese wird gern übersehen oder unterschlagen, beweist sich aber an der Existenz des Banjos, das ja mit den Sklaven aus Afrika gekommen war. Auch die Old Time Music hat ihre Klassiker und Standards, die aber kaum gespielt wurden. Das Repertoire ist unerschöpflich, man muss es nur erforschen. Leva, im Hauptberuf Französischlehrer in Virginia erklärte auch, nicht zu kurz, nicht zu lang, was es mit den einzelnen Liedern auf sich hat, und die Stücke bilden kein Museum, das man besichtigt, sondern einen Schatz an Erfahrungen, die man weiter nutzen kann und muss. Sie wurden auch nicht einfach reproduziert, sondern weiterentwickelt, was wiederum keine krampfhafte Modernisierung darstellt. Schließlich hatte Leva auch einige Stücke selbst verfasst, die Musik lebt also noch und wird nicht nur künstlich beatmet. Aus dem Rahmen fiel auch Mattie Olwell, der nicht nur seiner hölzernen Rhythmusbox, sondern mit flachen Händen auch seinem Bauch und seinen Schenkeln den nötigen Rhythmus entlockte. "Hambone" nennt sich diese Kunst, aufgekommen bei den Sklaven, als man ihnen ihre Trommeln als unkontrollierbares Kommunikationsmedium nahm. Zwischendurch tanzte er auch auf einem mitgebrachten Brett; "Tap Dance" nannte er das. Al hatte das Griffbrett eines Kontrabasses allein als E-Bass, handlich und klangvoll, sein Old Time Banjo klang sehr abgedämpft und stumpf, mehr als Rhythmus- denn als Melodieinstrument gedacht. Danny wechselte zwischen seinen Instrumenten, was im Duett mit James auch eine effektvolle Twinfiddle ergab. Die drei sangen auch bei Bedarf, Leva sang das meiste. Das kleine Sportlerheim war wieder gut voll, erstaunlich unter der Woche bei einer bislang unbekannten Band mit unbekannter Musik, aber die Hörer gingen mit und waren sehr begeistert. Und man denkt schon nach über ein weiteres Konzert in nicht allzu ferner Zukunft.